Landratswahl in Mittelmark : Nachfolger von Wolfgang Blasig gesucht

Nach mehr als zwölf Jahren tritt der SPD-Politiker nicht mehr an. Klar ist, dass der Kreis Männersache bleibt. Sieben Kandidaten stehen zur Wahl.

 Am Sonntag wird im Landkreis Potsdam-Mittelmark ein neuer Landrat gewählt. 
 Am Sonntag wird im Landkreis Potsdam-Mittelmark ein neuer Landrat gewählt. Foto: Ottmar Winter

Bad Belzig - Heute ist es soweit: Potsdam-Mittelmark wählt einen neuen Landrat. Klar ist, dass es – zumindest was die Zahl der Wahlberechtigten angeht – die bisher größte Landratswahl sein wird. Denn seit dem letzten Wahlgang im Jahr 2016 sind mehrere Tausend Einwohner dazugekommen. Sicher ist zudem, dass das Amt auch künftig von einem Mann ausgeübt wird. Denn obwohl sieben Kandidierende antreten, ist unter ihnen keine einzige Frau.

Für die SPD tritt der Brücker Amtsdirektor Marko Köhler an. Er war zuvor lange Jahre Polizeibeamter. Die CDU schickt Christian Große, den Ersten Beigeordneten der Stadt Werder (Havel), ins Rennen um das Landratsamt. Große engagiert sich seit zwei Jahrzehnten in der Kommunalpolitik und war auch schon Landesgeschäftsführer der CDU. Für die Piraten-Partei bewirbt sich Meiko Rachimow als Landrat. Der Softwarearchitekt wurde als Vorsitzender der Wählervereinigung StadtMitGestalter in Werder bekannt. 

AfD und die Linke stellten keine Kandidaten auf

Für die FDP tritt der Kreis- und Fraktionsvorsitzende Hans-Peter Goetz an. Der Rechtsanwalt gehörte von 2009 bis 2014 dem Brandenburger Landtag an. Er ist Mitglied des Kreistages Potsdam-Mittelmark und Stadtverordneter in Teltow. Für die Grünen bewirbt sich Georg Hartmann. Der Fachanwalt für Arbeitsrecht ist amtierender zweiter stellvertretender Vorsitzender des Kreistags von Potsdam-Mittelmark. 

Jens Hinze aus dem Niemegker Ortsteil Niederwerbig bewirbt sich als Einzelkandidat. Der studierte Kraftfahrzeugtechniker ist seit 2016 ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Mühlenfließ. Mit Stefan Schwabel bewirbt sich ein weiterer Einzelkandidat. Er ist Ortsvorsteher von Lobbese mit den Gemeindeteilen Zeuden und Pflügkuff, wo er auch lebt, und arbeitet als selbstständiger Mediator. Die AfD und die Linke stellten diesmal keine Kandidaten auf.

Wolfgang Blasig (SPD) geht Ende März in den Ruhestand

Eigentlich sollte die Wahl erst in etwa drei Jahren stattfinden. Das vorgezogene Votum wird nötig, weil der Amtsinhaber – der seit 2009 amtierende Landrat Wolfgang Blasig (SPD) – Ende September angekündigt hatte, unter anderem aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig in den Ruhestand zu gehen. Das Amt wird der 67-Jährige noch bis zum 31. März 2022 ausüben.

Amtsinhaber Wolfgang Blasig (SPD) war seit 2009 Landrat des Landkreises Potsdam-Mittelmark.
Amtsinhaber Wolfgang Blasig (SPD) war seit 2009 Landrat des Landkreises Potsdam-Mittelmark.Foto: Andreas Klaer

Der Wahlkampf stand unter dem Einfluss der Pandemie. Große Veranstaltungen hat es deshalb nicht gegeben. Überschattet wurde der Schlussspurt von einem tragischen Todesfall. Wie berichtet ist am Samstagabend in Beelitz ein 58 Jahre alter Fußgänger im Sturm ums Leben gekommen, nachdem infolge einer Windböe ein 3,5 Meter mal 2,5 Meter großes Wahlplakat in Beelitz umgefallen war und ihn am Kopf getroffen hatte. Das Plakat aus einem Metallkorpus und Sperrholz war nach Angaben der Polizei mit Metallstangen im Boden verankert. 

Seit Montag untersucht die Staatsanwaltschaft Potsdam den Vorfall. Im Rahmen eines Todesermittlungsverfahrens werde überprüft, ob es Anhaltspunkte für ein Fremdverschulden gebe, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt, Wilfried Lehmann. Diese Prüfung sei noch nicht abgeschlossen. Erst dann geht es um die Frage, ob Ermittlungen aufgenommen werden. Mehrere Kandidaten bauten nach dem Unglück ihre Großplakate ab oder sagten geplante Veranstaltungen ab. 

Hintergrund

Abstimmen dürfen alle Bürger:innen, die mit ihrem Hauptwohnsitz in Potsdam-Mittelmark gemeldet sind. Das gilt auch für Staatsangehörige anderer Mitgliedsstaaten der Europäischen Union, die im Wählerverzeichnis eingetragen sind. Das Mindestwahlalter liegt bei 16 Jahren. Die Briefwahl kann man bei der Kommune, in der man im Wählerverzeichnis eingetragen ist, per Post oder per E-Mail beantragen und erhält dann die Briefwahlunterlagen zugeschickt. Jede Wähler:in hat eine Stimme. Als Landrat gewählt gilt, wer mehr als die Hälfte der abgegebenen gültigen Stimmen erhalten hat. Diese Mehrheit muss aber mindestens 15 Prozent der wahlberechtigten Personen umfassen. Es gibt einschließlich der Briefwahl 300 Wahllokale. Die Wahllokale seien mit mindestens fünf Wahlhelfern besetzt, wie Kreiswahlleiterin Kerstin Kümpel erklärt. „Im Regelfall werden aber mehr Personen berufen, da auch mit Ausfällen zu rechnen ist.“ Sollte eine Stichwahl notwendig werden, wird diese am 20. Februar abgehalten.

Nicht alle Kandidaten eingeladen - Wahlforum kurzfristig abgesagt

In der Woche zuvor hatte es Kritik gegeben, weil die Kreisvolkshochschule zu einem sogenannten Wahlforum nur vier der sieben Kandidaten eingeladen hatte. Die drei ausgeschlossenen Kandidaten verlangten Chancengleichheit. Köhler und Hartmann solidarisierten sich. Die Veranstaltung wurde schließlich kurzfristig abgesagt.

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Die vorangegangene Wahl im Jahr 2016 war eine Premiere. Bis dahin war der Landrat immer vom Kreistag gewählt worden. Die Entscheidung fiel erst in einer Stichwahl, die Blasig mit 70 Prozent gegen den CDU-Kandidaten Franz Herbert Schäfer für sich entscheiden konnte.

Anders als 2016 hat diesmal keiner der Bewerber einen Amtsbonus. Der Ausgang könnte also offener sein. Da es sich um eine Personenwahl handelt, sind Parteipräferenzen weniger wichtig als bei anderen Wahlen. Bei der jüngsten Bundestagswahl landete in Potsdam-Mittelmark die SPD deutlich vor CDU und AfD. Schon bei der Landtagswahl im Herbst 2019 schnitten die Sozialdemokraten stark ab und holten alle vier Direktmandate in der Mittelmark. Bei der letzten Kreistagswahl im Frühjahr 2019 lag die CDU knapp vor der SPD. Dahinter folgten Grüne, AfD und Linke.

Gewählt wird am selben Tag auch in der Gemeinde Seddiner See – und zwar eine Bürgermeister:in. Zur Wahl stehen Mathias Frey (Linke), Benjamin Schaarschmidt (FDP), Carina Simmes (BVB/Freie Wähler Seddiner See) und Mario Spiesecke (Einzelbewerber).

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