Potsdam-Mittelmark : Kleinmachnower Widerstand

Lesung über DDR-Schauprozess gegen „Saboteure“

Kleinmachnow - In einer szenischen Lesung soll in Kleinmachnow am 3. November an einen brisanten historischen Vorgang erinnert werden: Im Herbst 1952 hatten rund 2000 Kleinmachnower Bürger gegen die Schließung des Grenzüberganges Bahnhof Düppel protestiert. Kleinmachnow verfügte seit den 1930er Jahren über günstige Verkehrsanbindungen vor allem nach Berlin West und Ost. Diese Bahnverbindung hatte es ermöglicht, in 20 Minuten im Zentrum Berlins zu sein. 65 Prozent der Kleinmachnower Bevölkerung arbeitete dort. Die direkte Anbindung an Westberlin, der hohe Anteil an Privatfirmen und die Tatsache, dass es trotz ansässiger Parteihochschule in Kleinmachnow nur 200 SED-Mitglieder gab, machten den Ort in den Augen der Parteioberen suspekt.

So kommt die Sitzung des Gemeinderats am 30. Oktober 1952 in den Kammerspielen gerade recht, um das „reaktionäre Nest“ auszuheben. Die Entwicklung vom Herbst 1952 bis zum Prozess im Februar 1953, bei dem neun Kleinmachnower „Saboteure“ zu hohen Zuchthausstrafen verurteilt werden, wurde in einer szenischen Lesung aufbereitet. Auf Grundlage der Forschungsergebnisse einer FU-Masterarbeit von Kathrin Heilmann (Forschungsverbund SED-Staat) nähern sich Günter Barton, Judith Brandt, Inga Kammerer, Kerstin Reimann, Jürgen F. Schmid und Sebastian Smulders schauspielerisch den Ereignissen. Die Veranstaltung findet am 3. November um 19.30 Uhr im Bürgersaal statt, anstelle eines Eintritts wird um eine Spende für Amnesty International gebeten. PNN

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