Mehr Platz für Radler? : Teltow bekommt Radweg für einen Tag

Teltow bekommt den ersten sogenannten Pop-up-Radweg – aber nur für ganz kurze Zeit. Der ADFC kritisiert mit der Aktion auch die fehlende Rad-Anbindung nach Berlin.

Pop-up-Radwege sind in der Coronakrise in vielen Städten entstanden - hier in Berlin in der Frankfurter Allee.
Pop-up-Radwege sind in der Coronakrise in vielen Städten entstanden - hier in Berlin in der Frankfurter Allee.Foto: Sven Braun/dpa


Teltow - Mehr als 20 Kilometer sogenannte Pop-up-Radwege hat Berlin in diesem Jahr geschaffen. Nun soll auch in Teltow eine zusätzliche Spur für Radfahrer vom Straßennetz abgeteilt werden. Am Samstag, den 15. August, will die Ortsgruppe Teltow des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club e.V. (ADFC) ab 15 Uhr auf der Lichterfelder Allee in Richtung Berlin in Höhe des Mauerstreifens eine „Pop-up-Bike-Lane“ aufstellen. Dies ist ein kurzzeitig auf der Straße angelegter fahrradfreundlicher Radfahrstreifen.

Eine Anbindung der Radinfrastruktur nach Berlin fehlt, kritisiert der ADFC

Wie berichtet hatte die Deutsche Umwelthilfe (DUH) auch von Potsdam und rund 130 weiteren Städten gefordert, dem Vorbild Berlins zu folgen und Pop-up-Radwege einzurichten. In der Hauptstadt hatte man damit im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg unter dem Einfluss der Corona-Pandemie begonnen. In Zeiten des Lockdowns sollte so der Zunahme des Radverkehrs Rechnung getragen werden.

In Teltow will der ADFC mit der Aktion ebenfalls für die Einrichtung dieser neuen Radrouten werben, vor allem vor dem Hintergrund „der unterdimensionierten und in unzumutbarem baulichem Zustand befindlichen Radwege in der Lichterfelder Allee“, so der ADFC. Zudem solle auf die immer noch nicht vorhandene Anbindung der Radwegeinfrastruktur von Teltow nach Berlin aufmerksam gemacht werden, heißt es in einer Erklärung. „Es gibt keine einzige Radwegeverbindung von Teltow nach Berlin, die auf beiden Landesseiten komfortabel und sicher für Radfahrende ist“, erklärt der ADFC. Da die Zahl der Radfahrer, gerade auch durch die Pandemie bedingt, immer weiter zunehme, sei es an der Zeit, ihnen breite, gut ausgebaute Radwege anzubieten, auf denen sich alle sicher fortbewegen könnten, so Markus Jurziczek, Sprecher des ADFC Ortsgruppe. Freigeben ist der Pop-up-Weg indes nur von 15 bis 17 Uhr.

Stadt Teltow sieht Land in der Pflicht, Land verweist zurück zur Stadt

Das Ansinnen des ADFC hält Teltows Stadtsprecher Jürgen Stich für durchaus nachvollziehbar, Adressat aber sei der Landesbetrieb Straßenwesen, da es sich bei der Lichterfelder Allee um eines Landestraße handele. „Für unsere kommunalen Straßen waren Pop-up-Radwege bislang kein Thema. Vermutlich sei dies wohl auch eher ein Thema für Großstädte“, so Stich. Beim Landesbetrieb Straßenwesen dagegen verweist man wiederrum zurück an die Stadt. Sollte ein solcher Radweg gewünscht werden, müsse die Kommune einen entsprechenden Antrag bei der Unteren Straßenverkehrsbehörde des Kreises stellen, heißt es auf Nachfrage.

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Inzwischen haben jedoch schon zahlreiche Kommunen in ganz Deutschland Pop-up-Radwege eingerichtet. In Potsdam zeigte man sich zuletzt wie berichtet davon wenig beeindruckt. „Die Notwendigkeit aufgrund der Pandemie nun provisorische Radverkehrsanlagen in Potsdam anzulegen wird nicht gesehen“, teilt das Rathaus auf PNN-Anfrage Anfang April mit. Eine solche Maßnahme könne in Großstädten mit einem großen Nachholbedarf an Radverkehrsanlagen und Straßen mit hohen Emissionen durchaus sinnvoll sein, wenn die Voraussetzungen für provisorische Radverkehrsanlagen gegeben sind – wie etwa in Berlin, hieß es weiter. An dieser Einschätzung habe sich bislang nichts geändert, hieß es auf erneute Nachfrage. „Wir streben nachhaltige Lösungen an.“

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