KulTOUR: Das Lendelhaus in Werder : Zufrieden unter einem Dach

Das Werderaner Lendelhaus beherbergt zwei Galerien und veranstaltet regelmäßig Kunstmärkte. Ein Besuch.

Gerold Paul
Doppel-Atelier. Das Lendelhaus
Doppel-Atelier. Das LendelhausFoto: A. Klaer

Werder (Havel) - Kunst und Markt passen zusammen wie Ostern und Kunst. Natürlich hat sich das Verständnis mit den Jahren gewandelt, denn wie Ostern einst „rein christlich“ gedeutet wurde, so folgte auch die Kunst dem nach. Heute wissen nicht mal gute Theologen, worum es wirklich ging, geschweige denn „die Kunst“. Macht aber nichts, dem „Heiden“ bleiben ja immer noch die Hasen, die Eier, und eben jener künstlerische Ausdruck, der heute eben ist, wie er ist.

Unter dem edlen Motto „Kunst bewegt & vereint“ setzten sich vor drei Jahren vier findige Köpfe aus dem Raum Werder zusammen, um etwas auszuprobieren, was so neu gar nicht ist. So entstand der „Werdersche Kunstmarkt“ als das, was Kunst und Welt in diesem Fall zusammenhält. Sechs solcher Veranstaltungen gab es bisher, jeweils zur Weihnachts- und zur Osterzeit, man zählte bis zu zweitausend Besucher. Nicht anders beim diesjährigen Osterfest. In den ehemaligen Schankräumen des Lendelhauses hatten sich vom Karfreitag bis zum Sonntag drei bildende Künstler und die Autorin Ingeborg Lauwaßer auf insularen Osterbesuch eingerichtet. Gemaltes und Gezeichnetes allerorten, und eben jener Büchertisch, wo man neben den historisch-werderschen Kriminalgeschichten und den Abenteuern der „Zwiesel“ auch Lauwaßers neueste Werke, das Katzenbuch „Artayo“ und ein Opus über die Höhengaststätten der Inselstadt erstehen konnte. Eine Hörspiel-CD mit mongolischen Märchen ist in Arbeit.

Insel-Impressionen und Aktbilder

Gespräche über Kunst und Welt natürlich immer inklusive. Wilfried Mix, seit gut 35 Jahren bildnerisch aktiv, präsentierte Schwarzweiß- und Farbsiebdrucke mit Motiven vor Ort, Bockwindmühle und Marktplatz, Segelschuten und Veduten. Gemaltes auch. Eines dieser Insel-Bilder kommentiert er so „Wir wohnen auf einer Sahneschnitte“, na dann, wohl bekomms! Simone Gosdschan zeigte unter anderem „Energiebilder“: Gedrehtes, Spiraliges, Waberndes, alles an die astro-physikalische Bildwelt erinnernd. Helle, lebhafte Farben. Ihr zweites Motiv sind Tiere, die sie auch auf Bestellung malt. Sie ist bekennende Autodidaktin und Amateurmalerin mit Präferenz zum Aquarell. Dann Karsten Brätz, auch einer der „HavelKünstler“-Gruppe. Mit seinem neuesten Bild hat er dem Alten Fritz gleichsam über die Schulter geschaut. Etliche Grau-Schattierungen, ein hageres Gesicht. Ansonsten Aktbilder mit teils märchenhaften Bezügen, Gelungenes, Unvollendetes, Stilles bei Kunst und Markt eben.

Das Publikum kam, trotz des nasskalten Karfreitags, schließlich gab es ja im Lendelhaus noch mehr zu sehen. Wo bis vor Kurzem der Potsdamer Verein „GoldrotSchwartz“ ausstellte, hat jetzt der Werderaner Künstler und „Kuddeldaddeldu“-Betreiber Peter Joseph Weymann seine Galerie. Er lobt diese Stadt, historische Wände, die seine Bilder prächtig unterstützen. Auch Neue sind hinzugekommen. Eines zum Beispiel ist sozusagen interaktiv, je nach Gusto des Betrachters. Mittig eine weiße Leiter mit rotem Samt. Ein zufriedener Maler also, wie selten!

Das trifft auch auf sein Vis-a-Vis zu, auf den Ur-Werderaner Hans-Joachim Stahlberg. Er malt gerade an einem windigen Ostsee-Bild, zeigt, wie das Meer sich die Bäume holt. Technisch hat er eine Menge Ahnung, auch „kulturgeschichtlich“ ist er fit, was Sujet und Genre tüchtig nützt. Schöne Grafiken, interessante Bilder, dazu jedes Jahr ein Selbstporträt. Mit ihm lässt sich gut reden. Ein interessanter Mann – und dazu der zweite zufriedene Künstler unterm Lendeldach: Das gibt es nun bestimmt nicht zweimal auf der Welt! 

Stahlberg-Galerie, Am Markt 21, Do 17-20 Uhr, Sa+So 14-18 Uhr