KulTOUR : Auf ein Neues

Gerold Paul

Stahnsdorf - Nun ist es passiert, die lange angekündigte Wachablösung in der Michendorfer „Volksbühne“ ist vollzogen. Sinnigerweise geschah das am Dreikönigstag. Ein Schalk, wer das mit dem scheidenden Prinzipal Siegfried Patzer und der neuen „Theaterdirektion“ (Christian A. Schnell und Steffen Löser) verglich. Sind ja auch drei, nur eben ganz verschieden. Patzer ist froh, wenn es dergestalt mit dem von ihm begründeten und finanzierten Theaterhaus für Michendorf und Umgebung weitergeht.

Doch dann bei der großen „Eröffnungsgala“ vom Freitag dieser dicker Fauxpas: Intendant Schnell erzählte dem Publikum sehr geschmeidig von Gründungs- und Kulturereignissen dieses Hauses ab 1928, ohne den Herzblut-Anteil von Siegfried Patzer auch nur zu erwähnen! Da wehen in spe wohl andere Winde, zumal auch der Satz vom „einzig professionellen Theater vor Ort“ keinen Zweifel erlaubt, wie das zu verstehen sei. Ja, können denn nur Profis etwas? Doch gemach, eine Kooperation mit der „Kleinen Bühne“ von nebenan ist ohnehin nicht vorgesehen. Wenn der Alleinmoderator Schnell seinen Compagnon auch nicht zur Seite hatte, so waren es doch trotzdem Winke und Zeichen genug am Tag der Drei Könige. Oder war es doch nur einer?

Wie immer auch, für ein Neues hat man sich sehr viel vorgenommen: Engmaschiger Premierentakt, Vielfalt im Angebot, gut 120 Vorstellungen im Jahr – auch wenn das Michendorfer Ortsblatt herzlich wenig Notiz davon nimmt. Hinter allem steckt eben noch etwas anderes. Die auf 150 Minuten angelegte Gala, zugleich Vorschau auf 2017, begann mit einem direktionalen Kompliment für Michendorf, ausgeführt vom ortsansässigen „Chorus vicanorum“, was man etwa mit „Chor im Dorf“ übersetzen könnte. Kecke Lieder, gute Stimmen, ein Zeige-Gestus, den sich auch andere zum Vorbild nehmen könnten. Dann stellten sich Ensemble-Mitglieder wie Casper von Wasserburg und Tina-Nicole Kaiser (demnächst als „Ekel-Alfred“ nebst Gattin Else) dem Publikum mit Szenenausschnitten aus dem Jahresprogramm vor.

Die neue Direktion legt es ja auf die gesamte Genre-Breite an, vom Drama bis Kindertheater, von Comedy bis zum Jazzkonzert, von der Operette bis zum literarischen Programm. Motto: Theater soll unterhalten, nicht langweilen. Allerdings fügt die Direktion hinzu, man wolle unbeschwerte, anregende und „den Alltag vergessen machende Theaterabende“ liefern. Ob das gut ist? Na, schau’n wir mal. Die Gala jedenfalls war durchaus unterhaltend, nur eben etwas lang. Mit von der Partie waren Heinz Behrens, Iris Werlin, Horst Pinnow, das Luna Jazz Quartett, die Hauptstadtoper Berlin mit einem stark ausbaufähigen Operettenprogramm, nicht zuletzt die drei agilen Swingschlampen. Das Gemeindeamt trat offiziell nicht in Erscheinung.

Danach gab es ein festlich-feines Buffet mit vielen Leckereien, jede Menge Gespräche, alles, wie es sich für eine zünftige Premiere ziemt. Nur, dass man hier kein Stück feierte, nein, das Haus selber wurde in Szene gesetzt. Na, wenn das mal kein Theater ist! Toi, toi, toi also, und auf ein Neues – natürlich in spe! Gerold Paul