Keine Corona-Hilfen : Vogelpark Teltow steht erneut vor Konkurs

Trotz Spenden steht der Vogelpark Teltow vor dem Aus. Nicht nur die Tiere fressen Inhaber Lothar Lübeck die Haare vom Kopf, Corona-Hilfen bekommt er auch keine.

Kleiner Soldatenara im Vogelpark und Streichelzoo Teltow.
Kleiner Soldatenara im Vogelpark und Streichelzoo Teltow.Foto: Andreas Klaer

Teltow - Rudi hat schon bessere Tage gesehen. Der asiatische Damhirsch ist mit seinen 20 Jahren bereits ein Greis, unter dem Winterfell sind spitze Knochen erkennbar. Doch Rudi hält sich wacker auf den Beinen und meldet sich ab und an lautstark. 

Er ist der letzte seiner Art im Vogelpark und Streichelzoo Teltow. Vom Betreiber Lothar Lübeck erhält er sein Gnadenbrot. Doch damit könnte es bald vorbei sein. Wegen des Lockdowns steht der Betrieb vor dem Ruin, Corona-Hilfen bekommt er nicht. 

“Für die Zwergziegen ist es am schlimmsten”, sagt Lübeck. Sie würden die Besucher vermissen und sich langweilen. Auch an den Alpakas im Nachbargehege scheint der Corona-Blues nicht spurlos vorüberzugehen.

Vor allem Heu ist teuer

Lothar Lübeck fragt sich unterdessen, womit er die Tiere füttern soll. Insgesamt 8000 Euro müsse er im Monat ausgeben, sagt er. In der derzeitigen Lage würden die Reserven spätestens im Februar aufgebraucht sein. 

Das liegt nicht nur an Corona, sondern auch an hohen Preisen. Vor allem Heu ist teuer, aufgrund der seit Jahren anhaltenden Trockenheit in Brandenburg. Manche Landwirte würden für einen Ballen Heu inzwischen 75 Euro verlangen, klagt Lübeck. Früher seien es 20 Euro gewesen, vor der Verknappung des Angebots.

Bei Kindern sind die vielen Bobby-Cars im Vogelpark ebenso beliebt wie die Ponys. 
Bei Kindern sind die vielen Bobby-Cars im Vogelpark ebenso beliebt wie die Ponys. Foto: Andreas Klaer

Über 200 Tiere leben im Teltower Streichelzoo, sie gehören zu sehr unterschiedlichen Tierarten. Daher muss der Betreiber eine breite Palette an Futter bereitstellen: von verschiedenen Gemüsesorten über Körner bis zu Brot und anderen Backwaren. Das meiste davon kaufe er im Metro-Großmarkt ein, sagt Lübeck. Weil die Teltower von seiner Notlage wüssten, würden manche auch Futter spenden. Hilfreicher seien jedoch Geldspenden. Im letzten Jahr gab es mehrere aufsehenerregende Benefizaktionen. Der Ex-Fußballprofi Maik Franz sammelte Geld und rührte die Werbetrommel für die Einrichtung, Lokalpolitiker verzichteten auf ihre Sitzungsgelder und gaben sie als Spenden weiter.

Vogelpark und Streichelzoo Teltow. Alpaka.
Vogelpark und Streichelzoo Teltow. Alpaka.Foto: Andreas Klaer

Doch nun steht der Betrieb schon wieder vor dem Aus, denn die Kosten sind einfach zu hoch. Die Tiere müssen fressen, auch im Lockdown. Die Novemberhilfe habe er nicht erhalten, obwohl er einen Antrag gestellt habe, sagt Rieger. Eigentlich sollen Betriebe, die aufgrund der Eindämmungsverordnung schließen müssen, pro Schließtag Zuschüsse in Höhe von 75 Prozent des durchschnittlichen Umsatzes im Vorjahr bekommen. Doch der Vogelpark Teltow fällt offenbar durch das Netz.

Keine Coronahilfen wegen Spenden 

Für Dezember hat Lübeck gar keinen Antrag auf Hilfen gestellt. Da hatte er großzügige Spenden bekommen. Als gewerblicher Unternehmer muss er die jedoch als Einnahmen verbuchen, daher hat er aus rein buchhalterischer Sicht keine Verluste gemacht. Lothar Lübeck kann das nicht verstehen. “Für die Spenden musste ich auch die volle Umsatzsteuer zahlen”, sagt er. Anderen kleinen Unternehmen in Teltow gehe es ebenfalls schlecht. “Einige haben schon zu gemacht und andere werden folgen.”

Berliner Zoos dürfen öffnen

Vor allem eines ärgert Lübeck: “Warum dürfen Zoo und Tierpark in Berlin öffnen, aber wir nicht?” Der gesamte Betrieb liege im Freien, mit einem Hygienekonzept und einer speziellen Wegeführung habe er bereits nach dem ersten Lockdown dafür gesorgt, Kontakte zu vermeiden. Er habe alles getan, was möglich gewesen sei. Wenn das nicht ausreiche, dann müsse es vom Land Brandenburg doch zumindest staatliche Hilfen geben. Der Unternehmer fühlt sich alleingelassen.

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Nur eine Einnahmequelle wirft noch bescheidene Gewinne ab: die Vogelzucht. Lübeck züchtet Papageien, Aras und anderes Federvieh zum Verkauf. Der Vertrieb laufe über einen größeren Tierhandel, mit dem er schon lange zusammenarbeite, sagt Lübeck. Er habe sich selbst davon überzeugt, dass die Tiere dort artgerecht untergebracht und verpflegt würden. Doch die Erlöse aus der Zucht allein reichten bei Weitem nicht aus, um die Kosten zu decken.

Streichelzoo ist Familienbetrieb

Eigentlich wollte Lother Lübeck gar nicht Direktor des Streichelzoos werden, den sein Vater aufgebaut hat. Doch 2009 kam der Vater bei einem Unfall ums Leben. Lothar Lübeck lebte zu dieser Zeit in Schweden, wo er als Fahrzeugmechaniker arbeitete. Der Schicksalsschlag stellte sein Leben auf den Kopf. Er übernahm die Verantwortung für die Tiere gemeinsam mit seiner Ehefrau. Auch die Tochter stieg mit ein, dachte sogar darüber nach, den Betrieb eines Tages zu übernehmen. Doch im Moment sieht es düster aus. Er habe seiner Tochter geraten, eine feste Stelle in einer anderen Branche anzunehmen, sagt Lübeck. Die Zukunft sei zu ungewiss. 


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