KulTOUR: Thomas Schmid stellt in Teltow aus : Faun auf dem Parkdeck

Gerold Paul

Teltow - Manchmal kommen die Dinge überkreuz daher. So ist Thomas Schmidt zwar der Ortsgewaltigste in Teltow, doch mitnichten ein Maler. Thomas Schmid hingegen malt, doch das Bürgermeisteramt ziert ihn deshalb noch lange nicht. Vielleicht macht das kleine „t“ den großen Unterschied, wer kennte schon die deutsche Sprache noch in ihrer Tiefe!

Thomas Schmid also ist ein echter Leipziger des Jahrgangs 1952 und kommt, wie so viele seinesgleichen, aus dem naturwissenschaftlichen Fach, er war Hochschullehrer für Chemie und Technik. 1974 stieß er im Chemiewerk Piesteritz auf einen Malzirkel, der sein Leben völlig veränderte. Auf die Ausstellung in Teltow musste er ganze vier Jahre warten, weil die Stadtverwaltung eigentlich Maler aus der Region bevorzugt; dass diese die Vernissage am Freitag weitgehend schwänzten, spricht Bände. Egal, Thomas Schmid ist ja trotzdem ein interessanter Mann, einer mit „Leipziger Schule“ im Hintergrund. Sein Motto „Jedes Bild ein Erlebnis!“, das hält er auch ein: Wenn er dem Faun einen Platz auf dem Parkdeck zuweist, weil doch der Wald immer knapper wird, oder Cranachs „Adam und Eva“ derart geschickt ins Heutige parodiert, dass man vor Lachen schier platzen wollte – beide modern gekleidet, aber ohne Gesicht, jene alte Schlange als Formalinpräparat, die Äpfel lose am Boden verstreut. Zudem sind die Stecker zur Stromversorgung gezogen, Adam und Eva wie starr. Ein gewaltiger Wurf, ein herrliches Thema für einen Klassenaufsatz, was zeigte die Gegenwart besser an? Schmid malt nicht „die Welt“, sondern wie sein Geist sie verarbeitet. Das ist immer eine Handbreit neben der Erscheinung, zudem auch stets etwas „künstlich“, also im Geiste erhöht. Manche sagen Expressionismus dazu, andere Neue Sachlichkeit, sogar der Surrealist käme noch auf seine Kosten, aber dies alles sind ja doch nur Formalien.

Vielmehr hat man hier eine lebendige und faszinierende Malerei vor sich, eine mit viel Geschick für Komposition, Perspektive und Farbe, mit Sinn fürs Hintergründige, für den „Untertext“ sozusagen. Schönheit und Naivität sind darinnen, Klarheit und Spannung, als müsste gleich etwas Wichtiges passieren. Schmids „Waldweg“ etwa hat in seiner Unschuld so etwas Dämonisches, genau wie der frierende Sphinx im Park. Auch die Landschaften sind eher „jenseits“ ihrer Natur. Manchmal setzt sich der Maler selbst mit ins Bild, per Seitwärtsblick, oder im Gefolge seltsamer Leute mit dem Papagei auf der Schulter, wie man das noch von Jens Steinberg her kennt. Bilder, so schön und naiv wie Märchen! Alte Schule eben! Sie wollen Geschichten erzählen, freilich so, wie man das „von früher her“ kennt. Fragt sich eben nur, ob die immer mehr zum Formalen neigende Rezeption dazu noch in der Lage und willens ist. Insofern die richtige Ausstellung am richtigen Ort, da gäbe es, dem Faun sei Dank, für jeden viel zu lernen, für die Tagesbesucher im Haus, für die hiesige Malerschaft, für die Bürgermeisterei vermutlich auch – bei so einer Namensnähe...! Gerold Paul

„Thomas Schmid – Malerei“ bis 24. März im Teltower Bürgerhaus, Ritterstraße 10