INTERVIEW : „Wir haben einen wunderschönen See, aber auch einen Patienten“

Foto: Enrico Bellin

Herr Plücken, Sie sind Vorsitzender des Vereins Caputher See e.V. Was sind die Ziele des Vereins?

Unser erstes Ziel, den See in kommunale Hand zu bekommen, haben wir jetzt nach jahrelangem Kampf gemeinsam mit der Gemeinde erreicht. Jetzt müssen wir uns um die Verbesserung der Wasserqualität kümmern. Wir haben einen wunderschönen See übernommen, aber auch einen Patienten.

Worin liegt das Problem beim Caputher See?

Wir haben Sichttiefen von zum Teil unter einem Meter, eigentlich müsste man in einen See dieser Art zwei Meter tief schauen können. Allerdings gibt es im See zu viele Nährstoffe. Dadurch haben wir ganzjährig eine Algenblüte, die für die schlechte Sicht verantwortlich ist.

Woher kommen die Nährstoffe?

Ende der 80er-Jahre wurden asiatische Silberkarpfen in den See eingesetzt, wir haben immer noch etwa 1 000 dieser Tiere. Sie fressen Plankton, aber leider nicht die Blaualgen und düngen mit ihren Exkrementen den See. Zudem ist der Seegrund teilweise von einer dicken Schlammschicht belegt, durch die kein Grundwasser dringen kann. Sonst würde das frische Grundwasser in den See strömen und das nährstoffreiche alte Wasser durch einen kleinen Zufluss in die Havel drücken. Durch die Schlammschicht fehlt zudem Sauerstoff in tiefem Wasser, es gibt richtige Todeszonen im See.

Womit kann die Wasserqualität verbessert werden?

Wir werden noch etwa ein Jahr lang Untersuchungen am See durchführen, danach können Fördermittel für konkrete Projekte beim Land beantragt werden. Bereits im Frühjahr haben wir 150 Karpfen abgefischt, jetzt im Herbst sollen es mindestens noch einmal so viele werden. Auch das hilft schon einmal, die Wasserqualität zu verbessern.

Die Fragen stellte Enrico Bellin

Frank Plücken (49) wohnt seit 1992 in Caputh und ist Diplomgeograf sowie Artenschutzreferent. Er setzt sich für eine bessere Wasserqualität im Caputher See ein.