Kleinmachnow : Harald Kretzschmar trägt sich ins Goldene Buch ein

Karikaturist und Autor Harald Kretzschmar trägt sich heute in das Goldene Buch der Gemeinde ein.

Harald Kretzschmar verlangt nicht nur von seinen Portraitierten einen gewissen selbstironischen Blick auf seine Zeichnungen.
Harald Kretzschmar verlangt nicht nur von seinen Portraitierten einen gewissen selbstironischen Blick auf seine Zeichnungen.Zeichnung: Harald Kretzschmar

Kleinmachnow - Seitenweise Köpfe. Sie sind wohl kaum zu zählen und es entstehen immer mehr. Somit kommen sogar stapelweise Köpfe zustande. Der Kleinmachnower Karikaturist, Zeichner und Autor Harald Kretzschmar hat, wo er geht und steht, immer einen kleinen Zeichenblock sowie Stifte bei der Hand, um Begegnungen mit Zeitgenossen mit einem von ihm gezeichneten Kopf zu krönen. Kleinmachnow ehrt am heutigen Donnerstag den bedeutenden Karikaturisten, Zeichner und Autoren, den kritischen Liebhaber des Ortes mit dem Eintrag in das Goldene Buch der Gemeinde.

Ein scharfer Blick Kretzschmars auf den Auserwählten, und schon beginnen Geist und Bleistift kräftig zu arbeiten. Mit Prägnanz und obendrein Leichtigkeit ist der jeweilige charakteristische Ausdruck des Porträtierten erfasst, von denen manchmal beim anschließenden Betrachten auch ein Stück Humor verlangt wird. Ja, die Kunst hat verschiedene Gesichter. Kretzschmars Zeichnungen geben davon auf unnachahmliche Weise Zeugnis. Der Kleinmachnower Künstler, der seinen 88. Geburtstag in diesem Jahr feierte, hält mit seinen Zeichnungen und Karikaturen, heute oftmals auch Cartoons genannt, diese Kunst auf seine Weise lebendig.

Veröffentlichungen im Neuen Deutschland oder im Eulenspiegel

Schon zu DDR-Zeiten gehörte Harald Kretzschmar zu der damals großen Riege von Karikaturisten, die sich international durchsetzten. Das Neue Deutschland oder der Eulenspiegel veröffentlichten regelmäßig seine satirischen Zeichnungen und Porträts. Auch nach der politischen Wende hat er mit Karikaturen seinen Zeitgenossen, den Großen und den Kleinen, einen Spiegel täglicher Wirklichkeit vorgehalten und ihnen nicht immer das gezeigt, was sie sehen wollten.

Der in Berlin Geborene, in Dresden Aufgewachsene, an der Leipziger Kunsthochschule Studierende hat schon als Schüler begonnen, sich mit Porträts zu beschäftigen. Dresdens reiche Kulturszene würdigte Harald Kretzschmar zu DDR-Zeiten mit einer Vielzahl von Zeichnungen, bei denen er vor allem Prominente auf das Blatt bannte. Einen großen Teil der Dresdner Köpfe hat er 2013 der Städtischen Galerie Dresden geschenkt.

Erinnerungen an Kleinmachnower Persönlichkeiten

Doch Kretzschmar wäre nicht Kretzschmar, wenn er sich nicht seinem Wohnort Kleinmachnow, in dem er seit mehr als 60 Jahren lebt, umgesehen hätte. Künstler und Wissenschaftler, die in großer Dichte in Kleinmachnow für lange oder kurze Zeit lebten und dem Ort eine Prägung gaben, hat er gezeichnet und Biografisches über sie ausfindig gemacht und aufgeschrieben. An so manche Berühmtheiten, die vor allem im 20. Jahrhundert Geschichte schrieben, erinnert Kretzschmar, so an das Schriftstellerehepaar Christa und Gerhard Wolf, die Schauspielerin Hildegard Knef oder den Verleger Walter Janka.

Andere hat er vor dem Vergessen bewahrt, so den Wissenschaftler Hermann Klare, den Maler Gerhard Geidel oder den Kantor Georg Jann. In drei Büchern ist er Lebensschicksalen von Menschen in Kleinmachnow und auch der Umgebung nachgegangen. Immer näherte er sich ihnen mit großem Respekt, auch wenn die Künstler nicht in seine Lebens- und zu seiner Weltanschauung passen. Harald Kretzschmar hat ihnen mit seiner Zeichen- und Erzählkunst ein Denkmal gesetzt. Drei Bücher sind entstanden: „Paradies der Begegnungen“, „Treff der Originale“ und „Stets erlebe ich das Falsche. Der ultimative Künstlerreport“. Klaus Büstrin