Mehr Hilfe für Angehörige : Häusliche Pflege soll stärker untersützt werden

Im neuen Stützpunkt in Teltow sollen Angebote rund um die häusliche Pflege gebündelt werden.

Stützpunkt-Team. Fachbereichsleiter B. Schade, Barmer-Geschäftsführerin G. Leyh, Pflegeberaterin U. Caller und AOK-Geschäftsführer F. Ahrend (v.l.).
Stützpunkt-Team. Fachbereichsleiter B. Schade, Barmer-Geschäftsführerin G. Leyh, Pflegeberaterin U. Caller und AOK-Geschäftsführer...Foto: enrico Bellin

Teltow - Es sind vor allem Frauen, die pflegebedürftige Angehörige zu Hause versorgen, sagt Barmer-Geschäftsführerin Gabriela Leyh bei der Eröffnung des neuen Teltower Pflegestützpunktes am Mittwochnachmittag. „Sie brauchen dabei Zuspruch und Ermutigung, auch mal an sich selbst zu denken und nicht nur an den zu pflegenden Menschen“, so Leyh. Ulrike Caller, die als Pflegeberaterin ab sofort im Teltower Stützpunkt arbeitet, ergänzt: „Einige Helfer sehen sich selbst schlicht nicht mehr.“

Für sie soll der Pflegestützpunkt mit seiner kostenlosen Beratung eine Anlaufstelle sein. Pflege- und Sozialberater sollen durch den Wust an Fördermöglichkeiten führen und erklären, wie man etwa häusliche Pflegekräfte zur Unterstützung bekommt. Seit zehn Jahren gibt es einen solchen Pflegestützpunkt in Werder (Havel), 2013 kam eine Außenstelle in Beelitz dazu. Auch die Räume in der Potsdamer Straße 7 in Teltow sind eine Außenstelle des Werderaner Stützpunktes, an der zunächst jeden Mittwoch von 9 bis 11 Uhr beraten wird. „Wichtig ist, dieses Angebot bekannt zu machen. Wenn der Andrang größer wird, können die Sprechstunden auch ausgeweitet werden“, so AOK-Geschäftsführer Frank Ahrend.

Die AOK, die Barmer und der Landkreis finanzieren das Projekt. Die Miete in den Räumen in Werder wird gedrittelt, die Teltower Räume finanziert der Kreis, der dort auch andere Beratungsangebote bietet. Die AOK stellt zwei Pflegeberater, die Barmer einen und der Landkreis beschäftigt einen Sozialberater, ein zweiter wird derzeit gesucht.

„Wenn wir Pflegeberater merken, dass eine stationäre Pflege nötig wird, das Geld des zu Pflegenden aber nicht ausreicht, vermitteln wir an den Sozialberater, der dann alles weitere mit dem Sozialamt klärt“, beschreibt Ulrike Caller die Zusammenarbeit. Die drei Stunden pro Woche Beratungszeit klingen nicht viel, nur drei intensive Beratungen sind laut Caller in dieser Zeit möglich. „Es gibt nach vorheriger Absprache aber auch andere Termine, zudem machen wir Hausbesuche“, so Caller. Das sei etwa nötig, um herauszufinden, wie Wohnungen für den Pflegebedürftigen umgestaltet werden müssen. Zudem gibt es im Fläming noch keine Anlaufstelle für pflegende Angehörige.

Der Bedarf ist jedoch hoch, wie Fachbereichsleiter Bernd Schade verdeutlicht. Pro Jahr gebe es bereits mehr als 2000 entsprechende Beratungen im Landkreis. Allein in der Teltower Region, in der 70 000 Menschen leben, sind 13 400 Bewohner älter als 65 Jahre. Bis zum Jahr 2030 werden es laut Kreisprognosen 20 000 Menschen sein.

Im gesamten Landkreis gibt es derzeit 8000 pflegebedürftige Menschen. Sie und ihre Angehörigen wissen jedoch nicht immer, welche Fördermöglichkeiten es für sie gibt, wie eine Studie der Barmer ergeben hat. „Ein Drittel kennt die Hilfsangebote gut, ein Drittel hat Probleme damit und ein Drittel beschäftigt sich damit gar nicht“, so die Barmer Geschäftsführerin. Der neue Pflegestützpunkt soll dieses Verhältnis ändern. Enrico Bellin