Kulinarischer Wanderweg : Ein Museum für die Mühle in Beelitz

Die Bockwindmühle in Beelitz wird zu einem Museum umgebaut. Bald soll es losgehen.

Müller Ulrich Hühler arbeitet an der Bockwindmühle in Beelitz. Bald soll dort auch ein Museum entstehen.
Müller Ulrich Hühler arbeitet an der Bockwindmühle in Beelitz. Bald soll dort auch ein Museum entstehen.Foto: Sebastian Gabsch

Beelitz - Es kracht rhythmisch und laut auf dem Mehlboden der Beelitzer Bockwindmühle. Müller Ulrich Hühler hat sie in den Wind gedreht, die Flügel drehen sich und treiben die Hauptwelle an. Seit zwölf Jahren ist die Mühle rekonstruiert, nun soll neben ihr in einer Scheune ein Museum entstehen: Am gestrigen Montag hat Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger (SPD) dazu einen Förderbescheid an den Mühlenverein überreicht.

Mühlenumbau: Ausschreibung veröffentlicht

„Die Ausschreibung für die Arbeiten wird heute veröffentlicht, wir hoffen schnellstmöglich anfangen zu können“, sagte Vereinsvorstandsmitglied Wolfgang Trebuth. 431.057 Euro können verbaut werden. Drei Viertel des Geldes stammen aus Fördergeldern der Europäischen Union, die das Land weiterreicht. Der Rest wird über Spenden und einen Eigenanteil des Vereins finanziert, der dafür einen Kredit aufgenommen hat. Trebuth hofft, dass die rekonstruierte Scheune zum Mühlen-Weihnachtsmarkt 2020 eröffnet werden kann.

In der Bockwindmühle in Beelitz haben die Mitglieder des Mühlenvereins bereits Ausstellungsstücke für das Museum gesammelt. 
In der Bockwindmühle in Beelitz haben die Mitglieder des Mühlenvereins bereits Ausstellungsstücke für das Museum gesammelt. Foto: Sebastian Gabsch

Sie soll ein kleines Mühlenmuseum beherbergen: Die drei Müller, die an der Mühle mindestens alle zwei Wochen öffentlich Korn mahlen, und die 50 Vereinsmitglieder haben dazu schon Material gesammelt, das derzeit etwas chaotisch in der Scheune steht. Neben historischen Mahlgeräten und Miniaturmühlen ist auch Prosa eines Mülles ausgestellt, die er in seinen Wanderjahren verfasst hat. „Das haben wir aus Nachlässen verschiedener Müller gesammelt“, sagte Hühler.

Noch ist es in der Scheune dunkel, nach dem Umbau soll es jedoch eine große Fensterfront zur Mühle hin geben. „Wir wollen, dass man hier bei schlechtem Wetter oder am Abend auf die Mühle schauen kann, während man im Warmen vor einem kleinen Backofen sitzt“, erklärte Trebuth. Im Obergeschoss sollen Räume für die Vereinsnutzung entstehen. Ein kleiner Holzschuppen wird abgerissen und durch einen steinernen Anbau ersetzt, der von außen aber wieder mit Holz verkleidet wird. Dort sollen die Toiletten untergebracht werden. Auch das Mauerwerk der Scheune selbst soll überarbeitet werden, die roten Klinker sollen künftig wieder strahlen.

Mit dem neuen Mühlenmuseum möchte sich der Verein für die Ausrichtung des Deutschen Mühlentages im Jahr 2022 bewerben – dem Jahr, in dem Beelitz auch Schauplatz der Landesgartenschau wird. „Die Bockwindmühle und das Museum sind eine wichtige Kulisse der Laga“, sagte Bürgermeister Bernhard Knuth (Bürgerbündnis Beelitz) den PNN. Von der Festwiese aus soll es einen Wanderweg entlang der Nieplitz zur Mühle geben. Auch soll das Gelände aufgewertet werden, sagte Knuth: „Die genauen Abstimmungen dazu kommen etwa zwei Jahre vor der Gartenschau.“

Die Laga soll kulinarische Besonderheiten aufgreifen

Denkbar seien etwa neue Pavillons und Bänke entlang des Weges. Zudem könne er thematisch gestaltet werden: Die Laga soll auch kulinarische Besonderheiten aufgreifen, auf dem Weg könne man die Geschichte des Beelitzer Mehles und Brotes erzählen. Das Mehl der Bockwindmühle wird tatsächlich in Beelitz verbacken: Bäcker Tobias Exner im von der Mühle aus sichtbaren Gewerbegebiet im Süden der Stadt bäckt daraus sein Mühlenbrot. Der Mühlenverein wird von der Stadt mit jährlich 9000 Euro unterstützt, die Stadt sichert auch den Kredit des Vereins für das Museum ab.

Mühlenstein in Beelitzer Bockwindmühle. 
Mühlenstein in Beelitzer Bockwindmühle. Foto: Sebastian Gabsch

Die Ehrenamtlichen im Mühlenverein wollen für ihr neues Museum auch die Geschichte der Wassermühle aufarbeiten, die im Süden am entgegengesetzten Ende der Stadt steht. Noch sind nur Reste von ihr zu sehen, im Dezember haben die Stadtverordneten allerdings beschlossen, das Haus bis zur Laga für 1,5 Millionen Euro zu sanieren (PNN berichteten). In der Wassermühle sollen künftig die Stadtbibliothek, ein Museum mit der historischen Technik und ein Café entstehen. Zudem soll ein kleiner Mühlenteich rekonstruiert werden.

Ursprünglich drehte sich das Mühlrad im Mühlenfließ, einem Seitenarm der Nieplitz. Die Verwaltung wollte neben der Wassermühle einen Badesee anlegen, was die Stadtverordneten jedoch ablehnten. Der Badesee sollte das sanierungsbedürftige Freibad ersetzen, das für einen Park an der Nieplitz weichen muss.

Naturfreibad statt Badesee

Stattdessen soll laut Bürgermeister Bernhard Knuth zur Laga nun ein Naturfreibad in der Innenstadt entstehen: Zwischen dem Wasserturm am Bahnhof und den Gleisen soll eine derzeit größtenteils brach liegende Fläche zum Wasserturmpark umgebaut werden. Das Naturfreibad soll einem See ähnlich sehen, aber ein Becken aus Beton und eine Filteranlage erhalten. Es soll bis zu drei Meter tief sein, damit Badegäste sicher von einem geplanten Turm ins Wasser springen können.

Neben dem Bad soll ein Trendsport-Park mit Skateanlage entstehen, die bereits im Bau ist. Die Pläne wurden mit Schülern des benachbarten Gymnasiums erarbeitet. Auch eine Picknickwiese soll bis 2022 fertig sein. Erst nach der Laga soll zudem noch ein Bereich mit Fitnessgeräten entstehen. Der ganze Park kostet laut Knuth drei bis vier Millionen Euro. Förderung dafür kommt aus Städtebaumitteln.