Potsdam-Mittelmark : Im Fokus chinesischer Investoren

Teltow rückt immer mehr ins Interesse der Asiaten. Doch mit der Nachfrage wächst die Skepsis

Weiter ungeklärt. Offenbar gibt es doch noch keinen neuen Investor für das Teltower Restaurant „Shi Shan“. Geschäftsführerin Huiyan Chen-Xiang hatte das Gegenteil behauptet.
Weiter ungeklärt. Offenbar gibt es doch noch keinen neuen Investor für das Teltower Restaurant „Shi Shan“. Geschäftsführerin...Foto: S. Schuster

Teltow - Ein neuer Betreiber für Teltows Gourmet-Tempel „Shi Shan“, eine Artistenschule, die ihre Fühler in der Speckgürtel-Kommune ausstreckt und nicht zuletzt Langfang, eine nordchinesische Millionen-Metropole, die sich für eine Partnerschaft mit der kleinen 26 000-Seelen-Stadt im Berliner Umland starkmacht: Teltow ist ins Zentrum des Interesses chinesischer Geschäftsleute gerückt. Doch noch gibt es viele offene Fragen und auch die Skepsis wächst.

Alain Gamper, Vorsitzender des Vereins „Teltow ohne Grenzen“, bekräftigte gegenüber den PNN seine Bedenken zur angekündigten Städtepartnerschaft. „Es gibt eine enorme Diskrepanz in der Größe beider Städte“, sagte er. „Wir wissen nicht, wie das funktionieren kann.“

Das von den Chinesen vorgelegte Ideenpapier, in dem unter anderem von der Etablierung eines „Zentrums für Traditionelle Chinesische Medizin“ die Rede ist, dokumentiere ein rein kommerzielles Interesse der Asiaten an der Region, so Gamper. Das sei nicht Sinn einer Städtepartnerschaft.

Dennoch hatten die Teltower Stadtverordneten im Juli mehrheitlich entschieden, Vorbereitungen für eine solche Partnerschaft zu treffen. Nach der Interessenbekundung der Chinesen habe es aber noch keine weiterführenden Gespräche gegeben, sagte Stadtsprecherin Andrea Neumann den PNN. Teltow warte zunächst auf die weitere Initiative der Asiaten, da der Kontaktwunsch von dort formuliert worden sei.

Initiiert worden war die Begegnung beider Städte durch die Geschäftsführerin des Unternehmens „The International Culture & Media Center of Germany“, Astrid Judith, frühere Managerin des Teltower Gourmet-Tempels „Shi Shan“. Eigenen Angaben zufolge plane sie dort eine Begegnungsstätte, um den deutsch-chinesischen Austausch zu fördern. Mit den PNN wollte sie über ihre Pläne aber nicht sprechen. Kürzlich wurde bekannt, dass der Betreiber des Ende 2011 in einem ehemaligen Supermarkt in der Potsdamer Straße eröffneten Restaurants finanziell ins Taumeln geraten war. Wie berichtet war Anfang August ein vorläufiges Insolvenzverfahren eröffnet worden, der Betrieb laufe aber unverändert weiter. Derzeit werde ein neuer Betreiber gesucht. Angaben von „Shi Shan“-Geschäftsführerin Huiyan Chen-Xiang, wonach dieser mit einem Interessenten aus der Provinz  Jiang Su bereits gefunden sei, wollte der vorläufige Insolvenzverwalter Thomas Krafft aber nicht bestätigen. „Die Suche nach einem Investor hält unverändert an“, erklärte er. Derweil machten vor wenigen Tagen neue Pläne chinesischer Investoren aus der Provinz Jiang Su die Runde. Mitte September hatte eine Delegation aus Rudong, einem Kreis in der Provinz Jiang Su, die Stadt am Teltowkanal aufgesucht, erneut angeführt von der ehemaligen „Shi Shan“-Managerin, die bereits die Städtepartnerschaft zwischen Teltow und Langfang ins Rollen gebracht hat. Diesmal seien die Chinesen in die Stadt gekommen, um über den Bau einer Artistenschule zu beraten. Mit der Nantong Circus Performing Arts Co. gebe es auch schon einen interessierten Investor, der bereits ein Pendent in Rudong betreibe, heißt es vonseiten der Stadt, die bislang in die Pläne aber nicht involviert sei. Stattdessen hätte die Delegation Kontakt zum SC Potsdam aufgebaut, der das Vorhaben mit seinem Netzwerk unterstützen soll.

Der Sportclub bestätigte das Interesse der Chinesen, die Artistenschule sei bislang aber nicht Teil der vereinbarten Kooperation beider Seiten, sagte der stellvertretende Geschäftsführer des Sportclubs, Lutz Nichelmann. Die Beteiligten hätten sich zunächst auf ein gemeinsames Tanzprojekt verständigt. Bis Ende nächsten Jahres würden dazu asiatische Artisten und Brandenburger Sportgymnasten ein gemeinsames Bühnenprogramm einstudieren. Der Ort der Aufführung stehe aber ebenso wenig fest wie der Zeitpunkt. Solveig Schuster

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