KulTOUR : Geister im Wasser und anderswo

Richard Rabensaat

Kleinmachnow - Wie von Geisterhand bewegen sich zwei Stühle über den gefliesten Boden vor dem Swimming Pool. Blaues Licht liegt über der gespenstischen Szene. Die Stühle rutschen mal in die eine, mal in die andere Richtung, kommen zusammen, bewegen sich wieder voneinander weg. Schließlich landet einer der beiden im Wasser. „Das ist eine Liebesgeschichte zwischen den beiden“, sagt Monika Funke Stern. Ein Sturm auf der Terrasse hatte die beiden leichten Plastikstühle bewegt, aber in dem Film der ehemaligen Medienprofessorin wirken sie wie belebte Objekte.

„Elementargeister“ ist der Titel der aktuellen Ausstellung von Funke Stern im Kunstverein Die Brücke e.V. in Kleinmachnow. Die Künstlerin vereint dort ihre recht breit gefächerten künstlerischen Aktivitäten: Bilder, Fotos, Filme sind zu sehen. Mit Beamer und auf großem Flachbildschirm zeigt sie Ausschnitte aus ihrer Filmproduktion.

Funke Stern reüssierte zunächst als promovierte Philosophin und hatte dann für Jahrzehnte eine Professur für Medienkunst an der Fachhochschule Düsseldorf inne. Nie hat sie sich auf ein Medium festlegen lassen. Film-Stills und Fotos haben ihre Filmarbeiten, die sie an Drehorte weltweit geführt haben, stets begleitet.

In den vergangen Jahren ist die Malerei für Funke Stern immer wichtiger geworden. Zwei Fahrradfahrer hasten über eine Ebene, auf der sich ein bedrohlicher Spalt auftut, aus dem möglicherweise Geister aus dem Untergrund an die Oberfläche drängen. Im Hintergrund versinkt flammend eine rote Sonne. Wild bewegte Wellen brechen sich an einem Felsen. Hierfür hat sie eine neue Technik entwickelt: mit Lack malt sie hinter Glas. Das verschafft den Bildern eine spiegelnde, glatte und sehr bewegte Oberfläche. Der Felsen am tosenden Meer ist auch auf einem Foto zu sehen, das Funke Stern am Meer aufgenommen hat.

Die Gedanken der Naturvölker, für die alles Seiende belebt und von Göttern beseelt gewesen sei, hätten sie inspiriert, so Funke Stern. Während der Kapitalismus den Globus als großes Rohstofflager begreife, gebe es auch andere Denktraditionen. Dies habe seinen Niederschlag auch in zahlreichen alten Märchen gefunden, in denen Elementargeister, Kobolde, Feen und allerlei mystische Kleindarsteller ihr Unwesen treiben. Zwar sei sie weit von einer religiösen Betrachtung der Welt entfernt. Aber auch die Kunst bewege sich in einer Tradition, in der dem Gegenstand eine Bedeutung über sein bloßes Dasein beigemessen werde. Schließlich beschränkt sich die Kunst schon lange nicht mehr auf die hübsche Möblierung, sondern reklamiert eine höhere Bedeutung des Objektes, die in gesellschaftliche Sphären hineinreicht. Damit greift die Kunst auf Bereiche zu, die früher Ikonen und Reliquien vorbehalten waren.

So weit will Funke Stern ihre Bilder zwar nicht interpretiert wissen. Aber sie zeigt eindrucksvolle Schwarz-Weiß-Fotografien, die durchaus einen Zug in die animierte Naturinterpretation aufweisen. Blätter türmen sich zu einem „Pflanzendom“ auf, eine verwachsenen Wurzel mutet wie die mythisch belebte „Mandragora“ an und heißt auch so. Einige der Fotos stammen aus dem Schwarz-Weiß- Film „Blind Date im Zauberwald“: Netze liegen über einem Olivenhain und lassen diesen wie einen verwunschenen mythischen Ort erscheinen. Der grobkörnige Film lässt zunächst wenig Details erkennen, aber dann schält sich ein Liebespaar aus dem Dunkel. Der Wald ist belebt. Wie auch die Ausstellung von Funke Stern, in der immer neue Geister auftauchen. Richard Rabensaat