Jüdisches Landschulheim : Schwielowsee ehrt ehemaligen jüdischen Schüler

Einer der letzten Zeitzeugen, der 94-Jährige Tom Tugend, trägt sich in das Goldene Buch von Schwielowsee ein. 

Tom Tugend, der einst Thomas Tugendreich genannt wurde. 
Tom Tugend, der einst Thomas Tugendreich genannt wurde. Foto: PNN / Ottmar Winter

Caputh - Der vermutlich letzte noch lebende, einstige Schüler des Jüdischen Kinder- und Landschulheim Caputh, Tom Tugend, hat sich am Sonntag in das Goldene Buch der Gemeinde Schwielowsee eingetragen. Der 94-Jährige hieß damals Thomas Tugendreich und lebte und lernte von 1935 bis 1937 in der Einrichtung mit Blick auf den Schwielowsee - wie Hunderte andere Kinder aus jüdischen Familien. 

Viele in Berlin lebende jüdische Familien brachten ihre Kinder kurz vor der Flucht aus Nazi-Deutschland in dem Landschulheim am Schwielowsee unter, um sie dort in Sicherheit zu wahren. 

Eintrag ins Goldene Buch mit  Bürgermeisterin Hoppe und Tugend.
Eintrag ins Goldene Buch mit  Bürgermeisterin Hoppe und Tugend.Foto: PNN / Ottmar Winter

Die Zerstörung der Einrichtung und Vertreibung der Kinder durch gewalttätige, ortsansässige Nazis in der Nacht des 9. November 1938 erlebte er nicht mehr. Tugend hatte Glück, seiner Familie gelang in letzter Minute die Flucht in die USA. Aus den USA kam er jetzt zu einem Besuch nach Deutschland und machte auch in Caputh Halt. 

Hoppe: "Diese Geschichte bewegt uns nach wie vor"

Tugend überlebte die Nazis und nahm damals neben den schlechten Erinnerungen an zunehmende Verfolgung und Repressalien auch vieles Gutes aus Deutschland und vor allem seiner Zeit im Jüdischen Landschulheim mit. "Es waren die schönsten Jahre meiner Kindheit", sagt er am gestrigen Sonntag bei einem Besuch in Caputh zu Journalisten und auch zur Bürgermeisterin der Gemeinde. 

Kerstin Hoppe (CDU) hatte erst vor kurzem von dem Besuch erfahren und spontan ermöglicht, dass sich Tom Tugend in das Goldene Buch von Schwielowsee eintragen konnte.


"Diese Geschichte bewegt uns nach wie vor", sagte Hoppe. "Es ist unsere Aufgabe, uns damit auseinanderzusetzen und nicht aufzuhören, Fragen zu stellen. Das Interesse der Caputher ist da. Vor einem Jahr haben die Schüler des Gymnasiums zusammen mit dem Filmemacher Hans-Dieter Rutsch eine Ausstellung zum Kinderheim erarbeitet. Auch mich persönlich berührt das sehr."