Illegaler Müll in Stahnsdorf : Führt Lieferschein zum Täter?

In der Nähe von Stahnsdorf haben Unbekannte illegal Bauschutt entsorgt. Die Potsdamer Oberförsterei sucht jetzt die Täter. Ein Politiker hat möglicherweise den entscheidenden Hinweis gefunden. 

Müll aus einem Bad im Wald bei Stahnsdorf. 
Müll aus einem Bad im Wald bei Stahnsdorf. Foto: Nicole Kabbeck

Stahnsdorf - Leere Zementsäcke, alte Fliesen, ein Waschbecken und eine Tür: Im Wald nahe Marggraffshof bei Stahnsdorf haben Unbekannte bereits vor rund zwei Wochen illegal Bauschutt entsorgt. Anwohner, Spaziergänger und Reiter zeigten sich im sozialen Netzwerk Facebook verärgert über den Müll im Wald und forderten die Stahnsdorfer Verwaltung mehrfach zum Handeln auf. Doch Stahnsdorf war nicht zuständig, auch nicht der Landkreis Potsdam-Mittelmark, wie eine Anfrage der PNN ergab.

Das Waldstück ist offenbar im Besitz des Landesforsts, zuständig ist die Oberförsterei Potsdam, die am Dienstag auf Anfrage mitteilte, den Müll in der letzten Juli- oder ersten Augustwoche entsorgen zu wollen. Derzeit würde man Hinweisen zum Verursacher nachgehen, so Jens Schwoch von der Oberförsterei.

Hinweise sollen an die Oberförsterei gemailt werden

Denn eigentlich müsste derjenige, der den Müll illegal in den Wald kippt, die anfallenden Kosten tragen, um den Unrat auch wieder aus dem Wald entfernen zu lassen. Sollte der Täter nicht ermittelt werden, „erfolgt die Entsorgung auf behördliche Veranlassung, also aus öffentlichen Mitteln“, so Schwoch. Jede Information zum möglichen Verursacher sei daher hilfreich und willkommen. Hinweise könnten direkt per Mail an die Oberförsterei Potsdam gerichtet werden.

Wird Müll illegal in der Landschaft verklappt, sind in Brandenburg die öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger für die Entfernung zuständig. Laut der aktuellen Abfallbilanz sind in Potsdam-Mittelmark im Jahr 2017 insgesamt 802 Tonnen illegaler Müll entsorgt worden. Das entspricht einer Menge von 3,8 Kilo Müll pro Einwohner und Jahr. Das meiste davon waren Haus- und Sperrmüll, organische Abfälle sowie Bau- und Abbruchschutt. Auch 21 Tonnen asbesthaltige Baustoffe wurden auf den Feldern und in den Wäldern der Mittelmark gefunden. Die Entsorgung hat den Kreis rund 188.000 Euro gekostet.

Entsorgungskosten werden über Müllgebühren finanziert

Leider sind die Verursacher der „wilden“ Ablagerungen aufgrund fehlender Beweislage kaum zu ermitteln, heißt es in der Abfallbilanz. Daher müssten die Entsorgungskosten über die Müllgebühren finanziert werden müssen. Im vergangenen Jahr ist die Menge des illegal gefunden Mülls um etwa 20 Prozent zurückgegangen, so Kreissprecher Kai-Uwe Schwinzert. Demnach soll auch weniger Asbest illegal abgeladen worden sein.

Für die Spaziergänger bei Marggraffshof ist das ein schwacher Trost. Über Facebook hatten sich erste  Nutzer schon überlegt, in einer gemeinsamen Aktion den Müll einzusammeln und zu entsorgen. „Aber wer trägt dann die Kosten“, hat sich der Teltower CDU–Stadtverordnete Dirk Krumeich gefragt. Er hatte seinen Autoanhänger angeboten, um den Unrat wegzuschaffen. Nachdem es nun einen konkreten Entsorgungstermin gibt, will Krumeich, der ebenfalls bei einem Spaziergang den Müll gesichtet hat, der Forst und Polizei mit Hinweisen dienen.

Hinweis zu Täter über Lieferschein aus Berlin?

„Jemand hat offenbar sein Bad sanieren lassen und hat den Bauschutt im Wald abgeladen“, so Krumeich. Er schätzt den Müllhaufen auf rund drei Kubikmeter. Zwischen dem Unrat hat er unter anderem auch eine Verpackung gefunden, an der noch ein Lieferschein klebte. Die Adresse einer Berliner Firma aus Reinickendorf will er nun an die Oberförsterei weiterleiten und hofft, dass am Ende doch noch der Verursacher gefunden wird.