Potsdam-Mittelmark : Kleine feine Berühmtheit

Günter Duwe hat ein Buch über das Teltower Rübchen veröffentlicht

Dirk Becker

Teltow - Die Liebe geht bekanntlich durch den Magen. Und was das betrifft, schlägt Günter Duwes Herz am höchsten, wenn die Rede auf das Teltower Rübchen kommt. Seiner großen kulinarischen Liebe hat der 79-Jährige, der seit 1954 in Teltow lebt, nun ein Büchlein gewidmet, in dem er auf knapp 80 Seiten ein Loblied auf das „pikante Wurzelgemüse“ anstimmt.

Im Teltower Stadt-Blatt Verlag erschienen, will „Das Teltower Rübchen“ nicht wenig. In einer „Mischung aus kompetenter Sachlichkeit und kurzweiliger Plauderei“, wie es im Vorwort heißt, soll das Buch Ursprung, Anbau und Ernte, Historie, Ernährung und vielseitige Rezepte präsentieren. Also alles, was des Rübchen-Liebhaberherz begehrt.

Duwe belässt es in dem magazinähnlichem Buch nicht bei einfacher Rübenbeschreibung. „Was macht eine Rübe aus? Welche Merkmale sind ihr eigen? Die Antwort ist mehrschichtig“, heißt es auf Seite 8. Philosophische Dimensionen künden sich hier an. Und die Antworten lassen an Tiefe nichts vermissen: „Die Teltower Rüben werden Rübchen genannt, weil sie sehr klein sind.“ Andere Antworten sind gar salomonisch: „Doch das alles hilft uns längst nicht entscheidend weiter. Denn weder die Bezeichnung Rübe noch die Ähnlichkeit in der Gestalt lassen Schlussfolgerungen auf eine bestimmte Pflanzenfamilie, geschweige denn auf eine enge botanische Verwandtschaft zu.“ Doch auch wenn das „wohlschmeckende Edelgemüse“ eher klein ist und in mancher Hinsicht voller Rätsel, Duwe weiß viel zu berichten.

Ob es die vier wichtigsten Merkmale der Rübe sind: die schlanke Kegelform, die erhabene „manchmal wulstig ausgeprägte“ Querstreifung, die zahlreichen Nebenwurzeln und „eine grau- bis braunstichig weiße (nie gelbe) Farbgebung“. Ob es ein Exkurs über den lateinischen Namen Brassica rapa oder „der gute Ruf der Rüben aus Teltow seit der Zeit des Großen Kurfürsten“ ist, ob es das Märchen vom Rübenwichtel oder wichtige Hinweise zum Anbau und der Lagerung sind, Günter Duwe hat einiges über seine kulinarische Liebe zusammengestellt.

Das Büchlein strotzt vor Anekdoten, gibt sich detailversessen und fordert die ganze Konzentration des Lesers. Aber der Rübchenfreund, -verehrer oder gar -liebhaber wird seine Freude an dem kleinen Buch haben. Denn nach all den Informationen hält Duwe ein paar Rezepte bereit, darunter auch das der „Teltower Rübchentorte“. Wem das noch nicht reicht, für den hat Duwe noch ein musikalisches Schmankerl parat: Das Rübchenlied. Zwei Strophen lang kann dann vor dem Essen vom Notenblatt gesungen werden: „Wir sind die kleinen Rübchen aus Teltow in der Mark und wenn wir gut geraten, dann sind wir fein und zart.“

Ein Vorschlag zur Güte: Für die nächste Auflage von „Das Teltower Rübchen“ wünschen wir uns dann noch eine kleine CD, auf dem das Rübchenlied eingesungen zu hören ist, denn nicht jeder kann heute noch Noten lesen. Günter Duwe wird das Vorhaben hoffentlich unterstützen. Schließlich ist er nicht nur der Rübchenkenner par excellence sondern seit dem Jahr 2000 auch von adligem Blut. Damals wurde Günter Duwe zum Rübchenkönig Günter I. gekrönt. Soviel Kompetenz war nie. Dirk Becker

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