Potsdam-Mittelmark : Kreis-Piraten gründen erste Untergruppen Mitgliederzuwachs in der Region Teltow

Ariane Lemme

Potsdam-Mittelmark - Die mittelmärkischen Piraten sehen sich gut aufgestellt. Seit der Gründung des Kreisverbandes vor gut einem halben Jahr ist die Zahl der Mitglieder um mehr als ein Drittel gestiegen – von 74 auf aktuell 121. Stimmberechtigt sind davon nach Aussage des Kreisverbandsvorsitzenden Bernd Wolf allerdings nur 40. „Der Zuwachs konzentriert sich vor allem im Berliner Speckgürtel rund um Kleinmachnow“, sagte Wolf auf PNN-Anfrage. Der Zulauf komme aus quasi allen demokratischen politischen Strömungen, viele Neu-Piraten seien aber das erste Mal in einer Partei aktiv, so Wolf.

Im Raum Teltow bilden sich nun erstmals in Potsdam-Mittelmark am 1. und 2. August die ersten Untergruppen – so genannte Crews. Doch schon im Vorfeld gab es deswegen intern Streit: Denn neben einer Crew für die drei Kommunen Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf wollen einige Kleinmachnower eine eigene Gruppe gründen. So hält etwa Andreas Schramm diese zusätzliche Teilung für nicht zielführend und würde die Kräfte lieber auf die Region konzentrieren. Er fordert stattdessen eine engere Vernetzung mit der Piraten-Crew aus Steglitz-Zehlendorf. Die Verfechter der Kleinmachnower Crew erhoffen sich allerdings stärkere Einflussmöglichkeiten vor Ort.

An Aktiven wird es den beiden Splittergruppen so oder so nicht mangeln, Wolf rechnet mit jeweils etwa zehn bis 15 Teilnehmern bei den Gründungstreffen. Ebenso viele Kreispiraten werden wohl auch am 18. August zum Landesparteitag nach Eberswalde fahren. Dort wird es vor allem um die Wahl eines neuen Landesvorsitzenden gehen, der den amtierenden Michael Hensel ablösen soll. Eine Ämterhäufung will Wolf vermeiden und deshalb keinesfalls selbst kandidieren.

Das sei auch gar nicht nötig: „Am Landesprogramm haben die mittelmärkischen Piraten intensiv mitgearbeitet“, so Wolf. Andersherum könnten die darin festgelegten Schwerpunkte in den Bereichen Bildung und Umwelt auch auf den Landkreis angewendet werden. Deutlich wird das etwa am Thema Inklusion, die ab dem kommenden Schuljahr auch an zwei Teltower und einer Kleinmachnower Grundschule eingeführt werden soll. Während vor allem CDU-Vertreter wie der Kleinmachnower Landtagsabgeordnete Ludwig Burkardt skeptisch sind, ob sich das gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne Behinderung so einfach umsetzen lasse, deklarieren die Piraten Inklusion als Menschenrecht. Auch den Themenkomplex rund um den neuen Flughafen BER wollen die Kreispiraten besetzen – und fordern etwa die Veröffentlichung sämtlicher Dokumente zur Flughafenplanung und ein striktes Nachtflugverbot von 22 Uhr bis 6 Uhr. Das ist allerdings keine Überraschung, das derzeit laufende Volksbegehren für ein Nachtflugverbot wird in der Region parteiübergreifend unterstützt.

Ein weiterer aktueller Diskussionspunkt werden für die Crew wohl die Teltower Tafel, die nach Wolfs Einschätzung große Probleme hat, die Bedürftigen angemessen zu versorgen. Der Kreisvorsitzende selbst engagiert sich indes schon seit Monaten für ein geplantes Jugendhaus für Freizeit- und Band-Projekte. Er unterstützt damit den Jugendklub JKT, der seit vergangenem Sommer heimatlos ist. „Die Zusammenarbeit mit Kleinmachnows Bürgermeister Michael Grubert (SPD) gestaltet sich dabei allerdings extrem schwierig“, so Wolf. Ariane Lemme

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