KulTOUR : Eine Gala für Valentin

Schöne Liebesmelodien in den Kammerspielen

Gerold Paul

Kleinmachnow - Reich ranken sich Legenden um St. Valentin und den nach ihm benannten „Tag der Liebenden“ am 14. Februar. Er soll im dritten Jahrhundert nach Christus auf kaiserlichen Befehl enthauptet worden sein, weil er nach christlichem Ritus traute, was ehelos bleiben sollte, römische Soldaten zum Beispiel. Oder liebende Paare eben nicht nach cäsarischem Willen, sondern christlich. Anders als in Japan, wo Frauen am 14. Februar ihren Romeo mit Schokolade beschenken, oder in Saudi-Arabien, wo der Kauf roter Rosen zu diesem Anlass verboten ist, begeht man den Valentinstag hierzulande noch immer als den einer glücksverheißenden Verlobung oder einer gesegneten Ehe, sozusagen in Tradition. Diesen alten Gedanken in Liebe aufgenommen und weitergetragen zu haben, sei dem Verein neue Kammerspiele und der Kleinmachnower Kammeroper gleichsam von Herzen gedankt, denn just am Sonnabend präsentierte man in dem ehrwürdigen Gebäude eine „Valentinstagsgala“ mit den allerfeinsten und allerverliebtesten Opern- und Operettenmelodien unseres Kulturkreises. Der Titel klingt zwar mehr nach „Dienstag“, war aber trotzdem lieb gemeint.

Guter Besuch eines traditionsbewussten Publikums eher älterer Bauart, doch ausverkauft waren die altehrwürdigen Kammerspiele nicht, trotz frisch bezogenen Gestühls und eines Freigetränks. Dafür zeigte Kleinmachnows „Kammeroper“ mit ihrer nunmehr sechsten Produktion viel Sinn für Kontinuität, und eben auch für Tradition im Künstlerischen. Man hatte sich ja auch die Perlen der Perlen herausgepickt, anderes dafür liegen gelassen.

Franz Lehar, Paul Lincke, Robert Stolz oder Johann Strauß’ Sohn, wer könnte bei einer solchen „Gala für die Liebe“ widerstehen, auch wenn diese Herren das Wort „Liebe“ eher erotisch verstanden haben dürften. Egal, die „Leichte Muse“ weiß schon, was sie will. Sie kann Sorgenfalten glätten, den trüben Lebensmut zurückgeben, Freude in die Herzen tragen, sei’s auch nur für einen Moment. Den Verliebten steht sie sowieso zur Seite. Vor der Kinoleinwand, darauf die Projektion vieler roter Rosen für die richtige Atmosphäre sorgte, gaben Gundula Hintz, Mezzosopran, Kammeroper-Begründerin und Sopranistin Ilona Nymoen, der raumgreifende Tenor Michael Heim und Markus Syperek am Flügel ihre feurige Gala, darin es nur anfangs etwas stelzig zuging. Der Pianist erwies sich neben seinem Hauptfach auch als vielkundiger und witziger Moderator. Bei Lehars „Meine Lippen küssen so heiß“, Frau Lunas „Lasst den Kopf nicht hängen“ und Straußens „Fledermaus“-Hit „Im Feuerstrom der Reben“ kam auch ein Drum (Jon Nymoen) dezent zum Einsatz. Je nach Part sang man solo, im Duett oder als Terzett, was meist sehr lustig war. Wahrlich! St. Valentin als Patron der Liebenden gab hier sein Bestes, wenn es bei „Frau Luna“ darum ging, doch ein bisschen Liebe zu schenken. Im „Land des Lächelns“ von Lehar muss man einfach mit allem verfügbaren Schmelz „Dein ist mein ganzes Herz“ singen, indes ausgerechnet bei der „Lustigen Witwe“ die Lippen schweigen mussten. Als Lehars „Wolgalied“ aus dem „Zarewitsch“ angekündigt wurde, ging ein Raunen durchs Parkett. Michael Heim, sonst für jeden Uz zu haben, sang diesen aus Schmerz und Solitüde gemixten Part mit Inbrunst und sehr raumgreifend. Überhaupt waren die drei Solisten sehr darauf bedacht, nicht die großen Bühnen der Welt zu imitieren. Sie wollten „ihres“ machen, und taten das, ganz nach Vermögen, auch mit Seele und Herz. Da kam ordentlich was rüber an Freude und an Schmerzgefühl, man war sich auch für einen kräftigen Ulk nicht zu schade. Ob nun „Zwei Herzen im Dreivierteltakt“, „Frau Luna“ oder der inzestverdächtige 2Vetter aus Dingsda“, das Publikum applaudierte, pfiff, feierte die liebreizende Bühne mit Bravo-Rufen, forderte Zugaben. Allzu lange ging das freilich nicht, gleich nach der Gala zeigte der Veranstalter, St. Valentin zu Ehren, noch einen richtig schönen Liebesfilm. Gerold Paul

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