Hofläden in der Mittelmark : Erfolgreich trotz Coronakrise

Hofläden sind während der Coronapandemie besonders beliebt. Kunden setzen nun mehr auf eigene Produkte.

Doreen Engelhardt verzeichnet in der Coronakrise einen guten Umsatz.
Doreen Engelhardt verzeichnet in der Coronakrise einen guten Umsatz.Foto: Andreas Klaer

Beelitz/Teltow/Werder (Havel) - Eigentlich war alles ganz anders geplant. Um ihre 700 Eier täglich zu verkaufen, die über die beiden mobilen Hühnerställe zusammenkommen, wollte Familie Engelhardt zusätzlich zu ihrem Hofladen am Riebener See in Beelitz zwei Eierautomaten aufstellen. Dann kam die Coronakrise und aus dem Projekt wurde erst einmal nichts. Nicht etwa, weil der Hofladen und die Weidelandfarm in wirtschaftliche Schwierigkeiten gerieten und sie wie viele Betriebe ums Überleben kämpfen mussten – ganz im Gegenteil. Der Verkauf von Eiern stieg so rasant an, dass der Familie Engelhardt allein über den Verkauf im Hofladen sowie in umliegenden Läden 700 Stück täglich von Kunden abgenommen wurden.  

„Ich hätte mir niemals träumen lassen, dass man diese große Menge ohne andere Vermarktungswege verkauft“, sagt Doreen Engelhardt. Die Automaten können sie daher erstmal nicht in Betrieb nehmen, da sie keine Ware dafür haben. Da damit auch ohne Nutzung bereits Kosten verbunden seien, planen sie nun bereits einen dritten mobilen Hühnerstall, um mit insgesamt 1000 Eiern auch die Automaten zum Einsatz zu bringen. Schließlich seien diese gerade auch in Coronazeiten eine sinnvolle Möglichkeit, um kontaktlos zu bezahlen, meint die Landwirtin. 

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„Für uns hat sich alles zum Positiven entwickelt“

Von der Coronakrise hat die Weidelandfarm von Familie Engelhardt somit bislang profitiert. „Für uns hat sich alles zum Positiven entwickelt“, sagt Doreen Engelhardt. Auch das Fleisch werde besser als vor der Krise verkauft. Reichte es vorher normalerweise bis zum nächsten Schlachttermin nach vier Wochen, ist das Fleisch jetzt oft schon nach zwei Wochen ausverkauft. Warum der Absatz seit Beginn der Krise so gestiegen ist? Doreen Engelhardt kann darüber nur mutmaßen. Nach den Hamsterkäufen in den Supermärkten und dadurch fehlenden Lebensmittel hätten manche Menschen Hofläden als Alternative entdeckt, vermutet sie. 

Andere finden nun die Zeit, um Hofläden aufzusuchen, an denen sie schon mehrmals vorbeikamen. Die Weidelandfarm liegt schließlich an einem Rundwanderweg. „Wir wollten schon immer mal anhalten, jetzt haben wir das mal geschafft“, hätten ihr Kunden mitgeteilt. Einen anderen Grund sieht sie darin, dass manche nun durch beschränktere Freizeitaktivitäten und weniger Restaurantbesuche mehr Geld zur Verfügung haben und das nun für bessere Lebensmittel ausgeben, sich der Qualität stärker bewusst seien, so Engelhardt. Außerdem sei es in dem Hofladen einfacher als in den großen Supermärkten, die Abstandsregeln einzuhalten. 

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Umzug trotz Corona richtige Entscheidung

Ähnliche Gründe für den aktuellen Erfolg von Hofläden nennt auch Monique Henschel. Vor einer Woche hat sie ihren neuen Biohofladen im Teltower Mühlendorf eröffnet. Dieser löst nun ihren vorherigen Laden auf dem Gelände des Obst- und Gemüsehofs Teltower Rübchen ab. Der Umzug in das etwa doppelt so große Geschäft sei bereits geplant und der Vertrag unterschrieben gewesen, bevor es mit Corona losging, sagt Henschel. Trotz der Krise erwies sich die Entscheidung als richtig. 

„Ich habe dort mehr Laufkundschaft als an meinem alten Standort“, sagt sie. Einige ihrer Kunden seien außerdem aus Berlin und kauften lieber dort als in großen Supermärkten ein. Aber die Entwicklung seit Beginn der Krise zeichnete sich auch schon in ihrem alten Geschäft ab. Seit Beginn der Coronakrise kommen deutlich mehr Kunden, von allem verkauft sie mehr. Dazu gehören Eier, aber auch alle anderen Produkte. „Alles ist proportional angestiegen“, erklärt Henschel.  

Menschen verbinden Spaziergang mit Einkauf im Hofladen

Die positive Entwicklung für die Hofläden in der Region, die trotz der Krise erfolgreich sind, bestätigt auch Hanna Präger, Vorsitzende des Vereins Offene Höfe in der Nuthe-Nieplitz-Region. Bei den Hofläden, die offen bleiben durften, habe es keinen Einbruch gegeben, sagt sie. Viele würden einen Spaziergang mit einem Einkauf in einem Hofladen verbinden. Das sei aber auch Schwankungen unterworfen. „Es ist extrem wetterabhängig“, meint sie. Manche würden aber auch einfach die Betriebe vor Ort unterstützen wollen, vermutet Präger.  

Das sieht auch Stefan Lindicke so. „Die Leute kaufen bewusster und bewusster regional ein“, meint Lindicke, der zusammen mit seiner Familie in Werder den Obsthof Lindicke betreibt. Dadurch, dass die Restaurants geschlossen seien, würden viele mehr selbst kochen. Der Hofladen habe sich daher gut entwickelt. Besonders Spargel und Eier würden sie viel verkaufen, sagt er. Auch beim Obstwein hätten sie einen guten Absatz, auch wenn die Einbußen durch das ausgefallene Baumblütenfest spürbar sind. „Wir haben gut zu tun“, sagt er. Verglichen mit dem Zeitraum im Jahr zuvor habe sich der Umsatz um 15 bis 20 Prozent gesteigert.  

Ob der größere Erfolg von Hofläden in der Region auch nach der Krise weitergeht, ist derzeit noch offen. Manche Kunden würden danach wegfallen, vermutet Doreen Engelhardt. „Einige werden danach wieder zur Normalität zurückkehren“, meint auch Monique Henschel. Beide sind aber auch davon überzeugt, dass viele dabeibleiben werden. Die Kunden würden regionale Lebensmittel nun schätzen lernen und erkennen, welchen Wert es hat, direkt beim Erzeuger zu kaufen. 

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