KulTOUR : Inwendige Gärten

Jeong Ryu und Barbara Illmer geben in der Galerie Töplitz viel von ihrem Inneren preis

Gerold Paul
Kein Teil austauschbar. Das Kunstwerk von Jeong Ryu.
Kein Teil austauschbar. Das Kunstwerk von Jeong Ryu.Foto: Galerie

Werder (Havel) - Innen oder außen, wo baut die Kunst wohl ihr Nest? Antwort auf diese Frage kann man derzeit in der Galerie Töplitz finden, wo, nach allerlei Projekten im experimentell-soziologischen Ansatz, nun wieder mal „richtige“ Kunst zu sehen ist. „Garten des Malers“ nennt die Koreanerin Jeong Ryu ihre Bilderwelt. Eigentlich hat sie nur ein einziges mitgebracht, eine zwanzigteilige Collage, darin sich freilich ihr Wesen und ihre Erfahrung auf wundersame Weise spiegelt.

Für Liebhaber schöner Bilder zeigt das Werk mehr oder weniger abstrahierte Darstellungen von Gartenlandschaft und Gartenbewuchs. Zugleich ist diese Arbeit so etwas wie Credo und Programm. Letzteres deshalb, weil sie allein mit Öl und Acryl eine Vielzahl von Mal- und Grafiktechniken nachzuahmen versteht, zum Beispiel asiatische Tusche-Malerei. Zugleich probiert und zitiert sie mancherlei Kunststil vielerlei Herkunft.

Mal ist es eine dünnrote Linienstruktur auf tiefschwarzem Grund, mal ein Gartendetail wie aus dem Hochgebirge entnommen, mal ein Blatt-Ast in tausenderlei Farbe. Einige Segmente sind dann auch noch einmal als Solo-Bilder zu sehen.

Credo ist dieses Kunst-Werk auf mehrfache Weise. Obwohl Seoul eine sehr westliche Stadt ist, hielten sich ihre Hochschullehrer eher an die traditionelle, vielleicht akademische Kunstvermittlung. Jeong Ryus persönliche „Entdeckung der Moderne“ vollzog sich ab 2007 dann eher in Berlin. Nicht nur malerisch. Voller Staunen entdeckte sie den großen (Tier-)Garten in Berlin als Pendant ihrer Seouler Erfahrung, wo alles glitzert, nichts aber grün ist. Und so kam es zur Rückbesinnung auf die Tradition, auf die Sehnsucht nach den bewährten Formen der Harmonie. Das Große Bild sei perfekt durchkonstruiert, versicherte sie beim Pressegespräch, kein Teil austauschbar, alles am rechten Platz. Wer sich die Zeit nimmt, diese wunderbare Komposition auf Fremdes und Eigenes, auf Fernes und Nahes abzuklopfen, wird nicht nur viel von der Künstlerin erfahren, sondern viel auch von sich selbst.

Anders, und anders auch wieder nicht verhält es sich bei der zweiten Künstlerin, Barbara Illmer. Die Plastikerin und Bildhauerin kommt vom Theater, doch waren ihr dessen Werke viel zu unbeständig. Sie meidet Stein, arbeitet in Holz und Keramik, dem Stoff größter Dauer. Offenbar hat sie eine Vorliebe für archaische Struktur, für Abstraktionen, von denen schon Platon und Pythagoras erzählten. Manches wie ihre „Zentrifuge“ ist eher spielerisch gemacht, Holzarbeiten wie „Trennung“ oder der hoch aufragende „Weg des Apfelspanners“ mit all den Durchblicken und Verbindungen haben eher eine Strenge an und in sich, ihre Kapsel-Serie ist die Allegorie ihrer selbst: Mal ge- und verschlossen, mal geöffnet und gebend, mal offen verletzt. Sie baut den runden Stufenkegel, findet in einem Drei-Meter-Sanddornholz die „Trennung“ wieder, verneigt sich vor „König der Baum“ und behauptet, in all den spitzfindigen Spitz- und Spindelstrukturen selber enthalten zu sein, zum Beispiel als Heilige Barbara. Die Kunst sei zu ihr gekommen, sagt sie, nicht etwa umgekehrt. Wenn das so ist, dann will sie wohl etwas von ihr. Nach dieser Art wird dann auch das Publikum von dieser Künstlerin reich belohnt und beschenkt.

Jeong Ryu und Barbara Illmer geben also in dieser titellosen Ausstellung viel von ihrem Inneren preis - „inwendige Gärten“ nannte man so etwas früher. Von innen nach außen führen ja auch alle Wege der Kunst, anders ist das nicht möglich. Zum Eröffnungskonzert wird am heutigen Samstag um 16 Uhr in die benachbarte Dorfkirche eingeladen, die Vernissage beginnt um 17 Uhr. Gerold Paul

Ausstellung in der Galerie Töplitz: Sa. und So. 14-18 Uhr, Mo. bis Fr. 16-18 Uhr, bis zum 12. August

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