Potsdam-Mittelmark : In Reiseboxen eingepfercht

Amtstierärztin nahm Halterin zwölf Hunde ab / Angespannte Situation im Tierheim Verlorenwasser

Henry Klix

Stahnsdorf / Belzig - Sie hatten die Spur schon seit längerem verfolgt: Am Sonntag konnten Polizei und Veterinäramt eine Frau aus Süddeutschland mit ihren Rottweiler-Mischlingen schließlich dingfest machen. Die 14 meist ausgewachsenen Hunde waren offenbar seit Monaten in vier kleinen Hunde-Reiseboxen zusammengepfercht – ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz das eine „verhaltensgerechte“ Unterbringung vorschreibt. Einer der beiden eingesperrten Welpen war krank.

„Es hatte schon seit einiger Zeit Hinweise zu dem Fall gegeben“, sagte Sonja Hahlweg, Amtstierärztin im Landratsamt, gestern gegenüber den PNN. Allerdings habe man die Frau, die mit einem Transporter mit Anhänger umherreiste, nie an den angegebenen Orten angetroffen. Erst am Sonntag war es soweit: Im ehemaligen Güterfelder Gewerbegebiet im Priesterweg konnten ihr die Hunde abgenommen werden, sie sind vorerst im Tierheim Verlorenwasser untergekommen. Die Halterin, die keinen festen Wohnsitz angeben konnte, ist nicht bereit, der Vermittlung der Tiere zuzustimmen.

Ob sie die Hunde zurückbekommt, sei noch offen, sagte Hahlweg. Laut Tierschutzgesetz müsste sie dafür eine artgerechte Haltung nachweisen. Immerhin sei die Frau mit der Tierhaltung offenbar halbwegs vertraut. „Bis auf den kranken Welpen waren die Hunde aufgeweckt“, sagte Hahlweg.

Auch im Tierheim Verlorenwasser war die „Handelsreisende“ bereits bekannt: Vor einem halben Jahr habe sie schon mal nachgefragt, ob sie mit den Hunden unterkommen könne, so Tierheimleiter Wolfgang Aland. Für gewerbliche Züchter sei ein solcher Service allerdings nicht möglich. Für das Tierheim sei der Vorfall vom Sonntag der Gipfelpunkt einer ganzen Reihe von unangenehmen Vorkommnissen der vergangene Tage. Dabei stehe die Weihnachtszeit, zu der erfahrungsgemäß viele der geschenkten Tiere im Tierheim landen, noch bevor.

So habe vor einigen Tagen eine Frau aus dem Raum Oranienburg mit fünf Hunden vor der Tür gestanden, die sie aus schlechter Haltung freigekauft hatte. Sie bat das Tierheim darum, die Hunde aufzunehmen und an bessere Halter vermitteln. Die Mitarbeiter nahmen die Tiere sofort auf. Kurze Zeit später rief ein Tierschutzverein aus Berlin um Hilfe: Er müsse eine Pflegestelle schließen und stehe mit mehreren Tieren auf der Straße. „Die bekommen wir auch noch unter“, meinte Tierheimleiter Wolfgang Aland. Als das Fahrzeug eintraf, saßen statt der angekündigten vier bis fünf Hunde jedoch zwölf im Auto. „Da müssen wir jetzt durch“, sagte sich Aland. Es ging gleich weiter: Als er zwei Tage später die E-Mails durchsah, war darunter der Bericht über den Brand in einem Moskauer Tierheim. 500 Hunde befanden sich in dem Tierasyl. Durch den Brand waren zwar nur wenige umgekommen, aber in Moskau herrschten 20 Grad Minus, Heizung und Strom in dem Heim waren ausgefallen. Aland sagte Plätze für sechs verletzte Tiere zu.

In der angespannten Situation gab es für das Tierheim Verlorenwasser auch viel Unterstützung: Ein Hundehütten-Spezialist aus Schierke lieferte zwei Transporter-Ladungen mit isolierten Hundehütten und verzichtete auf einen Teil der Bezahlung. Ein Brunnenbauer aus Ziesar – er hatte schon seit Monaten auf dem Tierheimgelände ehrenamtlich geschaufelt und gebuddelt – rückte mit Familie und Freunden an, um ein zusätzliches Hundehaus herzurichten. Ein Fensterbauer stiftete Fenster, um das Gebäude dicht zu bekommen. Die Ehrenamtler des Vereins schrauben jetzt Hundehütten im Akkord.Henry Klix

Wer sich über das Tierheim informieren möchte, kann dies bei der „Weihnachtsbescherung“ am 27. 12. von 11-16 Uhr tun.