KulTOUR : Kulturelles Erwachen

In Kleinmachnow wurde an diesem Wochenende die erste Lange Nacht der Kultur begangen

Gerold Paul
Künstler am Mikrofon. Fridolin Frenzel (m.) stellte nicht nur aus.
Künstler am Mikrofon. Fridolin Frenzel (m.) stellte nicht nur aus.Foto: M. Thomas

Kleinmachnow - Der Weckruf war einmütig. Mit Kultraum, dem Kunstverein „Die Brücke“, dem Kukuwe, dem Protolab sowie den Neuen Kammerspielen hatten sich am Samstagabend so ziemlich alle Kulturanbieter in Kleinmachnow zu einem Generalangriff auf die angeblich intellektuelle Schläfrigkeit dieser Gemeinde verabredet. Es war die erst Nacht der Kultur und es sollte auch eine lange sein.

Die Kammerspiele nutzten ihre große Bühne für Theater- und Musicalzwecke, losten auch ein Filmquiz aus, das natürlich der US-Schmachtfetzen „Casablanca“ gewann; auch große Oper wurde hier geboten. Gleich um die Ecke, im Kapuzinerweg, wurden unter dem Dach von Kultraum zum späten Nachmittag Hexen, Tiger und Vampire gesichtet – „Kinderschminken“! Der urwüchsige Garten zieht ja solche Wesen geradezu an.

Sonst gab es in der alten Villa auch eine sehenswerte Ausstellung, „Vom Loslassen und Ankommen“ (Anka Doepgen) handelnd, sowie Lesungen. So kam mal wieder Kleinmachnows „Kleine Bannwaldhexe“ zu Wort. Mit dem lakonischen Roman „Westschrippe“ von Nicola Nürnberger hörte man sozusagen das westliche Pendant zur „DDR-Aufarbeitung“ bis 1989, war da viel von Kriegsvorbereitungen von Hessen ab westwärts die Rede. Guter Besuch.

In der Kunst- und Kulturwerkstatt Kukuwe, wo auch Protolab von der Gemeinde einen Raum spendiert bekam, tummelten sich Eltern und Kinder, draußen wurde gegrillt, gespielt, geredet, alles recht angenehm. Unter diesem Dach wird das Wort „Kunst“ recht locker genommen, warum auch nicht, ist ja schon alles so ernst, und es wird immer noch ernster.

Mit der offiziellen Eröffnung des Landarbeiterhauses „Z 200“ und der ersten gemeinsamen Veranstaltung mit Kultraum, die im Herbst hier Quartier beziehen werden, hatte diese erste lange Nacht der Kultur sicherlich den höchsten Stern am Himmel. Die Instandsetzung des Hauses ist abgeschlossen, es gibt Schiebetüren, Toiletten, eine neue Haustechnik, die Gemeinde hat kräftig investiert; überhaupt ist das kulturelle Erwachen des Rathauses hoch zu loben. Hübsch, dass der Denkmalschutz im alten Landarbeiterhaus sogar die Erhaltung der Innenwand-Erstbemalung repektive der urhistorischen Resttapete erzwang.

So sieht es innen eben fast so aus wie damals, als Gärtnermeister Josef Schöwel noch hier wohnte: Ach, Charme der guten alten Zeit! Der hochbetagte Senior ließ es sich nicht nehmen, zur Eröffnung selbst mal vorbeizuschauen, denn „früher war hier alles so wüst und leer“. Er war sehr angetan, wie gut sich hier Altes und Neues verbinden. Und blieb mehr als drei Stunden. Auch andere der Seinen waren sehr überrascht, wie diese alte Hütte zu neuem Leben erwacht. „Wir haben es geschafft“, jubelte Rainer Ehrt, einer der Spiritus-Rectoren von Z 200 und „Langer Nacht der Kulturen“, überglücklich.

Dazu trugen nicht nur „The Beez“ mit ihren fetzigen Songs bei, auch die Ausstellung von Fridolin Frenzel, Ehrenpräsident der „Brücke“, passte gut in die Einweihungsfete. Seines sechzigsten Berufsjubiläums gedenkend, stellt der Kleinmachnower die Exposition aus Zeichnungen, Aquarellen und Acrybildern unter dem vieldeutigen Titel „Das geteilte Haus“ aus.

Zufriedene Mienen allerorten. Zünftige Abschlussfeiern dann am Zehlendorfer Damm und in den Kammerspielen, ein Erfolg, zu dem man allen Aktivisten und Mitmachern nur gratulieren kann. Der Gewinner freilich, na klar, ist Kleinmachnow selbst, und so war das ja wohl auch rundum gemeint. Gerold Paul

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