KUNST IN WERDER (HAVEL) : Zurück auf der Insel

Sahnetorte zur Kunst: Das Werderaner Caféhaus Hagemeister feiert am heutigen Samstag den 170. Geburtstag des Künstlers Karl Hagemeister mit bisher unbekannten Werken.

Winter drinnen wie draußen. 19 Werke von Karl Hagemeister werden im gleichnamigen Café in Werder ausgestellt. Am gestrigen Freitag waren die Werke bereits an der Wand, die Gäste fanden das prima. Die atmosphärischen Landschaften passten zum Teil sehr gut zum Wetter draußen vor der Tür.
Winter drinnen wie draußen. 19 Werke von Karl Hagemeister werden im gleichnamigen Café in Werder ausgestellt. Am gestrigen Freitag...

Werder (Havel) - Der Tag ist eng getaktet: Torten backen, Kunst aufhängen, im Baumarkt Lampen kaufen, um die Bilder ins rechte Licht zu rücken. Liane Schulz ist Cafehausbetreiberin und zum ersten Mal Kuratorin. Die 52-Jährige, die zusammen mit ihrer Tochter Julia Belß auf der Werderaner Insel das Café Hagemeister betreibt, hat erst vor wenigen Wochen beschlossen, den 170. Geburtstag des Werderaner Künstlers Karl Hagemeister zu feiern. Mit einer Ausstellung, in der unter anderem Werke zu sehen sind, die bisher noch nie öffentlich ausgestellt wurden.

Schon beim Betreten des kleinen, behaglichen Cafés fällt der Blick auf eines der Schlüsselwerke des impressionistischen Malers. Großformatig hat Hagemeister eines seiner beliebten Motive, die märkische Seenlandschaft, stimmungsvoll eingefangen. Peitschender Wind, Grashalme in Bewegung, ein Teich mit Seerosen unter einem grauen, aber dennoch lichtdurchfluteten Himmel. Das Bild, erklärt Kunsthistorikerin und Hagemeister-Expertin Hendrikje Warmt, sei so besonders, weil es im Jahr 1887 entstanden ist und eines von Hagemeisters ersten impressionistischen Versuchen ist. Nach der Rückkehr von seiner Studienreise, die ihn unter anderem auch nach Paris führte, habe er angefangen, heller und zarter zu malen.

Hagemeister zahlte beim Bäcker und Metzger mit Bildern statt Geld

Das Ölgemälde, das für die Ausstellung wieder zurück auf die Werderaner Insel gekommen ist – zum Schaffensort des Altmeisters – ist auch deshalb so besonders, weil es zu den Werken zählt, die bisher ausschließlich unter Verschluss im Privatbesitz waren. Wie vermutlich viele andere seiner Bilder, die noch auf Dachböden oder eingemottet in Kellern im Besitz von Werderanern sind.

Der am 12. März 1848 geboren Künstler und Sohn eines Obstzüchters soll beim Bäcker und beim Metzger gerne mit Bildern statt mit Geld bezahlt haben. Heute haben selbst kleine Papierarbeiten des Künstlers einen Wert von bis zu 6000 Euro. Großformatige Ölgemälde liegen bei etwa 35 000 Euro.

Verständlich, dass die zwei Caféchefinnen, Mutter und Tochter übrigens, sehr aufgeregt sind. So viel Wertvolles hatten sie bisher noch nicht an ihren rustikalen Holzwänden hängen. Nur ein eigener erstandener Hagemeister hängt bisher im Café. Das Projekt, die Arbeit des lokalen Künstlers auf der Insel wieder sichtbarer zu machen, war Schulz aber wichtiger als ihre Bedenken um das wertvolle Ausstellungsgut. Der kauzige Künstler, der regelmäßig durch die Natur rund um Potsdam und Werder zog, sei in seiner Geburtsstadt zu wenig präsent, findet Schulz. Daher entschied sie sich gemeinsam mit ihrer Tochter auch dazu, mit dem Namen des vor zwei Jahren eröffnete Cafés an den Werderaner Künstler zu erinnern.

Der kauzige Künstler zog Werder Berlin vor

Der Insel blieb der Künstler zu Lebzeiten immer verbunden. Seine Künstlerkollegen lebten in der Großstadt, er aber zog das ruhige Leben vor. Und hatte dennoch seinen Status in Berlin. Zusammen mit Max Liebermann und weiteren 63 Künstlern gründete er im Jahr 1898 die Berliner Secession, eine Künstlergruppe, die den deutschen Impressionismus maßgeblich prägte.

In Werder hängen am heutigen Samstag nicht nur seine impressionistischen Werke, es werden auch Arbeiten aus seinen Anfangsjahren gezeigt. Vertreten seien in der Ausstellung laut Kunsthistorikerin Warmt alle seiner Hauptgattungen: Öl, Pastell- und Kreidezeichnungen. Auch das sei besonders.

Mit Hagemeister unter Arm ins Café

Die zwei Caféhausbetreiberinnen sind stolz, dass sie Hagemeister so umfassend zeigen können. „Und dass die Besitzer uns das Vertrauen schenken, ihre Bilder hier auszustellen.“ Ein Café sei ja kein Museum, die zwei Frauen machen das immerhin zum ersten Mal. „Wir haben extra eine Versicherung abgeschlossen, spezielle Leihgabeverträge aufgesetzt“, erzählt die 30-jährige Julia Belß. Vor allem die Übergabe der Werke sei besonders gewesen. Es habe sich in der Stadt und über Werders Grenzen hinaus herumgesprochen, dass sie Hagemeisters Geburtstag gebührend feiern wollen. „Und dann kamen Leute hier rein mit einem Hagemeister unterm Arm“, sagt Julia Belß. Das sei berührend gewesen. Die Bilder hat die Familie zusammen mit der Kunsthistorikerin aufgehängt. Und auch alles Weitere lief in Eigenregie: Die letzten Nägel wurden am Freitag noch in die Wände geschlagen, die Beschreibungen der Bilder erstellt, Lampen aufgehängt, Brote geschmiert, Sekt kaltgestellt. Kurator und Caféchefin in einem zu sein, sei gar nicht so einfach, sagt Liane Schulz und lacht. Aber spontane Ideen müsse man einfach umsetzen. Ein Rundgang durch ihr Café zeigt, dass sich die Mühe gelohnt hat. Hagemeister im Hagemeister, das passt so gut zusammen, als wäre es nie anders gewesen. Schade, dass die Werke bald wieder in die Wohnzimmer ihrer Besitzer zurückmüssen.

Die 19 Werke von Karl Hagemeister sind vom heutigen Samstag bis zum 25. März zu den Öffnungszeiten des Cafés in der Baderstraße 3 zu sehen. Die Ausstellung ist heute ab 14 Uhr geöffnet

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