Jagd auf Wildschweine in Stahnsdorf : Prämie für zornige Pächter

Stahnsdorf will erneut die Abschussprämie für Wildschweine modifizieren - das Geld soll künftig an die Pächter der Jagdgebiete gezahlt werden.

Foto: Felix Kästle/dpa

Stahnsdorf - Die Abschussprämie für junge Wildschweine soll in Stahnsdorf künftig nicht mehr an die Jäger, sondern wieder ausschließlich an die Pächter der Jagdgebiete ausgezahlt werden. Damit reagiert die Gemeinde auf die Kritik der Pächter, die sich gegen die Änderung der Auszahlungsmodalitäten richtete.

Die Gemeinde Stahnsdorf hatte die Prämie Ende 2016 eingeführt, nachdem die Wildschweine in der Region zum Problem geworden waren. Vor allem sollte ein Anreiz geschaffen werden, auch junge Tiere zu erlegen, um den Bestand zu dezimieren. Für einen zur Strecke gebrachten Schwarzkittel bis zu einem Lebendgewicht von 30 Kilogramm werden seitdem 35 Euro aus der Gemeindekasse gezahlt.

Nachdem zunächst die Pächter der Gebiete, in denen das Wildschwein geschossen worden war, das Geld erhielten, besserte die CDU-/FDP-Fraktion, die zuvor die Prämie eingefordert hatte, ihren Antrag nach. Die Fraktion warb dafür, den Jägern als den eigentlichen Adressaten der Prämie einen Anteil zukommen zu lassen. „Wir hatten uns damals in Jagdkreisen beraten lassen“, so Fraktionschef Wolfgang Brenneis. Die Prämie sollte die Jäger für ihren Aufwand entschädigen. Die Gemeindevertreter beschlossen, dass die Pächter an ihre Jäger mindestens 28 der 35 Euro Prämie weiterreichen müssen.

„In einem gesunden Revier würde kein Jagdpächter auf die Idee kommen, untergewichtige Frischlinge zu strecken“

Das wiederum erzürnte die Pächter. „In einem gesunden Revier würde kein Jagdpächter auf die Idee kommen, untergewichtige Frischlinge, die nicht vermarktet werden können, zu strecken“, erklärte etwa Peter Hemmerden, Jagdpächter der Pachtgemeinschaft Stahnsdorf-Kleinmachnow. Er habe die Prämie zunächst als Anreiz gesehen, dennoch diese Tiere zu schießen und nicht vermarktungsreif heranwachsen zu lassen. Die Jäger würden in den Jagdbezirken unentgeltlich jagen und im Auftrag der Pächter freigegebenes Wild zur Strecke bringen. Frischlinge unter 20 Kilogramm Gewicht würden ihnen regelmäßig geschenkt.

Auch Karl-Heinz Schreiber, Jagdpächter in Güterfelde, betonte in einem Schreiben an die Gemeinde, dass er als Pächter mit den Wildbreterlösen einen Teil des Pachtzinses und anderer Ausgaben kompensiere. Eine Motivationshilfe benötige er nicht. In seinem Jagdbezirk würde der Frischlingsanteil seit Jahren bei über 60 Prozent der Gesamtstrecke liegen. Auch seine sechs ortsansässigen Jäger zahlten nichts für die Jagd und würden auch nicht für Wildschäden haften. Da sie nicht das Recht hätten, sich das erlegte Wild anzueignen, entstünde ihnen selbst keine Erlösminderung, erklärte Schreiber. Der Pächter gab an, keine weitere Abschussprämie mehr beantragen zu wollen. Die Gemeinde solle das Geld besser für einen Fonds zur Regulierung von Wildschäden oder zur Aufklärung der Stahnsdorfer verwenden, meint er.

Meldungen über gesichtete Tiere als auch von Wildschäden im Ort zurückgegangen

Für das Jahr 2017 hatte die Gemeinde Stahnsdorf 5000 Euro zur Auszahlung der Abschussprämie in den Haushalt eingestellt. Bis zum Ende des vergangenen Jahres waren nach Angaben der Gemeindeverwaltung knapp die Hälfte davon für rund 70 geschossene Wildschweine mit einem Gewicht bis 30 Kilogramm ausbezahlt worden. Inwieweit die Schwarzwildpopulation zurückgegangen ist, ließe sich nach Gemeindeangaben jedoch erst nach dem Frischen im Frühjahr sagen. Es sei aber festgestellt worden, dass sowohl Meldungen über gesichtete Tiere als auch von Wildschäden im Ort zurückgegangen seien.

Landesweit hat die Abschussprämie zuletzt an Bedeutung gewonnen. Aus Angst vor einer Ausbreitung der afrikanischen Schweinepest soll in Brandenburg ab dem 1. April eine Prämie für geschossene Wildschweine gezahlt werden. Nach Angaben des Brandenburger Agrarministeriums gäbe es 50 Euro für jedes Tier, das über der Zahl der in der Jagdsaison 2015/16 gestreckten Schwarzkittel liege. Damals waren 71 400 Wildschweine geschossen worden. Das Land hatte angekündigt, entsprechende Vereinbarungen mit den Landkreisen und kreisfreien Städten treffen zu wollen. Noch lägen sie aber nicht vor. „Die Kreise warten noch auf ein Signal“, sagte der Sprecher des Landkreises Potsdam-Mittelmark, Kai-Uwe Schwinzert, den PNN. Näheres zum Verfahren und der Auszahlung dieser Prämie ließe sich daher derzeit noch nicht sagen.

Hintergrund: Linke für die Zulassung von Nachtzielgeräten

Die Kreistagsfraktion der Linke fordert in einem Antrag, rechtliche Möglichkeiten zu prüfen, um Nachtzielgeräte an Jagdwaffen zuzulassen. So könnten die Jäger die Wildschweine in der Dämmerung und am Abend bejagen. Derzeit sind solche Geräte an der Waffe verboten. Zudem soll die Verwaltung prüfen, wie wirksam Mittel zur Reduzierung der Fruchtbarkeit von Wildschweinen sind und ob sie überregional einsetzbar wären. Entsprechende Produkte seien im Handel erhältlich, ihre Sinnhaftigkeit und Kosten müssten aber überprüft werden. 

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