KulTOUR: Kleine Bühne Michendorf : Na sdorowje!

Kleine Bühne Michendorf zeigt drei Einakter von Tschechow.

Gerold Paul

Michendorf - Der russische Dramatiker und Arzt Anton Tschechow (1860–1904) hat in seinem Leben bei den Frauen „genascht“, drei Jahre vor seinem Tod entschloss er sich zu heiraten. Jahre zuvor scheint er sich mit dem Thema Hochzeit beschäftigt zu haben.

Die Kleine Bühne Michendorf hat unter der Regie von Christine Hofer seit gut einem Jahr nach und nach Tschechows Einakter „Der Bär“, „Der Heiratsantrag“ und „Die Hochzeit“ ins Michendorfer Gemeindezentrum Apfelbaum gebracht, um daraus eine Trilogie zu machen.

Das abendfüllende Opus ad hoc ist elastisch und spielfreudig genug, um auch thematisch etwas dazuzusetzen, denn anders als heute wurde zu Tschechows Zeit die Ehe nicht infrage gestellt. „Der Bär“ ist ein burlesker Scherz, darin ein ungehobelter Gutsbesitzer von einer trauernden Witwe gezähmt, sie zugleich ins Leben der Liebe zurückgerufen wird. Birgit Schneider und Marcus Hagen Heinemann spielen das in einem dramatischen Gewitter der erwählt burlesken Art, ein Vergnügen, bei dem sogar die Zuschauer angesprochen werden.

Auch beim Stück „Der Heiratsantrag“ hat Regisseurin Christine Hofer die Antagonisten miteinander ringen lassen: Gutsbesitzer Iwan (Felix Zühlke) freit um die Tochter (Karina Lehmann) seines Nachbarn. Mit der „Hochzeit“ breitet der Autor ein bissiges Panorama russisch-provinzieller Engstirnigkeit aus. Bei Tschechows Stück will die Feier nicht beginnen, weil die Hauptperson noch fehlt, obwohl diese weder mit den Hochzeitern noch mit der Familie zu tun hat. Das ist ungefähr so, als benötigte ein Brautpaar heute einen Provinz-Promi, um mehr zu scheinen, als man ist. Ein echter General soll her, es kommt jedoch nur ein Kapitän zweiten Grades, von Hans-Jochen Röhrig mit Leidenschaft und genügend Subtext gegeben. Spieltechnisch müsste hier die Wartesituation, dann die familiäre Empörung über die billige Täuschung erspielt werden. Diesem Part aber fehlt, was seine Vorgänger haben: Konzeption, Antagonisten, man begnügt sich mit szenischen Effekten und etwas Folklore. Schade, am Bühnenpersonal hat das wohl nicht gelegen.

So musste sich der Zuschauer an diesem Wochenende mit drei Teilen begnügen. Zu loben sind der Mut zu einer fast geglückten Dreiheit, das Bühnenbild von Dirk Seesemann mit großem Bilderrahmen für allerlei Schattenspiel, die russophilen Gesänge des Trachtenchores der Kleinen Bühne. Hervorragend auch die Qualität der Film-Einspielungen nach Art des frühen Stummfilms. Szenisch allerdings fehlen ein paar gute Ideen, Details, die man in allen drei Teilen wiederfindet, zum Beispiel ein Apfel nur. So käme wirklich zusammen, was unter „Tschechows Hochzeiten“ zusammengehört. Na dann: Na sdorowje!

Nächste Vorstellungen vom 20. bis 22. Mai im Gemeindezentrum Apfelbaum.

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