Potsdam-Mittelmark : Jugendliche spielen Parlament

65 Schüler beteiligten sich an einer besonderen Kreistagssitzung. Geleitet wurde sie von Werner Große

Andreas Koska
Politisch interessiert. Schülerin Selma Fichtner mit Werner Große.
Politisch interessiert. Schülerin Selma Fichtner mit Werner Große.Foto: Koska

Bad Belzig - Sie heißen Die Krasse Partei (DKP), Deutsche Gesellschaftliche Partei, Schülerpartei oder Jugendpartei: Die Parteien, die 65 Schüler der Krause- Tschetschog-Oberschule aus Bad Belzig zum „Planspiel Kommunalpolitik“ erdacht haben. Am gestrigen Dienstag traten die Zehntklässler zu ihrer gespielten Kreistagssitzung zusammen.

Für den ehemaligen Werderaner Bürgermeister Werner Große (CDU) war es eine Premiere, durfte er doch seine erste Sitzung als neu gewählter Kreistagschef leiten. „Wurde ordentlich geladen?“, „Gibt es Anträge zur Tagesordnung?“, spulte Große voller Ernst die Formalitäten ab. Als niemand widersprach, ging er zur Tagesordnung über. Wirtschaftsförderer Martin Rätz erklärte den Jugendlichen dabei unter anderem die Probleme bei der Breitbandversorgung in ländlichen Regionen, belegte mit Zahlen die schon geleistete Arbeit und verwies auf weitere Programme. Das kam bei den Schülern an. „Wir hatten durchaus Bedenken, dass wir nicht enst genommen werden“, sagte Selma Fichtner. Das sei nicht eingetroffen. Die 17-Jährige war überrascht, wie wenig formell es zur Sache gegangen wird. „Bei der Sitzung war gut zu merken, dass die Probleme direkt angesprochen werden“, so die Schülerin.

Die Fraktionen haben ihre Anfragen und Anträge gemeinsam vorbereitet und Argumentationshilfen entwickelt. Dabei forderten die Schüler bessere Busverbindungen, mehr Freizeitangebote und gute Internetverbindungen. Es wurden Argumente ausgetauscht, die eher auf die sachlichen Zwänge verwiesen und das Plakative und Populistische gänzlich vermissen ließen. Beifall kam überhaupt nicht auf. „Es ist doch sinnvoller, zu argumentieren, als durch Applaus Stimmung zu machen“, meinte Selma Fichtner. Einige Feinheiten der politischen Struktur haben sie und ihre Mitschüler jedoch nicht ganz verstanden, die Abgrenzung zwischen städtischen und kreislichen Aufgaben geriet deshalb durcheinander.

Die Idee, mit dem Planspiel Jugendlichen Politik näherzubringen, hatte Timo Hirte. Der Politiklehrer der Belziger Oberschule ist an die Friedrich-Ebert-Stiftung herangetreten, die das Planspiel organisiert. „Die Schüler waren begeistert, dass sie mit Abgeordneten in direkten Kontakt treten konnten“, so Hirte. Schulleiterin Cornelia Scholla verfolgte das gesamte Projekt mit Spannung. „Der gesamte Jahrgang hat mitgemacht“, so Scholla. Die Schüler wurden an insgesamt drei Tagen unter dem Motto „Ohne Jugend ist kein Staat zu machen“ in die Kommunalpolitik eingeführt. Nach der Theorie folgte der Kreistagsbesuch, dem schloss sich ein Workshop an, bei dem Anträge und Anfragen entworfen wurden.

Den Betreuern zufolge waren die Schüler dabei interessiert und lebhaft. „Ich bin politisch interessiert, gehe zur Wahl, allerdings will ich selbst nicht unbedingt politisch aktiv werden“, fasst Selma Fichtner ihre Erfahrungen zusammen. Ihre 15-jährige Mitschülerin Laura Gensch will hingegen nichts ausschließen. „Zwar kann ich mir heute nicht vorstellen, Politikerin zu werden, aber man weiß nie“, so Laura. Für beide ist der kommunalpolitische Alltag nun jedenfalls kein imaginäres Gebilde mehr. Andreas Koska