Kommunen fördern Elektromobilität : Sauber in Potsdam-Mittelmark unterwegs

Immer mehr Menschen sind in der Region mit E-Autos und E-Bikes unterwegs. Teltow hat deswegen seine ersten sechs Stromtankstellen eingeweiht, Kleinmachnow legt nächstes Jahr nach. Ein Überblick.

Wer wie Ahmed Sayed an den neuen Ladesäulen in Teltow Strom tankt, muss pro Ladung zwischen sechs und acht Euro bezahlen. 
Wer wie Ahmed Sayed an den neuen Ladesäulen in Teltow Strom tankt, muss pro Ladung zwischen sechs und acht Euro bezahlen. Foto: Andreas Klaer

Teltow/Kleinmachnow - Umweltfreundlicher, leiser und schneller unterwegs: Immer mehr Menschen in der Region Teltow setzen auf E-Autos und E-Bikes. Um das Umsteigen auf die Elektromobilität zu erleichtern, bauen die Kommunen in der Region Teltow derzeit die Infrastruktur aus. Die PNN geben einen Überblick.


E-Autos und Ladestationen 

Zwar ist die Zahl derjenigen, die in Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf mit einem Elektroauto oder einem Hybridwagen unterwegs sind, noch überschaubar, dass ihre Anzahl aber steigen wird, daran zweifelt Teltows Bürgermeister Thomas Schmidt (SPD) nicht. So soll es laut Schmidt derzeit nur rund 20 Nutzer von E-Autos geben, Kleinmachnow kommt bisher auf knapp 50. Dennoch hat sich Teltow schon früh um Bundesförderung für Stromtankstellen beworben. 

Am gestrigen Montag sind nun die ersten sechs Ladesäulen in Teltow eingeweiht worden. Bis zu zwölf Autos können dort ihre Batterien aufladen. Rund 74 000 Euro haben die modernen Tankstellen die Stadt gekostet, 30 000 Euro hat der Bund dazugegeben. Sechs Jahre müssen sie nun in Betrieb sein, so die Forderung aus dem Bund. Zu finden sind sie auf dem Parkplatz in der Badstraße, auf dem Parkplatz in der Zehlendorfer Straße und im Weinbergsweg. Den Betrieb der Säulen hat Eon-Edis übernommen, 22 Kilowattstunden stehen den Nutzern zur Verfügung. Gäbe es mehr Leistung, wären die Säulen sogenannte Schnellladestationen. Wer sich dort andockt, der muss für’s Aufladen zwischen sechs und acht Euro zahlen – egal, wie lange er seinen Wagen auflädt. Der Strom aus regenerativen Energien wird dem Betreiber der Anlage bezahlt. Eine App von Eon.Edis zeigt Autofahrern an, welche Säulen in Teltow frei sind. Kleinmachnow hingegen plant ein anderes Modell, ein faireres, wie Julian Affeldt betont. Affeldt setzt sich seit Jahren für den Ausbau der Elektromobilität in der Region ein. „Preise wie in Teltow sind abschreckend.“ 

Damit würde man den Umstieg auf E-Fahrzeuge nicht begünstigen, so Affeldt. Daher sei Kleinmachnow mit Betreibern im Gespräch, die nur so viel Strom abrechnen würden, wie auch entnommen werde. Kleinmachnow hat bereits zwei öffentliche Stationen, eine am Rathausmarkt und eine vor der Gewog. Jedoch kann man seinen Wagen nach vorheriger Anmeldung auch auf Affeldts Grundstück aufladen. Weitere sieben Stationen sollen im kommenden Jahr hinzukommen. Auch sie werden vom Bund gefördert. Besonders lang wurde in Kleinmachnow über die Standorte diskutiert. Ein guter Standort wird auch gut genutzt, so Affeldt und kritisiert Teltows Wahl für die Badstraße. „Dort wohnen nur wenige und die nächste Einkaufsmöglichkeit ist über einen Kilometer weit entfernt.“ Dennoch begrüßt der Kleinmachnower, dass Teltow sich überhaupt engagiert und schon frühzeitig die Bundesförderung beantragt hat. Stahnsdorf hat bisher drei Ladesäulen, zwei davon am Bäkedamm, eine weitere soll im kommenden Jahr am Rathaus hinzukommen. Auch setzen alle drei Kommunen auf E-Fahrzeuge in ihren Fuhrparks und wollen so mit gutem Beispiel vorangehen.


E-Bikes und Pedelecs 

Statt ein teures E-Auto zu kaufen, steigen viele zunächst auf ein Pedelec oder ein noch etwas schnelleres E-Bike um. Fragt man in den drei Kommunen nach, wird überall bestätigt, dass die Anzahl der Radler mit E-Antrieb gestiegen ist. Auch der Teltower Fahrradladen hat das vor allem anhand der Reparaturen registriert. Vor rund drei Jahren haben Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf zusammen mit Berlin und dem Deutschen Institut für Urbanistik ein Pilotprojekt gestartet. Pendler sollten vom Auto auf Pedelecs umsteigen – das funktionierte gut. 

Kritik gab es nur an den nicht vorhandenen sicheren Abstellplätzen und an den schlecht ausgebauten Radwegen. Teltow zumindest hat daraufhin nachgelegt und vier Radboxen für insgesamt acht Pedelecs am S-Bahnhof aufgestellt. Das Angebot kommt offenbar gut an, die Boxen sind meist besetzt. Stahnsdorf und Kleinmachnow planen so etwas derzeit aber nicht. 

Auch ein finanzieller Zuschuss wie in Berlin, das den Kauf von E-Lastenrädern fördert, ist in der Region bisher nicht geplant. Das wäre jedoch eine gute Möglichkeit, so Affeldt, den Umstieg auf E-Mobilität zu erleichtern.


Leihfahrräder und Carsharing 

Immer wieder versuchen Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf Anbieter von Carsharing und Leihrädern für ihren Ort zu gewinnen. Aus den Rathäusern heißt es dazu, dass die Anbieter nicht genügend Potential sehen. Die Region hat aber noch nicht versucht, gemeinsam aufzutreten. 

In Sachen Leihfahrrad machen Schwielowsee und Michendorf es der Region Teltow vor: dass man mit den Betreibern durchaus verhandeln kann.