KulTOUR : Erzähl mir vom Leben ...

Sommerausstellung in der Caputher Galerie Pro Arte mit drei Künstlern

Gerold Paul

Schwielowsee - Gastfreundschaft, Geselligkeit und jede Menge Neues erwarteten den Besucher auch zur diesjährigen Sommerausstellung auf dem Anwesen von Siegrid Müller-Holtz am Caputher Gemünde. Neben der Gastgeberin waren diesmal die Installationskünstlerin Vera Krickhahn und Albrecht Klink, Bildhauer und Maler in der dritten Generation, vertreten. Viel Betrieb am Sonntag bei „ProArte“, das Tuten der Boote trübte die Reden vorab ein wenig.

Die Verkaufsausstellung, zugleich als Entree für die diesjährige KunstTour gedacht, steht unter dem allgemeinkonkreten Motto „Erzähl mir vom Leben“. Was würde wohl nicht darunter fallen! Raum genug also für gleich Drei, sich da mit ihren Mitteln zu äußern. Siegrid Müller-Holtz zeigt im Atelierhaus „Materialbilder“ in mehreren Serien. Teils noch von ihrer China-Reise 2000 inspiriert, teils aus anderen Quellen gespeist, arbeitet sie mit verschiedenen Montagetechniken, sie „komponiert“ auf original-chinesischen Reissäcken fernöstliche Spruchweisheiten, Zeitungsausschnitte, Porträtfotos vom Lande der Mitte, alles in einem kalkweißen Grundton gehalten.

Es sind „Fundstücke“ von einst, sogar ein vergilbtes Leporello ist einmontiert, die unbekannte „Familiengeschichte“. Dergestalt möchte sie „auf die Befindlichkeiten im Wandel der Globalisierung“ verweisen, wobei hier das Fragmentarische genauso sichtbar bleibt wie in der Serie „Schreib mal wieder ...“. Die Frage, ob ein Chinese diese Schriftzüge lesen könne, bejahte sie, ob sie „wegen der derzeitigen Situation“ gewisse Schwierigkeiten sähe, bekam ihr Nein – manch einer ist doch zu sehr im Tagesgeschehen befangen – hier geht es um Kultur!

Die fünfzehn Arbeiten zu „Schreib mal wieder …“ lehnen sich an die Ästhetik des Vorigen an, doch hier sind es Bruchstücke oder Reste von Briefen, mit „altertümlichen“ Annotationen wie „eingegangen, eilt sehr oder bitte hier aufreißen“ versehen, dazu Büroklammern, Briefmarken, Siegel – „Symbole“ für eine fast verlorene Lebenskultur. In beiden Serien legt die Künstlerin Wert darauf, zu einer „reduzierten, abstrakten Formensprache“ gefunden zu haben, Sehnsucht nach dem guten, alten, nach dem „echten Brief“ steht wohl dahinter.

Aus ähnlicher Differenz lassen sich auch die Arbeiten von Vera Krickhahn sehen. Sie scheint dem modernen Leben näher zu sein, verwendet digitalisierte Bilder, Leuchtröhren und ähnliche Neuerungen für ihre „Installationen“, um Botschaft herüberzubringen. „Erinnerungen“ etwa besteht aus zwanzig montierten Bildgraphiken, die vielleicht schönste Arbeit, „Medien Installation“, ruht auf einem wie von Käferlarven zerfressenen Holzblock, darauf je nach Sicht zwei oder vier moderne Profile erscheinen. Anderes ist weniger augenfällig. Jedenfalls Werke für die eher „Fortschrittlichen“ – doch auch sie erzählen ja „vom Leben“.

Ganz traditionell und viel beschaut die hübschen Miniaturen von Albrecht Klink aus Eiche, Pappel oder gar Akazienholz im Garten. Überall Stämme oder Bohlen unterschiedlicher Höhe, auf denen geschnitzte und bemalte Figuren von etwa 25 Zentimeter Höhe „für den Innen- und Außenraum“ stehen: Eberhard, David, Theo mit selig verschlossenen Augen, die Arme mal am Leib, mal vorn verschränkt, sind einander recht ähnlich. Ganz anders hingegen Olga oder Elma.

Mit einfachsten Mitteln zeigt Klink, dass Kunst – oder was man dafür hält – nicht immer durchintellektualisiert sein muss, oft liegt die Kraft zum Leben schon im Schlichten.

bis 14.9. jeden Sonnabend und Sonntag 12 bis 18 Uhr geöffnet, vom 8. bis 12.9 täglich 14 bis 18 Uhr, Weinbergstraße 20