Potsdam-Mittelmark : In Kleinmachnow tief verwurzelt

Zweite Projektausstellung im Sommerfeld-Haus eröffnet am 9. September. Auch Kartoffelernte geplant

S. Schuster
Mitmach-Ausstellung 2.0. Kuratorin Alexis Hyman Wolff vor dem handgewebten Teppich, der im vergangenen Jahr in der Werkstatt durch die Museumsbesucher entstanden ist.
Mitmach-Ausstellung 2.0. Kuratorin Alexis Hyman Wolff vor dem handgewebten Teppich, der im vergangenen Jahr in der Werkstatt durch...Foto: S. Schuster

Kleinmachnow - Im vergangenen Jahr wurde ein knallgelber Teppich ausgerollt, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. In diesem Jahr kommt Kleinmachnows temporärer Museumsstandort in der Karl-Marx- Straße 117 noch ein bisschen tiefgründiger daher: Ging es bei der ersten Projektausstellung im Sommerfeld-Musterhaus noch ganz allgemein um die Kleinmachnower und ihre persönlichen Geschichten, so widmet sich die Neuauflage der Mitmach-Schau nun dem Thema Wurzeln. Das Ergebnis intensiver Arbeits- und Vorbereitungswochen wird ab dem 9. September für einen Monat in dem denkmalgeschützten Holzbau zu sehen sein.

„Die Museumsgruppe war sehr ehrgeizig, motiviert und engagiert“, erklärt Kuratorin Alexis Hyman Wolff. Wie schon 2016 hat die aus den USA stammende Berlinerin im Auftrag der Gemeinde die Projektleitung übernommen und gemeinsam mit der Kleinmachnower Museumsinitiative, dem Heimatverein sowie Kunstvermittlerin Danja Erni Kleinmachnows zweite Projektausstellung entwickelt. Auch viele weitere Kleinmachnower hätten wieder kräftig mitgemischt, so Wolff.

In verschiedenen künstlerisch-wissenschaftlichen Projekten betrachte die Schau das Thema aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln und widme sich sowohl historischen als auch botanischen und poetischen Aspekten von Wurzeln.

Umgesetzt werden die in Workshops zusammengetragenen Ideen zum einen durch eine Vielzahl an Exponaten, die die Kleinmachnower aus ihrem Fundus beisteuerten. „Wundervolle Fotos“ seien darunter, auch ein Koffer, den die Mutter einer Kleinmachnowerin auf ihrer Flucht dorthin bei sich hatte. Die Ausstellung werde aber auch weiterhin offen für Gegenstände und Geschichten der Kleinmachnower sein, so Wolff.

Zudem werde es diesmal auch ein umfassendes Begleitprogramm geben. So wird die Kuratorin zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 10. September, um 14 Uhr eine Führung durch das Haus anbieten, im Anschluss will sie gemeinsam mit Gästen und dem Publikum über Architektur und Bauweisen der 1920er-Jahre diskutieren.

Neben dem Hausbau und Siedeln in Kleinmachnow soll es aber auch um die Wurzeln im Garten gehen. Am Samstag, 16. September, wird zur Kartoffelernte und einer Pflanzenbörse geladen. Eigens für dieses Event hatte die Kleinmachnower Museumsinitiative im Vorfeld im Garten des ehemaligen Verkaufsbüros der Sommerfeld-Siedlung Kartoffeln angebaut. Überhaupt sei der Garten sehr inspirierend gewesen, erklärt die Projektleiterin. Neben anderen war hier das Kleinmachnower Protolab sehr aktiv und habe in einer Art archäologischer Grabung das Wurzelwerk eines Baumes freigelegt. Darüber hinaus werden die Protolab-Mitarbeiter vor Ort Wurzelgemüse zubereiten. Auch Josef Schöwel und sein 1956 in Kleinmachnow gegründeter Familienbetrieb werden einen besonderen Platz in der Ausstellung bekommen. Fotos, Dokumente und ein Interview mit dem Unternehmensgründer Josef Schöwel werden Erinnerungen an die gärtnerische Entwicklung dieser Zeit repräsentieren.

Eine intensive Zusammenarbeit habe es diesmal zudem mit den lokalen Schulen gegeben, um noch mehr Kinder anzusprechen, so Wolff. In einer Museumswerkstatt können diese sowohl mit den Händen als auch mit Worten experimentieren, kreative Geschichten oder Songs zum Thema Wurzeln entwickeln oder an einem Bauprojekt im Garten werkeln.

Zum Abschluss ist eine Podiumsdiskussion geplant, bei der Profis aus dem Museumsbereich in einen fachlichen Diskurs über Museumsmodelle treten werden. Denn mit der Ausstellung soll nicht nur die Idee eines lebendigen Museums fortgesetzt, sondern auch die Grundlage für das künftige Kleinmachnower Museum erarbeitet werden, nachdem die Gemeinde nun schon seit Jahren sucht. S. Schuster

Eröffnung Samstag, 9. September, 15 Uhr. Danach zu sehen bis 1. Oktober 2017, Samstag/Sonntag, 12 bis 18 Uhr

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