• Landratswahl in Potsdam-Mittelmark: Ein Landkreis sucht einen neuen Chef - der Kandidaten-Check

Landratswahl in Potsdam-Mittelmark : Ein Landkreis sucht einen neuen Chef - der Kandidaten-Check

Am Sonntag bestimmen die Mittelmärker:innen einen neuen Landrat. Welche politischen Ziele die sieben Kandidaten verfolgen und welche Themen ihnen am wichtigsten sind.

Am Sonntag findet die mittelmärkische Landratswahl statt. 
Am Sonntag findet die mittelmärkische Landratswahl statt. Foto: Sandra Calvez/PNN

Sieben Männer treten an, um Landrat in Potsdam-Mittelmark zu werden. Wir haben sie gefragt, warum sie gewählt werden wollen, was sie für das Amt qualifiziert und was sie im Landkreis bewegen wollen. Ein PNN-Überblick mit allen Fragen und Antworten zur Wahl am 6. Februar.

1. Warum wollen Sie Landrat werden? Was qualifiziert Sie?

2. Was sind die drei wichtigsten Themen für den Landkreis?

3. Was würden Sie als erstes machen, sollten Sie gewählt werden?

4. Was würden Sie anders machen, als der bisherige Amtsinhaber? 

Marko Köhler (SPD), 48 Jahre alt, aus Brück

Marko Köhler (SPD).
Marko Köhler (SPD).Foto: Fotoatelier Straube

Zu 1: Aus Respekt vor den Menschen hier. Auch unsere Kinder und Enkelkinder sollen in einem lebenswerten Potsdam-Mittelmark aufwachsen: modern, klimaneutral, gut vernetzt und sicher. Das will ich durchsetzen. Und das kann ich auch durchsetzen, denn als Polizist und als Amtsdirektor habe ich gelernt, wie man Menschen zuhört, wie man anpackt und wie Kommunalpolitik funktioniert - und zwar soziale Kommunalpolitik.

Zu 2: Erstens: Klimaschutz und nachhaltiger Verkehr. Wir wollen mobil sein - aber das darf nicht zulasten des Klimas gehen. Zweitens: Bezahlbares Wohnen für alle, auch und gerade für junge Menschen, für Senior*innen und für Menschen mit Behinderungen. Olaf Scholz und Klara Geywitz sind da meine Verbündeten. Drittens: Kurze Wege zum Arzt und zum Krankenhaus und ein leistungsfähiger Rettungsdienst, denn Gesundheit ist ein hohes Gut.

Zu 3: Als erstes werde ich den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kreisverwaltung „Hallo“ sagen und die Frage stellen: Wie setzen wir die wichtigsten Projekte für Potsdam-Mittelmark um? Radwegebau, klimaneutrale Gebäude, ein Bündnis für Wohnen, gute Gesundheitsversorgung. Auch mit dem Kreistag und mit allen Menschen im Landkreis werde ich genau das diskutieren. Nach 100 Tagen will ich nicht nur die Probleme kennen - sondern auch mit der Lösung begonnen haben.

Zu 4: Vieles! Jeder Landrat hat seinen eigenen Stil. Wolfgang Blasig war unglaublich gut darin, die Wirtschaft zu stärken: Kaum Arbeitslosigkeit, ein stabiler Mittelstand und ein Haushalt ohne Schulden in Potsdam-Mittelmark sind das Ergebnis. Jetzt gilt es, schnell und energisch für die junge Generation zu handeln, damit Umwelt, natürliche Ressourcen und Klima geschützt werden - durch Maßnahmen, die Wohlstand und Arbeitsplätze sichern.

Christian Große (CDU), 44 Jahre alt, aus Werder (Havel)

Christian Große (CDU).
Christian Große (CDU).Foto: Promo

Zu 1: Mein ganzes Leben bin ich hier zu Hause und engagiere mich seit mehr als 20 Jahren in der Kommunalpolitik. Erfahrung sammelte ich als Mitglied der Stadtverordnetenversammlung Werder (Havel) und des Kreistages. Nun bin ich seit sieben Jahren als Beigeordneter der Stadt Werder (Havel) für Kitas, Schulen, Feuerwehr, Bauen, Ordnung, Verkehr, Wirtschaftsförderung und Tourismus zuständig und kenne daher die Herausforderungen für unsere Verwaltung und unsere Bürger sehr genau.

Zu 2: Oft sind Antragsverfahren lang und kompliziert. Daher müssen sie zügig digitalisiert werden. Wartezeiten wie bei der Kfz-Zulassung darf es nicht mehr geben. Die Zuweisungen aus Potsdam werden deutlich sinken. Um dennoch weiter gute Lebensbedingungen zu schaffen, müssen sich Unternehmen bei uns entwickeln können. Dazu müssen Gewerbeflächen deutlich besser verfügbar sein. Unser Landkreis muss auch als Arbeitgeber noch attraktiver werden, um Fachpersonal zu gewinnen.

Zu 3: Für die Kommunalpolitik bin ich Feuer und Flamme. Daher sind mir Bürgeranliegen eine Herzensangelegenheit. Als erstes möchte ich gerne Bürgersprechstunden einführen und so die Bürgernähe stärken. Mit fortschreitender Digitalisierung kann ich mir auch sehr gut Videosprechstunden der Verwaltung vorstellen. Die Kommunikation auf Augenhöhe muss ebenso mit den Kommunen erfolgen, denn nur mit starken Kommunen können wir gemeinsam einen starken Landkreis entwickeln.

Zu 4: Gerne erkläre ich, wie ich die Aufgabe verstehe - Haltungsnoten für Vorgänger im Amt vergebe ich aber nicht. Mich treibt in der Kommunalpolitik besonders an, dass ich Verbesserungen im Zusammenleben und Zusammenarbeiten meiner Heimat bewirken kann und ganz konkret und abrechenbar an den beförderten Entscheidungen gemessen werde. Klar ist, ich kann es nicht allen recht machen. Doch kommt es dann darauf an, zu erklären, warum etwas einmal nicht umgesetzt werden kann. 

Meiko Rachimow (Piraten), 44 Jahre alt, aus Werder (Havel)

Meiko Rachimow (Piraten).
Meiko Rachimow (Piraten).Foto: Tom Klement

Zu 1: Ich kann als Landrat meine Ideen zur politische Teilhabe der Menschen umsetzen und mich reizt die Herausforderung. Unsere Demokratie muss sich weiterentwickeln. Transparenz und Bürgerbeteiligung, direkte Teilhabe der Menschen an der Macht - das ist etwas, wofür sich der Einsatz lohnt. Mit meiner Kandidatur zeige ich, dass man sich nicht vom Politiktheater einschüchtern lassen muss. Rausgehen und etwas tun: Kritisieren, Vorschlagen, Mitgestalten!

Zu 2: Mit der Gründung einer Wohnungsgesellschaft möchte ich den Landkreis befähigen, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen beziehungsweise zu sichern. In Hinblick auf den Klimawandel müssen wir tätig werden. Notwendig ist zum Beispiel die Modernisierung der Wasserinfrastruktur, um mit unserem knappen Wasser sparsamer umzugehen. Und ich werde die Digitalisierung vorantreiben. Die Verwaltung muss sich dafür radikal reformieren und im Landkreis ist der Breitbandausbau entsprechend voranzutreiben.

Zu 3: Ich werde mich für den Rückkauf des Krankenhauses in Bad Belzig stark machen. Es ist elementarer Bestandteil der medizinischen Versorgung im Süden des Landkreises. Der Masterplan zur Entwicklung der Verwaltung muss auf den Prüfstand und an die Anforderungen der Digitalisierung angepasst werden. Und natürlich werde ich mich um die Etablierung von modernen Beteiligungsverfahren kümmern. Dazu ist die Stelle eines Beteiligungsbeauftragten auszuschreiben.

Zu 4: Als Landrat werde ich viel stärker auf die Beteiligung der Betroffenen setzen und die Verwaltung diesbezüglich öffnen. Ich möchte die Sorgen und Ideen der Menschen hören und deshalb eine Bürgersprechstunde anbieten. Ein besserer Kommunikationsstil in Richtung der Bürgerinnen und Bürger ist mir sehr wichtig. Die Schreiben der Ämter können rechtssicher sein, ohne dass sie sich einer Kommandosprache bedienen.

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Hans-Peter Goetz (FDP), 60 Jahre alt, aus Teltow

Hans-Peter Goetz (FDP).
Hans-Peter Goetz (FDP).Foto: Sebastian Gabsch

Zu 1: Mir liegt meine Heimat am Herzen. Ich möchte, dass die Menschen in Potsdam-Mittelmark ihr Leben so gestalten können, wie sie selbst das wollen. Dafür muss unter anderem der Landkreis die Voraussetzungen schaffen. Das will ich tun. Als Anwalt mit über 30 Jahren Berufserfahrung im öffentlichen Recht weiß ich einerseits, wie Behörde geht und andererseits, welche Probleme die Menschen haben.

Zu 2: Unmittelbare Aufgabe ist die Überwindung der Coronakrise mit ihren zum Teil noch gar nicht sichtbaren Folgen für Zusammenleben und Wirtschaft. Die Spaltung der Gesellschaft muss überwunden werden. Wir brauchen wirtschaftlichen Erfolg, um uns soziale Projekte leisten zu können. Die Beziehungen zwischen Bürgern und Behörde müssen einfacher werden, zum Beispiel durch Digitalisierung und Außenstellen der Verwaltung.

[Lesen Sie auch: Der scheidende Mittelmark Landrat Wolfgang Blasig (SPD) im Interview„Ich wollte was reißen“]

Zu 3: Ich danke den Konkurrenten für den fairen Wahlkampf, bitte die Mitarbeiter der Verwaltung um freundliche Aufnahme und darum, mich auf Fehler, die ich mache, möglichst rechtzeitig hinzuweisen. Ich versuche, die vielen freien Stellen in der Kreisverwaltung zu besetzen. Nur so kann der Landkreis volle Leistung bringen. Und ich müsste meinen Alltag völlig neu organisieren.

Zu 4: Ich würde stärker den unmittelbaren Kontakt zu den Mittelmärkern suchen: Bei Feuerwehren, bei Sportveranstaltungen, in den Vereinen und auch in Begegnungsstätten. Ich würde stärker zu vermitteln versuchen, dass bei allen guten Ideen unsere Möglichkeiten endlich sind und auch deshalb manches länger dauert, als wir es uns wünschen, aber daran arbeiten, schneller zu werden. Jeder soll nach seiner Fasson glücklich werden. 

Georg Hartmann (Grüne), 50 Jahre alt, aus Werder (Havel)

Georg Hartmann (Grüne).
Georg Hartmann (Grüne).Foto: promo

Zu 1: Mich leitet die Überzeugung, eine Verantwortung für unsere Gemeinschaft zu haben. Im Moment kann ich ihr als Landrat gerecht werden. Ich habe einen gesunden Respekt vor dem Amt. Zugleich bin ich mir sicher, dieses mit meiner Persönlichkeit, meinem Wissen und meinen Fähigkeiten auszufüllen. Als Jurist sind mir Verfahren, Gremien und Behörden geläufig und zugleich bringe ich als Selbständiger genau das Maß an Frische und Ideenreichtum ein, das Potsdam-Mittelmark dringend braucht.

Zu 2: Der Radwegeausbau ist zu beschleunigen; es droht ein Verlust an Fördermitteln. Ein Grundwassermanagement ist nötig. Die Mülldeponie Fresdorfer Heide ist zu verhindern. Wir brauchen eine kulturelle und künstlerische Kinder- und Jugendförderung, um Corona zu verarbeiten, sowie eine echte Schulbedarfsplanung. Wir brauchen ein positives Klima in der Verwaltung, das kreative und ambitionierte Mitarbeiter bindet, und klare Zusagen für Bad Belzig als Verwaltungsstandort.

Zu 3: Als erstes werde ich mich den Mitarbeitern der Verwaltung und den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern vorstellen. Die Verwaltung ist das Rückgrat und ich brauche ihre Begeisterung für die vielen vor uns liegenden Aufgaben. Das gilt ebenso für die Kommunen. Weiter werde ich gemeinsam mit den Kommunen die Erarbeitung einer Strategie für eine regionale Energieversorgung, den kommunalen Klimaschutz und die Verkehrswende für den gesamten Kreis einleiten.

Zu 4: Die Zusammenarbeit mit den Städten und Gemeinden des Kreises werde ich wiederbeleben, die länger eingeschlafen war. Denn der Landkreis erfüllt auch kommunale Aufgaben, was am besten mit den Städten und Gemeinden gelingt. Klimaschutz und Verkehrswende werde ich, anders als es bisher der Fall war, ebenso Priorität geben wie der Errichtung guter staatlicher weiterführender Schulen. Mit einer frühzeitigen Bürgerbeteiligung möchte ich die Verwaltung offener gestalten. 

Jens Hinze (parteilos), 43 Jahre alt, aus Niemegk

Jens Hinze (parteilos).
Jens Hinze (parteilos).Foto: promo

Zu 1: Ich habe das Gefühl, dass wir uns nicht mehr bewegen, wir verwalten nur noch, man hat das Vertrauen in den Landkreis Potsdam-Mittelmark verloren. Meckern kann heutzutage jeder schnell. Auch wenn man keiner Partei angehört so wie ich, kann dieses Amt durch jede Bürger*in besetzt werden. Hierzu bedarf es sehr viel Kommunikation, Vertrauen und Wille, etwas zu verändern! Ich bin überzeugt von mir, das habe ich.

Zu 2: Es gibt nicht die wichtigsten Themen. Es ist jedes Thema wichtig in seiner Art und Weise. Kommunikation zu den Menschen ist enorm wichtig sowie deren Teilhabe an der Politik. Neben der digitalen Vernetzung muss auch die analoge Vernetzung ausgebaut werden, neben dem ÖPNV sind Verkehrswege, Radwege bzw. die gesamte Mobilität von Bedeutung. Kita, Schulen, Bildungsangebote, Umgang mit Menschen anderer Herkunft. Wir wollen die Klima- und Energiewende, also viel Arbeit.

Zu 3: Handy aus, ausschlafen und dann mit der Familie was unternehmen. Aber zum Thema: Wir alle haben gerade aber eine der herausforderndsten Aufgaben zu meistern. Diese gilt es zu bewältigen. Hier muss das Gesundheitswesen viel professioneller werden, das ist man den Menschen hier schuldig. Ziel muss es sein, als allererstes Vertrauen in die Verwaltung wieder aufzubauen. Und dann gib es ja noch die anderen genannten Themen.

Zu 4: Der Landkreis und der Landrat müssen für die Bürger*innen sowie für unsere Gemeinden, Ämter und Städte da sein. Ich sehe den Landkreis eher als Dienstleiter als eine Verwaltung. Wir brauchen hier Vertrauen und Kommunikation auch innerhalb der Verwaltung. Wir müssen es schaffen, dass die Gemeinden, Ämter und Städte gemeinsam alle Herausforderungen anpacken. Das wichtigste ist, ehrlich sein und bleiben und Verantwortung zu übernehmen!

Stefan Schwabel (parteilos), 55 Jahre alt, aus Treuenbrietzen

Stefan Schwabel (parteilos).
Stefan Schwabel (parteilos).Foto: PROMO

Zu 1: Ich liebe Herausforderungen und als Landrat bietet sich mir die Möglichkeit, diese zum Wohle für und mit den Bürgerinnen und Bürgern umzusetzen. Mich qualifiziert nicht nur meine Tätigkeit als Mediator, sondern auch meine Parteilosigkeit. Meiner Meinung nach kann man nur als parteiloser Kandidat frei von Zwängen und Ideologien der Parteien agieren, um so das Beste für die Bürgerinnen und Bürger als Lösung zu finden.

Zu 2: Potsdam-Mittelmark muss als Wohn- und Wirtschaftsstandort attraktiver gestaltet werden. Dazu gehören neben dem Ausbau der Digitalisierung die Verbesserung von Kitas und Schulen, besonders auch die Sicherstellung der medizinischen Betreuung der Bevölkerung. Verwaltungshürden sollten so niedrigschwellig wie möglich sein, um die Motivation zum Zuzug und zur Entwicklung der Dörfer zu unterstützen.

Zu 3: Feiern!! Mit meiner Familie und meinen Nachbarn anstoßen. Mich bei meinen Wählerinnen und Wählern für das entgegengebrachte Vertrauen bedanken und ihnen versprechen, sie nicht zu enttäuschen.

Zu 4: Aus eigener Erfahrung mit dem Landrat würde ich auf Anfragen reagieren, offen sein auch für kontroverse Diskussionen und auf jeden Fall unparteiischer agieren.

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