Potsdam-Mittelmark : Künstler wollen Zehlendorfer Damm 200 erobern

In Kleinmachnow hat sich ein neuer Kunstverein gegründet / Ausstellung im Sommer geplant

Tobias ReicheltD
Ein Haus für die Kultur. Künstler wollen in den Zehlendorfer Damm 200.
Ein Haus für die Kultur. Künstler wollen in den Zehlendorfer Damm 200.Foto: Ehrt

Kleinmachnow - Eine Galerie für Kleinmachnow, ein Ort für internationale Künstler, für Vereinsabende oder Lesestunden – wenn Rainer Ehrt an die ungenutzten Potenziale des leer stehenden Kanalarbeiterhauses in Kleinmachnows historischem Dorfzentrum denkt, gerät er ins Schwärmen. „Wir müssen was tun und können nicht immer nur jammern“, sagt er dann. Gemeinsam mit seinem Künstlerkollegen Fridolin Frenzel hat der Maler und Cartoonist großes vor mit dem Haus am Zehlendorfer Damm 200.

Knapp einen Monat nach dem Ende des „Kunst- und Kulturvereins Kleinmachnow“ – zu DDR-Zeiten bekannt als „Joliot-Curie-Klub“ und Treffpunkt für Intellektuelle und Künstler – macht der Kleinmachnower Rainer Ehrt mit seinem neu gegründeten Kunstverein von sich reden. „Die Leute vom alten Kunstverein waren erschöpft“, sagt Ehrt. „Jetzt müssen andere den Karren ziehen.“

„Die Brücke Kleinmachnow – Kunstverein e. V.“ heißt das Projekt. Der Name ist Programm: „Wir wollen vielfältige Brücken bauen“, Verbindungen wie die zwischen alten und neuen Kleinmachnowern schlagen, zwischen Kunstfreunden und Künstlern. Eines soll dabei nicht vergessen sein, sagt Ehrt, „Die Brücke“ stehe auch symbolisch für das ehemalige Kanalarbeiterhaus am Zehlendorfer Damm und den Anspruch des neuen Kunstvereins darauf. In Sichtweite der Brücken über den Teltowkanal soll es Kleinmachnow als Künstlerzentrum dienen, wünscht sich der Maler.

„Wir wollen dort unseren Kunstverein etablieren“, sagte er gestern den PNN. Die Planungen für den ersten Schritt seien im vollen Gang. Der Verein will eine Künstlerwoche in der Zeit vom 29. August bis zum 4. September veranstalten. Im und um das leer stehende Haus aus dem 19. Jahrhundert – zuletzt bewohnte es der Gärtner Josef Schöwel – sollen vier eingeladene Künstler ein Woche lang arbeiten und ausstellen. Die Kurzzeitgalerie soll von Konzerten, Lesungen, Darstellungen und einem Künstlerfest begleitet werden. Die Genehmigung von der Gemeinde für die Kunstwoche hat sich Ehrt bereits gesichert.

Der Idealfall aus seiner Sicht: Aus der Künstlerwoche wird ein ganzes Künstlerjahr. „Wenn wir gute und professionelle Künstler nach Kleinmachnow holen wollen, brauchen wir einen Raum“, sagt Ehrt. Das Potenzial an Kunstinteressierten Kleinmachnowern sei groß, die Lage des Hauses in der Nähe zu drei großen Schulen ideal. „Warum soll man die Leute nicht hier abholen?“

Bis aus dem ehemaligen Kanalarbeiterhaus in Gemeindebesitz aber eine Galerie wird, kann es noch dauern, weiß auch Ehrt. „Im Moment hat das Haus einen morbiden Charme.“ Dach und Fassade sind reparaturbedürftig, die Heizung ist defekt und der Keller feucht. Das soll die Bemühungen aber nicht stoppen, sagt der 50-jährige Maler. Ehrt weiß, wie man große Projekte vorantreibt. Vor sechs Jahren initiierte er die landesweite Künstlermesse „Art Brandenburg“. Die dort geknüpften Kontakte sollen später helfen, Kleinmachnows Kunstzentrum mit Leben zu füllen. Tobias Reichelt

Der Kunstverein sucht tatkräftige, fördernde Mitglieder. Tel.: (033203) 77395