Kosten nicht gedeckt : Seniorenclub in Kleinmachnow droht das Aus

Die Volkssolidarität schreibt seit Jahren rote Zahlen mit Begegnungsstätte „Toni Stemmler“. Jetzt droht die Schließung.

Zusammen ist man weniger allein: Die Senioren-Freizeitstätte „Toni Stemmler“ bietet gerade alleinstehenden Senioren einen Raum, in dem sie sich in der Gemeinschaft aufgehoben fühlen können. Für die Volkssolidarität rechnet sich der Betrieb jedoch nicht.
Zusammen ist man weniger allein: Die Senioren-Freizeitstätte „Toni Stemmler“ bietet gerade alleinstehenden Senioren einen Raum, in...Foto: Manfred Thomas

Kleinmachnow - Der Begegnungsstätte „Toni Stemmler“ in der Hohen Kiefer 41 droht die Schließung zum Jahresende. Die Volkssolidarität, seit 1949 Träger der Einrichtung, erklärte auf PNN-Anfrage, die traditionsreiche Freizeitstätte finanziell möglicherweise nicht mehr halten zu können. Zuerst hatte die Märkische Allgemeine Zeitung berichtet. Für die Kleinmachnower Senioren würde damit die einzige öffentliche Begegnungsstätte in der Gemeinde wegbrechen.

Der Betrieb der Senioren-Freizeitstätte sei schon seit Jahren ein Minusgeschäft, sagt Dirk Brigmann, Geschäftsführer des Regionalverbands Potsdam/Potsdam-Mittelmark/Brandenburg an der Havel der Volkssolidarität. In der Begegnungsstätte wird in der Woche täglich ein Mittagstisch angeboten, ein Mal monatlich gibt es ein großes Frühstücksbuffet, zudem können die Senioren an organisierten Reisen teilnehmen. Interessengruppen wie ein Malzirkel, ein Kegelclub und eine Yogagruppe kommen regelmäßig in den Räumen des einstigen Privathauses zusammen.

„Das, was wir durch den Verzehr bei Veranstaltungen und durch Fremdvermietungen einnehmen, deckt aber die Kosten bei Weitem nicht“, sagt Brigmann. Das liege auch daran, dass die Mitgliederzahlen der Hilfsorganisation Volkssolidarität immer weiter sinken.

Dirk Brigmann
Dirk BrigmannFoto: Ingmar Höfgen

Die Hilfsorganisation besteht seit 1945. Damals in Dresden gegründet konzentrierte sie sich zunächst auf jene, die am meisten unter den Kriegsfolgen litten: Kinder, Alte und Kranke sowie Kriegsheimkehrer und Geflüchtete. Ab den 1950er Jahren begann die Hilfsorganisation, in der DDR sogenannte Veteranenclubs aufzubauen, die sich vorrangig um die sozial-kulturelle Betreuung älterer Menschen kümmerten. Heute hat die Volkssolidarität rund 150 000 Mitglieder, die vorwiegend im Rentenalter sind.

Unter anderem mieten die Imker der Region, der Heimatverein sowie die Ortsverbände der Linken und Grünen die Räume der Begegnungsstätte für ihre Treffen. Würde die Volkssolidarität die Miete oder die Verzehrpreise erhöhen, könnten sich viele Interessenten den Besuch nicht mehr leisten, so Brigmann. Neue Einnahmequellen, um die Kosten zu decken, ließen sich auf diesem Weg also nicht erschließen. Der Geschäftsführer hofft, dass Gemeinde oder Förderverein sich bereit erklären, einen höheren Kostenanteil zu übernehmen. Für Ende August sei ein Gespräch mit dem Förderverein geplant, parallel laufen bereits Verhandlungen mit der Gemeinde. Ende September soll die Volkssolidarität der Gemeinde mitteilen, ob sie weiter als Träger fungieren wird.

Bisher Glück gehabt

Der Förderverein werde wohl nicht in der Lage sein, den Betrieb der Begegnungsstätte in nennenswerter Weise zu unterstützen, sagt Vereinsvorsitzende Angelika Semmler. „Wir sind 19 Mitglieder, von denen fast alle jenseits der 70 sind“, so Semmler. Die Mitglieder steuerten unterschiedlich hohe Beträge zum Verein bei, insgesamt kämen dabei nur einige Hundert Euro raus, die der Förderverein jährlich zum Erhalt der Freizeitstätte beitragen könne. „Bisher hatten wir immer wieder Glück, dass Handwerker uns gegen eine Spendenquittung ausgeholfen haben“, so die Vereinsvorsitzende.

Im vergangenen Jahr schoss die Gemeinde rund 41.500 Euro zum Betrieb der Senioren-Freizeitstätte hinzu. Rund 13.000 Euro davon fließen in die Beschäftigung eines Hausmeisters, der auch bei der Organisation von Festen mithilft. „Bei dem gleichen Betrag liegen wir auch in diesem Jahr“, sagt Gemeindesprecherin Martina Bellack. Ob er im Jahr 2020 erhöht werde, sei Entscheidung der Gemeindevertretung, die Anfang September zum nächsten Mal tagt.

Vor der Gemeindevertretung wird sich der Sozialausschuss am kommenden Dienstag mit dem Thema befassen. Zu diesem Termin will sich auch der Seniorenbeirat der Gemeinde zu Wort melden. Dessen Vorsitzender Herbert Franke hat von der drohenden Schließung des Seniorenclubs erst am Dienstagnachmittag erfahren, unmittelbar nach seiner Rückkehr aus dem Urlaub. Er könne die Überlegung der Volkssolidarität überhaupt nicht nachvollziehen und wolle sich am heutigen Mittwoch sofort mit der Gemeinde in Verbindung setzen, um über mögliche nächste Schritte zu sprechen. „Begegnungsstätten wie diese sind für ältere Menschen ungeheuer wichtig“, sagt Franke.

Mal an die Älteren denken

Gerade Alleinstehende bräuchten feste Anlaufpunkte, an denen ihnen Freizeitangebote gemacht werden und an denen sie sich in der Gemeinschaft aufgehoben fühlen. „Die Menschen werden immer älter, wir brauchen also eigentlich mehr Begegnungsstätten dieser Art, nicht weniger“, sagt Franke. Auch Manfred Klencz, Schatzmeister des Seniorenbeirats, ist dieser Ansicht: „Es gibt in Kleinmachnow mehr als 2000 Senioren und nur eine einzige öffentliche Begegnungsstätte für sie“, so der 78-Jährige. Für Familien und Jugendliche habe die Gemeinde in den vergangenen Jahren viel höhere Beträge ausgegeben, so die Ansicht der beiden Kleinmachnower Seniorenvertreter. Nun sei es Zeit, auch mal an die ältere Bevölkerung zu denken.