Indoorspielplatz : Kinderoase in Teltow wird versteigert

Nach 15 Jahren will das Stahnsdorfer Unternehmerpaar Schumacher in der Kinderoase den Betrieb einstellen. Aus dem Indoorspielplatz könnten womöglich Wohnungen werden. 

Foto: Privat

Teltow - Eine schlechte Nachricht für die kinderreiche Stadt: Teltows Indoorspielplatz, die Kinderoase am Regionalbahnhof, wird am Donnerstag versteigert. Das teilte das mit der Auktion beauftragte Berliner Auktionshaus Karhausen am Dienstag mit. Die Freizeitstätte soll aber noch bis mindestens Mai geöffnet bleiben.  

Betrieben wird die Kinderoase in der Bahnstraße 2 von dem Stahnsdorfer Ehepaar Katharina und Uwe Schumacher. Das Paar hat entschlossen, sich nach 15 Jahren eine Pause gönnen zu wollen, sagte Uwe Schumacher den PNN. Die Kinderoase laufe gut, die Freizeiteinrichtung ausgelastet, doch sei es eine "kräftezehrende Angelegenheit". Denn die Arbeit in dem Familienbetrieb würde viel Engagement erfordern. Schumacher spricht von einer 60 bis 80 Stunden Woche, die das gemeinsame Projekt mit sich bringe.

Die Freizeitstätte in der Bahnstraße ist direkt am Regionalbahnhof gelegen. 
Die Freizeitstätte in der Bahnstraße ist direkt am Regionalbahnhof gelegen. Foto: Privat

 

Der Großteil der Holzkonstruktionen stammt von Tischlermeister Uwe Schumacher, für das pädagogische Angebot ist seine Frau, Katharina Schumacher, ehemalige Grundschullehrerin, zuständig. Neben dem Indoorspielplatz bietet die Kinderoase ein Museum der fünf Sinne, einen Sinnesgarten; es werden Märchenstunden veranstaltet. Außerdem kann das Haus für Kindergeburtstage gemietet werden. 

Mindestangebot liegt bei 1,8 Millionen Euro  

Die Suche nach einem Nachfolger für den Teltower Indoorspielplatz blieb indes erfolglos, so Uwe Schumacher. Daher beschloss die Familie, die einst von der Deutschen Bahn erstandene Immobilie jetzt unter den Hammer zu bringen. Das Mindestangebot für den Indoorspielplatz mit seinen knapp 1000 Quadratmetern und weiteren rund 4000 Quadratmetern Außenfläche liegt bei 1,8 Millionen Euro. "Das Objekt ist ein echtes Schmuckstück", so der Auktionator Matthias Knake. Das Gebäude wurde als Gleichrichterwerk der Reichsbahn für den Betrieb der alten S-Bahnlinie im Jahr 1959 errichtet, nach dem Mauerbau im Jahr 1961 verlor es seine Funktion und stand lange Zeit leer. Aufgrund der Historie wurde der Außenbereich unter Denkmalschutz gestellt. Die Schumachers kauften das Haus vor 16 Jahren. Laut Auktionator Knake würden bereits etwa ein Dutzend Anfragen vorliegen, darunter Interessenten mit unterschiedlichen Konzepten, unter anderem die Weiterführung als Kinder- und Jugendeinrichtung mit Schwerpunkt Sport. Es gebe aber Interessenten, die aus dem Gebäude einen Firmensitz mit Produktion zu machen, ein anderer will dort einen Wohn- und Gewerbemix etablieren. 

Umnutzung zu Wohnungen und Gewerberäumen möglich

Um mehr interessierte Käufer anzulocken, haben die Schumachers eine Bauvoranfrage gestellt und offenbar positiv beschieden bekommen. Wer den Zuschlag erhält, kann die Kinderoase voraussichtlich für den Bau von Wohnungen oder Büroräumen umnutzen. Das Areal grenzt direkt an den Regionalbahnhof Teltow mit direkter Anbindung nach Berlin, betont Auktionator Knake. Er konnte noch eine weitere Besonderheit für das Objekt nennen: "Das Grundstück reicht bis direkt an den Bahnhofsvorplatz, von dem aus ein direkter Zugang geschaffen werden könnte."

Der Garten der Kinderoase, Teltow,  
Der Garten der Kinderoase, Teltow,  Foto: Privat

In der Kaufsumme ist auch das gesamte Inventar enthalten, dazu gehören unter anderem eine Gastronomieküche, ein Café sowie zwei ehemalige Trafobühnen als Terrassen, die erweiterbar sind. Das 400 Quadratmeter große Untergeschoss ist komplett ausgebaut, im Obergeschoss befinden sich Büroräume, zwei weitere Terrassen und der Erlebnistunnel, der als Rutsche in die große Halle führt. Im Garten gibt es Spielgeräte und ein Grillhaus.

Viel Holz, wenig Plastik

"Wir unterscheiden uns deutlich von den klassischen Indoorspielplätzen", sagt Uwe Schumacher. Er und seine Frau hätten sehr darauf geachtet, dass nicht alles aus Plastik ist, und dass die Sinne der Kinder angeregt werden. "Am liebsten wäre es uns, wenn es als Indoorspielplatz weitergenutzt werden würde." Auch eine Kita könne er sich in dem Gebäude vorstellen. Auf die Frage, ob es dazu womöglich Gespräche mit der Stadt Teltow gegeben habe, wirkt Schumacher resigniert. Was genau schief gelaufen ist, darauf will Schumacher jedoch nicht genauer eingehen. Eine Anfrage, ob die wachsende Stadt über den Kauf des Hauses nachgedacht hat, blieb zunächst unbeantwortet.  

Auktionshaus bekannt für Spezialauktionen

Die Frühjahrsaktion des Auktionshauses Karhausen findet im Auditorium Friedrichsstraße im Quartier 110, Friedrichsstraße 180 in Berlin am 13. März um 12 Uhr statt. Versteigert werden an diesem Tag neben der Teltower Kinderoase noch weitere rund 57 Immobilien aus ganz Deutschland. Wer mitbieten möchte, aber nicht persönlich erscheinen kann, hat die Möglichkeit, einen schriftlichen Bietungsauftrag zu erteilen oder sich als Telefonbieter beim Auktionshaus registrieren zu lassen. Das Auktionshaus Karhausen ist bekannt für Spezialimmobilien, zu einer der prominentesten Versteigerung gehörte die Versteigerung des brandenburgischen Dorfes Alwine

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