• Interview zur Jagd in Potsdam-Mittelmark: Wie gefährlich ist die neue Wildschwein-Munition?

Interview zur Jagd in Potsdam-Mittelmark : Wie gefährlich ist die neue Wildschwein-Munition?

Jagpächter Peter Hemmerden über die derzeitige Suche nach neuer Munition und dem Aus für die Pfeil- und Bogenjagd.

Am Pfingstwochenende lief eine ganze Rotte durch Kleinmachnow.
Am Pfingstwochenende lief eine ganze Rotte durch Kleinmachnow.Foto: Gregor Fischer/dpa
Zur Person

Peter Hemmerden (57) ist einer von zwei Jagdpächtern, die für das Revier Kleinmachnow-Stahnsdorf zuständig sind. Hemmerden hatte zuvor die Pfeil- und Bogenjagd angeregt.

Herr Hemmerden, was sagen Sie zu dem neuen Vorhaben, die Wildschweine mit spezieller Munition und Schalldämpfern zu jagen?
Die Idee finde ich gut. Ich schieße schon seit mehreren Jahren mit Schalldämpfern. Die von uns eingebrachte Pfeil- und Bogenjagd hatte das Ziel, das Risiko von Querschlägern auszuschließen. Jetzt ist die Bogenjagd vom Tisch, was ich schade finde. Wir müssen uns jetzt darauf konzentrieren, Munitionsarten zu finden, die für die Stadtjagd geeignet sind. Es ist eine neue Herausforderung. 

Was zeichnet eine solche Munition aus? Ist sie weniger gefährlich? 

Es ist eine völlig andere Jagdmethode, über die wir jetzt nachdenken müssen. Wir müssen die richtige Munition finden, die Querschläger verringert. Die Aufgabe einer solchen Munition ist, dass die gesamte Energie des Schusses im Wildkörper bleibt und es keine Ausschüsse gibt. Doch innerorts oder in der Nähe von Ortschaften zu schießen, bleibt immer mit Risiken verbunden. Letztendlich entscheidet der Schütze, ob er den Schuss verantworten kann. 

Das Ministerium will schon bald eine Lösung für die innerörtliche Jagd gefunden haben – ist das realistisch?
Ich denke schon. Ich treffe mich heute vor Ort mit dem Wildtierxperten Egbert Gleich vom Landeskompetenzzentrum Forst Brandenburg, der mir seine Unterstützung angeboten hat. Wir schauen uns die Verstecke der Tiere im Ort an. Auch wenn das Thema Bogenjagd nicht dazu geführt hat, dass wir die Sondergenehmigung bekommen haben, hat es doch eine gewisse Sensibilität bei allen Beteiligten erzeugt und uns enger zusammengebracht. Die Probleme wurden erkannt und analysiert – auch von Behördenseite. Dort ist man neuen Ideen und Methoden gegenüber grundsätzlich sehr aufgeschlossen. Das was wir tun, machen wir auch, weil wir große Sorgen haben, dass das Schwarzwild durch die Nähe zum Menschen sich mit der Afrikanischen Schweinepest anstecken kann.

Jagdpächter Peter Hemmerden
Jagdpächter Peter HemmerdenFoto: Tobias Reichelt

Wäre das so schlimm? Die Population würde sich natürlich verringern ...
Dass Wildbestände durch eine Seuche dahingerafft werden, ist für mich eine schreckliche Vorstellung. Wenn die Seuche ausbrechen würde, dann sterben die Tiere nicht sofort, sondern leiden noch eine ganze Weile. Als Jäger will ich einen gesunden Wildbestand hegen und freue mich über gesunde Tiere, aber eben nicht in der Ortslage. Das ist der Punkt, die Tiere sollen nicht auf Schulhöfen, Dorfplätzen, sondern im Wald sein. 

Wie kann man sich die Jagd mit Schusswaffen innerorts vorstellen? 
In der gesamt Ortslage wird man nie jagen können, weil es immer wieder Stellen gibt, an denen die Jagd zu gefährlich ist.

Aber werden Sie alleine oder mit anderen zusammen jagen und wann, nachts oder tagsüber? 
Über Jagdtaktiken, also wann wir rausgehen, mit wie vielen Leuten wir rausgehen und wir wir es letztendlich machen, werde ich keine Details mehr in die Öffentlichkeit tragen. Da bitte ich um Verständnis, aber das wird mir zum Nachteil gereicht. Ich muss damit rechnen, dass mir Menschen auflauern und mir Schwierigkeiten machen wollen. Ich mache das nicht aus Spaß oder Mordlust, sondern mache das als Prävention, weil ich massiv Sorge habe, dass sich die Sauen, die zum Teil schon handzahm sind, mit einer infizierten Salamischeibe oder einem weggeworfenen Schinkenbrot anstecken. 

Sind sie im Austausch mit Stadtjägern aus Berlin oder anderen Revieren?
Wir wollen revierübergreifend unsere Kommunikation verbessern. Die Jäger aus dem Revieren Teltow, Kleinmachnow-Stahnsdorf, Brandenburger und Berliner Forst haben sich getroffen und Kontakte ausgetauscht. Ab Herbst werden wir revierübergreifend jagen, damit ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass das Schwarzwild wirkungsvoller bejagt und reduziert werden kann. 

Kann man mit der neuen Munition genauso gut Strecke machen wie mit Pfeil und Bogen?
Das kann ich noch nicht sagen, weil ich es noch nicht ausprobiert habe. Ich kenne diese Munitionsarten noch nicht und weiß noch nicht, wie das Wild darauf in Verbindung mit Schalldämpfern reagiert. Es wird definitiv nicht so leise sein wie die Jagd mit dem Bogen.