Potsdam-Mittelmark : Kritik an erneuter Fällaktion

Kettensägen im Beethovenwäldchen

Tobias Reichelt

Stahnsdorf – Das Stahnsdorfer Beethovenwäldchen ist seit gestern zu großen Teilen gerodet. Mit einer erneuten Fällaktion machten einige Waldeigentümer von ihrem Recht Gebrauch, die zum Teil über 100 Jahre alten Kiefern des Waldstückes zu fällen. Ein eindeutiges Signal in den Augen vieler aufgebrachter Gemeindevertreter und ihres Bürgermeisters Bernd Albers (Bürger für Bürger). Sie werfen den Waldbesitzern vor, die letzte Chance genutzt zu haben, um vollendete Tatsachen zu schaffen. Denn schon heute Abend soll das Beethovenwäldchen von den Gemeindevertretern endgültig unter Schutz gestellt werden. Viel zu schützen gibt es nun jedoch nicht mehr, beklagen die Gemeindevertreter.

„Ich finde es empörend, dass sich die Eigentümer über den Willensbildungsprozess der Gemeinde hinwegsetzen“, erklärte Bürgermeister Albers gestern gegenüber den PNN. Auch SPD-Vertreterin Ruth Barthels beklagte die Fällarbeiten einen Tag vor der entscheidenden Gemeindevertretersitzung. „Das Beethovenwäldchen gibt es nicht mehr“, sagte Barthels. Sie hatte gestern noch gemeinsam mit der Initiative Beethovenwäldchen versucht, die Arbeiten zu stoppen. Der Wunsch der Stahnsdorfer, den Wald zu schützen, habe die Waldbesitzer um ihren Sprecher Reinhard Hoffmann jedoch nicht interessiert, sagte Barthels.

Bereits Anfang April waren Arbeiter mit Kettensägen im Beethovenwald angerückt – ebenfalls einen Tag vor einer wichtigen Bauausschusssitzung, in der der Grünordnungsplan für das Areal auf den Weg gebracht werden sollte. Waldbesitzer Hoffmann wehrte sich damals gegen die Kritik der Politiker. Der Zeitpunkt der Fällungen einen Tag vor der Sitzung sei keine Absicht gewesen. Auch die Forstbehörde bestätigte: Im Sinne des Waldgesetzes haben die Fällarbeiten keinen Verstoß dargestellt. Im Gegenteil, die alten Kiefern mussten abgeholzt werden, um den Wald zu verjüngen. Hoffmann hatte darüber hinaus den schlechten Dialog zwischen Gemeinde und Waldbesitzern bemängelt. Denn die hatten das Wäldchen in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts als Bauland erworben. Noch vor zwei Jahren war sogar eine Teilbebauung des 1,2 Hektar großen Areals im Gespräch. Von diesen Plänen verabschiedeten sich die Gemeindevertreter nun. Die entsprechenden finanziellen Konsequenzen haben die Waldbesitzer zu tragen. Sie hatten auf einen gewinnträchtigen Verkauf der Grundstücke als Bauland spekuliert. Tobias Reichelt