Mega-Windräder in Potsdam-Mittelmark : So hoch wie der Fernsehturm

Windkraftbetreiber stellen Anträge für neue, 200 Meter hohe Mega-Windräder rund um Potsdam. Sie sind doppelt so hoch wie die bisherigen Anlagen. Dagegen regt sich Protest.

Henry Klix
Zwerg und Riese. In einem Windpark bei Husum stehen 200-Meter-Windräder der neuen Generation neben älteren Modellen.
Zwerg und Riese. In einem Windpark bei Husum stehen 200-Meter-Windräder der neuen Generation neben älteren Modellen.Foto: Christian Charisius/dpa

Potsdam-Mittelmark - Die Windparkbetreiber scharren mit den Hufen: Für alle großen Windeignungsgebiete rund um Potsdam sind inzwischen Anträge zum Bau von Windrädern der neuen Generation gestellt worden. So läuft für das Windeignungsgebiet Bliesendorfer Heide ein Antragsverfahren für den Bau von insgesamt neun Windenergieanlagen, die eine Höhe von jeweils 200 Metern erreichen sollen. Kritiker warnen bei diesen Höhen, die der Kuppel des Berliner Fernsehturms entsprechen, vor einer technogenen Entstellung der Landschaft.

Antragsteller ist die insolvente Firma Prokon aus Itzehoe, die nach eigenen Angaben bis Mitte des Jahres die Sanierung und damit das Insolvenzverfahren abschließen will. Zwei der Windräder sollen sich auf Bliesendorfer, sieben auf Fercher Gemarkung befinden. Ursprünglich wollte Prokon eigene Windräder aufstellen, die Produktion wurde im Zuge des Insolvenzverfahrens aber eingestellt. Nun soll der Windanlagenbauer Vestas zum Zuge kommen.

Regionalplanung: Windräder können genehmigt werden

Für die Reesdorfer Heide westlich von Beelitz-Heilstätten hat die Firma Juwi aus Wörrstadt den Bau von 15 Windkraftanlagen beantragt, die ebenfalls jeweils knapp 200 Meter hoch werden sollen. Zu Siedlungsgebieten werden Abstände zwischen 987 und 2000 Metern eingehalten, wie es von am Verfahren beteiligten Behörden hieß. Weitere sieben Windräder hat dort gerade die Firma Notus Energie aus Potsdam beantragt, ebenfalls bald 200 Meter hoch. Auch für das Windeignungsgebiet Wittbrietzen östlich des Ortes wollen die Investoren nicht mehr länger warten: Die Meißener Firma UKA hat Anträge für drei Windenergieanlagen im Süden des Windeignungsgebietes gestellt. Ursprünglich waren es fünf, wegen des am Riebener See geltenden Naturschutzes wurden aber zwei der Anträge zurückgezogen.

Aus Sicht der Regionalplanung steht der Genehmigung der neuen Windräder durch das Landesumweltamt nichts im Wege. Der Regionalplan mit 24 neuen Windeignungsgebieten in der Planungsregion zwischen Rathenow und Dahme ist im Dezember vergangenen Jahres verabschiedet worden. Zwar warte man noch auf eine Genehmigung durch die Gemeinsame Landesplanung Berlin-Brandenburg, sagte Planungsstellenleiter Lutz Klauber. Doch das Landesumweltamt könne die Anträge auf Grundlage des Baugesetzbuchs genehmigen, das seit Zeiten von Kanzler Kohl eine Privilegierung der Windenergie vorsieht. „Im Genehmigungsverfahren wird durch das Landesumweltamt geprüft, ob Belange der Raumordnung entgegenstehen“, so Klauber. Das aber werde für die 24 Windeignungsgebiete im Regionalplan mit umfassender Begründung verneint. „Als Regionale Planungsstelle gehen wir davon aus, dass keine Genehmigungshindernisse mehr vorliegen“, sagte Klauber.

Auch für das Windeignungsgebiet Genshagener Heide östlich von Sputendorf scheinen sich die schlimmsten Befürchtungen der Dorfbewohner zu bewahrheiten. Die zwei hier ebenfalls von Notus Energy geplanten Windriesen werden nicht die einzigen bleiben. Auch die Eckernförder Plan 8 plant hier im Auftrag der Berliner Stadtwerke fünf 200-Meter-Anlagen, erklärte Geschäftsführer Dirk Jesaitis gegenüber den PNN. Ein entsprechender Genehmigungsantrag wurde im Dezember gestellt.

Weniger Windräder

Wie Jens-Uwe Schade, Pressesprecher des brandenburgischen Umweltministeriums, erklärte, lägen gegenwärtig für 21 weitere Windenergieanlagen in der Genshagener Heide Anträge vor, meist von Plan 8. Dessen Chef Jesaitis versichert allerdings, dass es sich um frühere Anträge handele und diese Zahl von Windrädern nicht mehr zur Debatte stehe.

Damit vollzieht sich in der Region womöglich ein Trend. Große Turmhöhen, so fanden Energieexperten heraus, würden zu höheren Energieerträgen führen. Demnach könnten künftig in Windparks zwar weniger, dafür aber höhere Windräder stehen. Für die Sputendorfer kaum ein Trost. Die 200-Meter-Riesen, die die vorhandenen um 60 Meter überragen, sind den Anwohnern ein Dorn im Auge. Sie fürchten, wie andere Betroffene in der Nähe der neuen Mega-Windfarmen, Schlagschatten, Lärm und nicht zuletzt negative ökologische Auswirkungen, etwa auf Brutvögel, die sich in Schwärmen auf den Rieselfeldern niederlassen.

Unerreichte Höhen in der Region

Der Genehmigungsbehörde liegt bereits ein Widerspruch der Sputendorfer gegen die Pläne vor. Eine Entscheidung steht aus. Das Verfahren befinde sich erneut in der Behördenbeteiligung. Da jedoch noch Stellungnahmen von Fachbehörden fehlten, sei eine abschließende Bewertung noch nicht möglich, so Ministeriumssprecher Schade.

Die bahnbrechenden Höhen sind bislang fast unerreicht in der Region. Die Windräder der neuen Generation sind oft doppelt so hoch wie frühere Modelle. Bemühungen im politischen Raum, die Siedlungsabstände – für die Planungsregion Havelland-Fläming gelten 1000 Meter – auf den Faktor zehn der Anlagenhöhe zu vergrößern, sind in Brandenburg bislang im Sande verlaufen.

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