Kleinmachnow : Alter Gutshof soll ein neuer Park werden

Der ehemalige Gutshof im Alten Dorf in Kleinmachnow soll zu einem Park ausgebaut werden. Der zuständige Berliner Landschaftsplaner hat dafür magische Pläne.

Nur das Medusentor steht heute noch auf dem Ensemble.
Nur das Medusentor steht heute noch auf dem Ensemble.Foto: Manfred Thomas

Kleinmachnow - Es ist ein verwunschener und vergessener Ort: Der ehemalige Gutshof in Kleinmachnow – bisher eine grüne Wiese im Alten Dorf – soll zu einem Park ausgebaut werden. Erste Entwürfe wurden vom Gemeindeparlament bereits befürwortet, im kommenden Jahr geht es an die Planung. Der Park soll im Frühjahr 2020, zum 100-jährigen Bestehen Kleinmachnows, fertig sein.

Auf Spurensuche im Alten Dorf

Der Berliner Landschaftsplaner Anselm Bohley läuft durch das raschelnde Laub vor dem Medusentor, dem historischen Eingang des Ensembles. „Außer dem Tor ist von dem alten Bestand nichts mehr übrig geblieben“, so Bohley.

Der Berliner Landschaftsplaner Anselm Bohley hat magische Pläne für den neuen Park.
Der Berliner Landschaftsplaner Anselm Bohley hat magische Pläne für den neuen Park.Eva Schmid

Über mehrere Monate ist er in das Alte Dorf gekommen, ist auf Spurensuche gegangen – entstanden ist ein Konzept für einen Zaubergarten, so der Arbeitstitel für den neuen Park. Einen Ort, „in dem das Wilde und Verwunschene erlebbar gemacht werden soll“, erklärt Bohley. Der Wunsch der Gemeinde sei gewesen, die alten historischen Beziehungen wiederherzustellen, so der Landschaftsplaner.

Viel Leben auf engem Raum

In dem ehemaligen Gutshof muss es Anfang des 15. Jahrhunderts rege zugegangen sein. Entlang des heutigen Zehlendorfer Damms waren die Stallungen. Gegenüber des Medusentors war das einstige Gutshaus, das man in Kleinmachnow Waldschlösschen nennt. Am Eingang des Ensembles die Dorfkirche. Viel Leben auf relativ engem Raum.

Der alte Kleinmachnower Dorfkern war schon vor 2500 Jahren besiedelt, schätzen Archäologen. Eines der wenigen Fotos des Ritterguts stammt von 1900.
Der alte Kleinmachnower Dorfkern war schon vor 2500 Jahren besiedelt, schätzen Archäologen. Eines der wenigen Fotos des Ritterguts...Foto: promo

Der Mann mit den grauen Locken zeigt auf Fundamentreste in dem Wäldchen gegenüber dem Medusentor. Es sind die Stufen und das alte Gemäuer des einstigen Waldschlösschens. „Der alte historische Ortskern ist völlig ins Abseits gerückt“, stellt Bohley fest. Das sei auch der Grund gewesen, warum Kleinmachnow mehr aus der Freifläche nahe der Bäkewiese machen wollte.

Auch alte Pflastersteine sollen wieder zum Vorschein kommen

Der Landschaftsplaner will nicht nur ein historisches Wegekreuz auf dem Gelände wieder freilegen, sondern auch alte Pflastersteine, die unter der Grasschicht liegen, sichtbar machen. Dort, wo sich die zwei alten Wege auf dem Gutshof kreuzen, plant Bohley einen großen Kreis aus Holzbänken aufzustellen, in dessen Mitte soll „ein historisches Fenster“ den Blick auf die alten Steine freigeben.

Weitere Sitz- und Liegemöglichkeiten aus Holz soll es unter den alten Linden geben, dahinter zur Bäkewiese hin ein groß angelegtes Wildstaudenbeet. In dem Wäldchen mit den Fundamenten soll ein Zitatepfad entstehen, auf dem gesamten Areal Stehlen für Skulpturen. Kleinmachnower Künstler und Autoren sollen dort verewigt werden, wechselnde Ausstellungen seien möglich. In dem Park, erklärt Bohley, könnten im Sommer Konzerte oder Freilichtkino stattfinden.

Aussichtsplattform geplant

Besonders magisch soll es in dem Wäldchen zugehen, heute verwehrt ein Zaun den Zutritt. Dort plant Bohley neben den Zitaten auch eine kleine Aussichtsplattform, die den Blick auf die Bäkewiese freigibt. Zurückgezogen, mitten in der Natur und dennoch ein Treffpunkt, so beschreibt Bohley den Ort. Die Plattform ist nichts weiter als eine einfache, nicht sehr hohe Stahlkonstruktion.

Bohley rechnet mit Kosten von 300 000 Euro. Die Gemeinde will laut Beschluss sogar 360 000 Euro investieren. Unterstützt wurde Kleinmachnow bei der Vorplanung von der Krull-Stiftung, einer Stiftung, die Künstler und unter anderem auch Gartenbaukunst fördert. Deren Vorsitzender, Hans-Georg Schüler, wohnt in Kleinmachnow und hat sich zur rechten Zeit in die politische Diskussion eingemischt.

Denn eigentlich war geplant, dass die evangelische Kirche im Rahmen ihres Neubaus im Alten Dorf das Areal aus dem Dornröschenschlaf erweckt und mehr daraus macht. Doch der Vorschlag, die alten Wege freizulegen, war dem Kleinmachnower Gemeindeparlament zu wenig. Schüler mischte sich ein und förderte über die Stiftung den Landschaftsarchitekten Bohley, der der Gemeinde seine Ideen vorlegte.

Kritik: Spielgeräte für Kinder fehlten

Die Vorplanung Bohleys kam bei der Mehrheit der Gemeindevertreter gut an. Kritisiert wurde, dass bisher keine Spielgeräte für Kinder geplant sind, auch ein Zaun, um das Areal vor Wildschweinen zu schützen, sei von Bohley nicht eingeplant gewesen. Der Gemeinderat stimmte dem Projekt zu – unter der Bedingung, dass auf dem Zitatepfad nur Zitate von Menschen aus Kleinmachnow stehen, die Linden nicht mit Leuchtern nachts angestrahlt werden sollen – das würde die Tiere auf der Bäkewiese stören. Und dann war da noch eine Kleinigkeit: Der Name Zaubergarten soll Arbeitstitel bleiben, zu viel Märchen will man nicht.