Kita-Neubau in Stahnsdorf : Anwohner befürchten Verkehrschaos

Die Gemeinde Stahnsdorf will für 5,7 Millionen Euro eine Kita für 150 Kinder bauen. Anwohner protestieren. Sie halten das geplante Gebäude für viel zu groß.

Marius Swoboda, Wieland Weiß, Martin Reiss (v.l), Anwohner der geplanten Kita in Stahnsdorf
Marius Swoboda, Wieland Weiß, Martin Reiss (v.l), Anwohner der geplanten Kita in StahnsdorfFoto: Christoph Kluge

Stahnsdorf - Etwas argwöhnisch schaut Martin Reiss zu den Landvermessern herüber, die ihre Messgeräte in seiner Straße aufgestellt haben. Gegenüber seines Eigenheims im Dahlienweg in Stahnsdorf möchte die Gemeinde eine zweistöckige Kindertagesstätte für 150 Kinder errichten. Die Vermesser arbeiten im Auftrag des Planungsbüros Kagel, das mit der Umsetzung betraut ist. Der Rechtsanwalt Reiss hält nicht viel von all dem. 

“Ich habe nichts gegen eine Kita”, betont er. Die werde gebraucht, doch so eine große Einrichtung am Rand des Ortes werde ein Verkehrschaos verursachen. “Es gibt laut Planung zu wenig Parkplätze und auch keine Wendeschleife für Eltern, die ihre Kinder abliefern.” Auch Nachbar Wieland Weiß befürchtet: “Jeden Morgen werden hier SUV die Straße verstopfen.” 

Der einspurige Dahlienweg ist bislang nicht einmal asphaltiert, bei Regen verwandelt er sich in eine Matschpiste. Die Zufahrtsstraße Rosenweg hat zwar immerhin einen festen Straßenbelag, aber auch dort gibt es weder Fuß- noch Radwege.  

"Offensichtliche Fehlplanung"

Martin Reiss sagt: “Die Straßensituation wird für die Kitakinder hochgefährlich.” Aufgrund der “offensichtlichen Fehlplanung” bestehe ein Haftungsrisiko für die Gemeinde, sollte es zu Unfällen kommen, so der Anwalt. Der Ingenieur Marius Swoboda, der ebenfalls im Dahlienweg wohnt, stört sich unterdessen vor allem daran, dass die Anlieger nicht ausreichend informiert worden seien.  

Das Grundstück, auf dem die Kita entstehen soll, gehört der Stadt. Es liegt unmittelbar an einer großen Freifläche, die früher landwirtschaftlich genutzt wurde. Jetzt gehen dort Anwohner mit ihren Hunden spazieren. Eigentümer dieser großen Fläche ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima). Laut Bebauungsplan sollen dort Eigenheime entstehen. Die Planungen waren von Anwohnern immer wieder kritisiert worden. Jahrelang bewegte sich nichts. 

Doch nun scheint es recht schnell zu gehen, zwar nicht für die Wohnanlage, aber in Sachen Kita-Neubau. Ende Juni beschloss die Gemeindevertretung, das Projekt “voranzutreiben”, einen Bauantrag einzureichen und Haushaltsmittel bereitzustellen. Aus dem Beschluss geht hervor, dass Stahnsdorf deutlich mehr Geld dafür ausgegeben wird, als bislang veranschlagt war. 

1,9 Millionen Euro Mehrkosten

Der Gemeindevertreterrat beschloss eine zusätzliche Ausgabe von insgesamt 1,9 Millionen Euro. Die Gesamtkosten werden sich demnach auf 5,7 Millionen Euro belaufen. Ursache für die Mehrkosten ist demnach, dass statt eines eingeschossigen Baus nun ein zweigeschossiger entsteht. Die Gesamtfläche vergrößert sich um 403 Quadratmeter gegenüber früheren Planungen. So soll die Kita Inklusion ermöglichen, die laut Beschlussvorlage bislang “in sämtlichen Einrichtungen in der Gemeinde noch keine Berücksichtigung erfährt”. 

Bürgermeister Bernd Albers (Bürger für Bürger) sagt: “Kitas zu bauen ist eine Pflichtaufgabe der Gemeinde.” Schließlich hätten Eltern einen gesetzlich geregelten Rechtsanspruch auf Betreuungsplätze. Das sei auch “eine gute Sache”, die auf Bundesebene beschlossen wurde. “Schön wäre gewesen, wenn die Bundesregierung den Kommunen auch das Geld für die Umsetzung gegeben hätte”, fügt er hinzu. Doch in der aktuellen Lage sei die Gemeinde gezwungen, einen Kredit über die gesamte Summe aufzunehmen. 

“Ursprünglich haben wir eingeschossig bauen wollen”, räumt Albers ein. Der Platz habe dann jedoch nicht gereicht. Allerdings erlaube der Bebauungsplan schon seit 2008 einen zweigeschossigen Bau. Außerdem hätten alle Häuser in der Wohngegend zwei Geschosse, auch die der Anwohner, die sich beschweren. Was das befürchtete Verkehrschaos angeht, wiegelt der Bürgermeister ab: Im Rahmen des Baugenehmigungsverfahrens habe die Baubehörde geprüft, ob die Erschließung gesichert sei. Die Zufahrtswege seien ausreichend, sagt er. 

Befestigte Straße erst nach der Bauzeit

Während der Bauzeit soll der Baustellenverkehr aus südlicher Richtung vom Gladiolenweg über eine provisorische Straße an die Baustelle herangeführt werden. Albers vermutet aber, dass ein Teil der schweren Fahrzeuge auch über den Dahlienweg fahren wird. Deshalb könne die Straße erst nach Abschluss der Bauarbeiten asphaltiert werden. Das sei auch im Sinne der Anwohner, argumentiert der Politiker, denn schließlich müssen die laut Baugesetz die Erschließung selbst zahlen. Da könnten sie doch nicht wollen, dass die neue Straße von Baufahrzeugen gleich wieder kaputt gefahren werde. 

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Um die Belastung durch Verkehr im Wohngebiet langfristig zu verringern, verspricht Albers ein neues Verkehrskonzept. Das werde von einem renommierten Verkehrsplaner ausgearbeitet. Doch wann das Realität könnte, weiß Albers noch nicht. 

Obwohl es auch bis zur Errichtung des neuen Wohnareals wohl noch eine Weile dauern wird, gibt es dort bereits Bewohner. Auf dem ehemaligen Feld leben offenbar geschützte Eidechsen. Artenschutz führt häufig zu Verzögerungen bei Bauvorhaben, weil die Tiere umgesetzt werden müssen. Doch der Bürgermeister betont, dass die Eidechsen neben dem Kita-Grundstück gefunden wurden. Ein dort errichteter Plastikzaun soll sie nun davon abhalten, auf das Baufeld zu gelangen.

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