KulTOUR : Wiederholungstäter gesucht

Der „Tag der offenen Ateliers“ bietet Überblick über Kulturszene im Land / Stahnsdorf ist stark vertreten

Ariane Lemme

Stahnsdorf - Die Türen zum Atelierhaus in der Stahnsdorfer Wilhelm-Külz-Straße stehen das ganze Jahr für Besucher offen. „Eigentlich ist immer jemand hier“, sagt Gudrun Angelika Hoffmann, eine der vier Künstlerinnen hier im Haus. Rein formal ändert sich also nicht viel, wenn am 7. und 8. Mai der „Tag der offenen Ateliers“ stattfindet.

Und doch habe die brandenburgweite Aktion, die in diesem Jahr bereits zum 10. Mal veranstaltet wird, eine besondere Bedeutung für die Künstler der Region. „Wir wollen kunstinteressierte Besucher dazu verleiten, wiederzukommen, die Aktion soll aus neugierigen Gästen ,Wiederholungstäter’ machen“, erklärte die Vorsitzende des Kulturland Brandenburg e.V., Brigitte Faber-Schmidt, am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Stahnsdorf. Das Projekt komme ohne zusätzliche Förderung aus, den Druck der Flyer und Informationshefte zahlen die Kulturverwaltungen der einzelnen Landkreise. In diesem Jahr nehmen zwölf Kreise sowie die Städte Potsdam, Cottbus und Brandenburg/Havel an der Aktion teil. Eine straffe, bürokratische Organisation gebe es nicht. „Alle Beteiligten arbeiten deshalb so gut zusammen, weil ihnen eine bessere Vernetzung der Künstler in Brandenburg am Herzen liegt“, so Faber-Schmidt.

Mit 58 ausstellenden Künstlern ist Potsdam-Mittelmark neben Uckermark und Teltow-Fläming am stärksten vertreten. „Hier haben die Kulturverwaltungen das Projekt von Anfang an ernst genommen“, sagt Faber-Schmidt, die – damals noch Kulturamtschefin in Potsdam – die Idee mit entwickelt hat. Landesweit werden am Tag der offenen Ateliers 550 Künstler ihre Werke zeigen, 350 Ateliers ihre Türen öffnen. Um bloßes Betrachten fertiger Werke geht es dabei aber nicht: Viele Künstler lassen sich bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen oder bieten Besuchern die Möglichkeit, sich selbst künstlerisch zu betätigen. Nicht zuletzt hoffen die meisten sicher auch, das ein oder andere Kunstwerk zu verkaufen.

Gudrun Angelika Hoffmann wird das auf eher unterhaltsame Weise versuchen, sie plant für den Sonntag eine kleine Auktion ihrer abstrakten, in expressiven Farben leuchtenden Bilder. Das Anfangsgebot liegt – je nach Leinwandformat – zwischen 30 und 50 Euro. Teurer sind da schon die handbemalten Seidentücher ihrer Atelierpartnerin Rosel Wilke. Die Rentnerin ist fasziniert von den vielfältigen Effekten, die sich mit spezieller Farbe auf dem feinen Gewebe erzielen lasse. Weil das Material teuer und das Verfahren zeitaufwändig ist, kostet einer ihrer Schals etwa 130 Euro. Ein Stockwerk tiefer im Stahnsdorfer Atelierhaus arbeiten Andrea Joos und Gabriele Eleonore Daniel. Beide Frauen haben ihre früheren Jobs aufgegeben, um sich hauptberuflich mit ihrem Hobby beschäftigen zu können.

Auch die Herangehensweise der beiden Künstlerinnen ähnelt sich: Für Andrea Joos hatte das Malen einen ausgleichenden Effekt, als sie noch als Gesprächstherapeutin arbeitete. Meditativ wirken auch ihre monochrom orange-farbenen Bilder, auf die sie Fundstücke von Treibholz klebt. Eine heilende Wirkung sollen aber auch die pastellfarbenen, abstrakten Bilder von Gabriele Eleonore Daniel haben. Um das noch zu unterstützen, arbeitet die Kunsttherapeutin seit kurzem kleine Bergkristalle oder Sandelholz-Späne mit ein. In der esoterischen Heilkunde gelten beide Materialien als reinigend.

Besondere Aktionen planen die vier Frauen im Atelierhaus für den „Tag der offenen Tür“ nicht. Dafür haben sie im vergangenen Jahr ein eigenes Forum geschaffen: Die „Stahnsdorfer Kunstmeile“. Mit knapp 40 Teilnehmern allein aus der Gemeinde sei die Idee überraschend gut angekommen, erzählt Initiatorin Hoffmann. Jetzt soll das Projekt als fixer Termin im September etabliert werden.