Kommunalpolitik : Das passiert dieses Jahr in Potsdam-Mittelmark

Welche politischen Entscheidungen sind 2020 in Potsdam-Mittelmark zu erwarten? Worüber wird in diesem Jahr weiter debattiert und für welche Projekte fällt dieses Jahr der Startschuss? Ein Überblick.

Noch immer wird ein Betreiber für ein Restaurant für die Marina in Teltow gesucht.
Noch immer wird ein Betreiber für ein Restaurant für die Marina in Teltow gesucht.Foto: Manfred Thomas

Potsdam-Mittelmark - Welche Pläne gibt es dieses Jahr für die Mittelmark? Wir haben uns in den Kommunen umgehört.

Werder

In der Stadt Werder (Havel) stehen 2020 einige spannende Entscheidungen an. Und das Beste: Bei vielen wichtigen Entwicklungen dürfen die Bürger mitentscheiden. Etwa, wenn es darum geht, wie das Baumblütenfest ab dem nächsten Jahr aussehen soll: Wie berichtet sollen am 10. Februar um 19 Uhr auf der Bismarckhöhe die Ergebnisse der Bürgerbefragung, die Grundlage für ein neues Festkonzept sein soll, detailliert vorgestellt werden. Wenige Tage später finden vom 12. bis zum 14. Februar offene Einwohnerworkshops statt. Zudem sind zwei geschlossene Workshops für junge Menschen zwischen 14 und 24 Jahren geplant. Voraussichtlich im Sommer sollen die Stadtverordneten über das neue Konzept abstimmen können.

Die Baumblüte wird in diesem Jahr ruhiger gefeiert. 
Die Baumblüte wird in diesem Jahr ruhiger gefeiert. Foto: Andreas Klaer

Ebenfalls gefragt sind die Werderaner bei der Erstellung eines Verkehrsentwicklungsplans für ihre Stadt. Dafür sollen sie angeben, welche Wege in Werder sie am 14. Januar zurücklegen. Die Umfrage soll bis zum 26. Januar laufen, die daraus entnommenen Daten fließen anschließend in ein Verkehrsmodell. Es soll errechnen, wie der Verkehr fließt und welche Auswirkungen mögliche Änderungen, etwa neue Einbahnstraßen, haben. Das Modell soll im April vorgestellt werden.

Kitabau im Schnellverfahren: Sowohl Baustart als auch Fertigstellung der Kita am geplanten Campus der Hoffbauer-Stiftung am Ortsrand von Glindow finden voraussichtlich 2020 statt. Wie berichtet hatten die Stadtverordneten im Dezember dem Bebauungsplan zugestimmt. Die Stiftung will einen Campus mit einer Kita für 120 Kinder, einer Grundschule für 300 Schüler sowie einer weiterführenden Schule für 400 Kinder errichten. Auch eine Turnhalle ist geplant.

Das Kindererholungszentrum Inselparadies Petzow benötigt seit vielen Jahren eine Sanierung. Die endgültigen Weichen dafür könnten nun in diesem Jahr gestellt werden. Da das Gelände in einem Landschaftsschutzgebiet liegt, war für das Bebauungsplanverfahren die Zustimmung des Umweltministeriums erforderlich. Das Ministerium hatte hohe Auflagen an die Stadt zur Bedingung gemacht, wodurch sich das Verfahren verzögert hatte. In diesem Jahr sollen aber die Stadtverordneten über den Entwurf des Bebauungsplanes abstimmen.

Und: der Bau der geplanten Rad- und Fußgängerbrücke über dem Zernsee zwischen Potsdam und Werder (Havel) wird voraussichtlich noch 2020 starten. Das bestätigte das Potsdamer Rathaus auf Anfrage gegenüber den PNN. Potsdam übernimmt die Bauausführung. Im ersten Quartal dieses Jahres wird die Zusage von Fördermitteln erwartet.

Teltow, Kleinmachnow, Stahnsdorf

Bald mit Bier? Viele Teltower wünschen sich, dass es am Hafen einen Biergarten gibt. 
Bald mit Bier? Viele Teltower wünschen sich, dass es am Hafen einen Biergarten gibt. Foto: Manfred Thomas

Es wird das Jahr der großen Ereignisse für Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf: Mit der Fertigstellung der neuen Landesstraße 77 im Frühjahr werden die drei Kommunen spürbar vom Verkehr entlastet. Vorangetrieben wird auch das gemeinsame Schwimmhallenprojekt. Noch in diesem Jahr könnte eine weitere, detaillierte Machbarkeitsstudie vorliegen, die Kosten und Standorte aufzeigt und als Entscheidungsgrundlage gilt. Im November wird sich der Zweckverband für den gemeinsamen Bauhof der Kommunen bilden. Ein Projekt, um das lange gerungen wurde. Und am gestrigen Donnerstag gab es vom Bildungsausschuss des Landes grünes Licht für eine gymnasiale Oberstufe an der neuen Gesamtschule des Kreises in Teltow. Dort kann man dann nach zwölf Jahren bereits das Abi machen. Baubeginn der Schule wird im Frühjahr sein, sie startet zum Schuljahr 2022/23.

Spannend wird auch, wie es mit dem großen Teltower Streitthema, der Entwicklung des Hafens, weitergeht. Im nunmehr vierten Anlauf will die Stadt einen Investor finden, der das Hafengebäude mit Hafenmeisterbüro und Gastronomiebetrieb baut. Bisher gab es dafür keine Interessenten. Voraussichtlich im Frühjahr könnte es dazu einen Beschluss der Stadtverordneten geben. Was das Teltower Stadtparlament in diesem Jahr erneut beschäftigen wird, sind zahlreiche Bebauungspläne. So wird das Areal gegenüber dem Hafen beplant, die ehemalige LPG-Fläche Immergrün an der Ruhlsdorfer Straße, der „Diakonische Stadtteil“ an der Lichterfelder Allee, ebenso wie die Speicherstadt. Teltow wird zudem in diesem Jahr erstmals an der 30.000-Einwohner-Marke kratzen.

Bebauungspläne werden auch in Kleinmachnow gewälzt: Dort wird die letzte große bebaubare Freifläche, die so genannte „Grüne Stadt“ am Stahnsdorfer Damm, beplant. Auch die umstrittene Bebauung des Buschgrabengebiets wird dieses Jahr erneut Thema sein. Im März wird die Planung für die Sanierung der Sommerfeldsiedlung vorgestellt, womöglich wird in diesem Jahr schon die erste, modernisierte Straße fertig sein. Auch die Sanierung der Hakeburg könnte in diesem Jahr vorankommen, die Bauanträge sind vom Investor bereits gestellt worden. Und: Der zweite Kinosaal in den Kleinmachnower Kammerspielen wird 2020 auch fertig.

Stahnsdorf wird sich mit seinen „Evergreens“ beschäftigen: Der neue brandenburgische Umweltminister Axel Vogel (Grüne) wird sich noch vor den Winterferien mit dem zuständigen Jagdpächter und der Gemeinde zum Thema Bogenjagd auf Wildschweine treffen. Ausgang: offen. Noch im Januar werden die Stahnsdorfer aufgerufen, online über die Zukunft der Waldschänke abzustimmen. Wie es dann weitergehen wird mit dem Traditionslokal, entscheiden die Gemeindevertreter. Ein Projekt, auf das die Stahnsdorfer Feuerwehr seit rund neun Jahren wartet, wird auch endlich angestoßen: Die Planung für den Bau einer Feuerwache neben dem Rathaus in der Annastraße wird jetzt tatsächlich ausgeschrieben. Zudem will Stahnsdorf zwei neue Kitas bauen. Auch der Neubau der Lindenhofgrundschule soll starten.

Nuthetal

Nuthetal will seine Radwege ausbauen. 
Nuthetal will seine Radwege ausbauen. Foto: Andreas Klaer

Mit einer Digitaloffensive startet Nuthetal in das Jahr: Die Gemeinde ist Mitglied des neuen Zweckverbandes „Digitale Kommunen Brandenburg“, dessen Gründung kurz bevorsteht. Was sperrig klingt, ist sehr modern: Nuthetal will sich auf dem Weg zum digitalen Rathaus von Experten helfen lassen. Denn bis 2022 müssen alle Kommunen laut Onlinezugangsgesetz des Bundes ihre Verwaltungsleistungen auch elektronisch anbieten. Zudem will die Gemeinde in diesem Jahr für ihre Grundschulen Anträge im Rahmen des Digitalpakts stellen, um sie zumindest mit schnellem Internet auszurüsten. Freuen dürften sich die Schüler aus Saarmund: Ihr Schulhof soll in diesem Jahr neu gestaltet werden, auch die Sanierung des Saarmunder Sportplatzes steht an. Wovon nicht nur Schüler profitieren werden, ist der Ausbau des Radwegenetzes: So soll der Ausbau der Strecken zwischen Saarmund und Bergholz-Rehbrücke sowie zwischen Langerwisch und Saarmund dieses Jahr beginnen.

Das Jahr in Nuthetal steht auch im Zeichen der Feuerwehr: So soll gemäß dem neuen Gefahrenabwehrbedarfsplan der Bau der neuen Feuerwache in Tremsdorf beginnen und die Planung für eine gemeinsame Wache für Nudow, Philippsthal und Fahlhorst angeschoben werden. Auch die schleppende Entwicklung des Industriegeländes am Bahnhof geht voran: Noch im Januar sollen den Gemeindevertretern neue Pläne vorgestellt werden.

Beelitz

Obwohl die Landesgartenschau in der Stadt Beelitz erst 2022 stattfindet, können die Bürger schon dieses Jahr bei der Gestaltung mitreden: Um die Beelitzer sowie Unternehmen und Vereine mit ihren Ideen einzubinden, soll am 18. Februar im Ratssaal der Stadt um 18 Uhr eine Interessengemeinschaft gegründet werden. Auch Infos zur Mitwirkung wird es geben: Denn die Bürger sollen auf der Gartenschau eine eigene Fläche bekommen, die sie gestalten können. Wie berichtet sollen sich zudem die Ortsteile sowie die umliegenden Kommunen beteiligen und jeweils eigene Konzepte einbringen.

Die Beelitzer dürfen eine Laga-Fläche gestalten. 
Die Beelitzer dürfen eine Laga-Fläche gestalten. Foto: Plancontext

Ein weiteres größeres Projekt, das 2020 in Angriff genommen werden soll, ist eine grundhafte Sanierung der kommunalen Kita Kinderland. Die größte Kita-Einrichtung der Stadt wurde 1983 errichtet. Über die Pläne werden die Stadtverordneten in diesem Jahr entscheiden. Das Ärztehaus in der Trebbiner Straße, das bereits modernisiert und erweitert wurde, soll außerdem einen zweiten Anbau und damit mehr Platz für die Ärzte erhalten.

Neuerungen sind auch in den Beelitzer Heilstätten geplant: So wird die Chirurgie der ehemaligen Lungenanstalt derzeit saniert. Auch die Dächer und Fassaden des Küchenhauses, des Waschhauses und der früheren Frauenklinik sollen erneuert werden. Und der Baumkronenpfad soll bis voraussichtlich zu den Sommerferien erweitert werden. 

Michendorf

Was lange währt, wird endlich gut – das könnte das Jahresmotto für Michendorf werden. Denn gleich mehrere, seit Jahren in der Pipeline steckende Projekte werden fertig oder zumindest angestoßen. Tausende von Pendlern können ab voraussichtlich Juli aufatmen, denn dann ist nach mehr als vierjähriger Bauzeit die A 10 von sechs auf acht Spuren erweitert. Auch nimmt die Entwicklung von Michendorfs neuer Mitte deutliche Formen an. Die Energie Mark Brandenburg könnte bereits Ende des Jahres ihren Hauptsitz von Potsdam auf das ehemalige Teltomatgelände verlegen. Auch der Bau des neuen Rathauses wird angeschoben. Entschieden werden muss noch, ob Michendorf das Haus selber bauen, fertig kaufen oder mieten will.

Der Bahnhof soll fertig saniert werden. 
Der Bahnhof soll fertig saniert werden. Foto: Andreas Klaer

Endlich fertig saniert wird auch der Michendorfer Bahnhof, so soll jedenfalls das Verkaufshäuschen nach historischem Vorbild noch 2020 stehen. Das sagte der Bahnhofseigentümer Thomas Drechsel auf PNN-Nachfrage. Dann gibt es am Michendorfer Bahnhof nicht nur Fahrkarten, sondern auch Zeitungen und Reiseproviant zu kaufen. Und, man mag es kaum glauben, aber die Chancen stehen laut Bahnsprecher Gisbert Gahler gut, dass der Wilhelmshorster Bahnhof barrierefrei umgebaut wird. Über die Pläne, unter anderem zwei Aufzüge, wird seit 2016 diskutiert. Mit die größte Investition 2020 ist der acht Millionen Euro teure Ausbau der Michendorfer Schule.

Schwielowsee

Der Bau der Busspur an der B1 soll 2020 beginnen.
Der Bau der Busspur an der B1 soll 2020 beginnen.Foto: Ottmar Winter

Ein wichtiges Thema in Schwielowsee sind und bleiben auch 2020 die Schulen der Gemeinde. In den Osterferien soll der Neubau mit sechs neuen Klassenzimmern und einer Mensa für bis zu 300 Schüler an Geltows Grundschule bezogen werden können. Danach soll die Sanierung des Altbaus erfolgen. Wie berichtet hatte Starkregen im vergangenen Sommer für erhebliche Bauverzögerung gesorgt.

Anfang des Jahres steht zudem eine Grundsatzentscheidung zum Ausbau der Caputher Grundschule an. Seit längerem wird dort über einen Neubau diskutiert. Doch das Wie muss noch entschieden werden. Denn es stehen drei Varianten zur Auswahl: die Aufstockung eines Hauses der Schule mit Neubau einer Mensa, der Neubau eines Hauses auf dem Campus an der Friedrich-Ebert-Straße oder ein komplett neuer Campus an der Michendorfer Chaussee. Wie Bürgermeisterin Kerstin Hoppe (CDU) mitteilte, werde man nun in den politischen Meinungsbildungsprozess eintreten und im Rahmen des Haushaltsbeschlusses 2020 Ergebnisse formulieren. Das soll noch im ersten Quartal dieses Jahres geschehen.

Zudem soll voraussichtlich endlich der Bau der Busspur zwischen Geltow und Potsdam in diesem Jahr beginnen. Zwischen der Gaststätte Bayrisches Haus und dem Potsdamer Ortseingangsschild soll entlang der B 1 dann eine 300 Meter lange Spur für den öffentlichen Nahverkehr entstehen.