Heim für Obdachlose in Teltow : Ein Dach über dem Kopf

Die Potsdamer Klinikgruppe Ernst von Bergmann eröffnet in Teltow eine Obdachlosenunterkunft.

Teltow – In der Teltower Oderstraße entsteht eine neue Unterkunft für Obdachlose, ganz dicht am Kanal und in Fußnähe zur Altstadt. Offiziell soll die „Pension Oderstraße“ erst im August eröffnen, doch der erste Bewohner ist schon eingezogen. Bald könnten dort mehr als ein Dutzend weiterer Menschen wohnen. Die Potsdamer Klinikgruppe Ernst von Bergmann plant die Obdachlosenunterkunft in einer leeren Etage über dem Teltower Industriemuseum. Schon vor einigen Jahren gab es eine solche Einrichtung in der Region, doch sie musste auf Druck der Behörden wieder schließen. Der Bedarf sei jedoch weiter da, erklärt der neue Betreiber.

Die zur Klinikgruppe gehörige Ernst von Bergmann Sozial gGmbH betreibt bereits Notunterkünfte in Glindow und Neu-Fahrland. Seit 2014 ist das gemeinnützige Unternehmen zudem in der Region Teltow, Kleinmachnow, Stahnsdorf im Bereich der Wohn- und Eingliederungshilfe aktiv. Im „Arbeitskreis Obdachlos“, in dem sich die Mitarbeiter engagieren würden, sei der Bedarf nach einer Notunterkunft für Obdachlose aufgekommen. „Diesen Bedarf haben wir als Anstoß genommen, um uns in enger Abstimmung mit der Stadt Teltow aktiv einzubringen“, erklärt Steffen Grebner, Vorsitzender der Geschäftsführung der Klinikgruppe.

Hohe Dunkelziffer im ländlichen Raum

In der Oderstraße im Teltower Gewerbegebiet Techno Terrain fand das Unternehmen in unmittelbarer Nachbarschaft zu Möbel-Boss für die geplante Obdachlosenunterkunft ein geeignetes Objekt. Auf 390 Quadratmetern werden in einer ehemaligen Industriehalle zehn Einzel- und zwei Doppelzimmer sowie ein Lager, Büro und Gemeinschaftsflächen entstehen. Die Doppelzimmer sollen dabei vorrangig Frauen mit Kindern vorbehalten sein, wenngleich es solche Obdachlosenfälle in der Vergangenheit eher weniger gab. „Durch Unterstützung verschiedener Akteure fanden betroffene Mütter mit Kleinkindern zumeist rasch eine neue Bleibe“, erklärt Teltows Stadtsprecherin Andrea Neumann. Darüber hinaus seien derzeit in Teltow sieben obdachlose Menschen registriert. Diese Zahl sei weitestgehend stabil. Ähnlich sei es im gesamten Kreis Potsdam-Mittelmark. Auch hier sei das „Fallaufkommen auf gleichbleibendem Niveau“, so Landkreissprecher Kai-Uwe Schwinzert. Eine Statistik werde in der Behörde aber nicht gepflegt, da es sich vorwiegend um eine kommunale Aufgabe handele. Gerade im ländlichen Raum gäbe es aber eine hohe Dunkelziffer, erklärte er.

Die Betroffenen kämen aus der „ganz normalen Bevölkerung“, sagt Teltows Stadtsprecherin. Oftmals würden persönliche, gesundheitliche und familiäre Probleme in die Wohnungslosigkeit führen. Bei Räumungsklagen werde zunächst der Landkreis als örtlicher Sozialhilfeträger über die Amtsgerichte kontaktiert, so Mittelmarks Pressesprecher Schwinzert. Mit Hilfe von Sozialarbeitern sei es nicht selten möglich, den Wohnraum wieder zu sichern.

Obdachlose leben in Teltow derzeit zurückgezpgen - ohne Ansprechpartner

In Teltow sind die wohnungslosen Menschen derzeit kaum wahrzunehmen. Stadtsprecherin Andrea Neumann zufolge würden sie sehr zurückgezogen leben. Sie ist überzeugt, dass sich mit der neuen Unterkunft in der Oderstraße ihre Situation wesentlich verbessern werde: „Zum einen ist die Unterkunft sehr zentral gelegen, sodass die Betroffenen auf kurzem Wege zu Sozial- und Gesundheitsämtern, Betreuungsstellen oder medizinischen Einrichtungen gelangen können. Zum anderen ist die Unterkunft bedarfsgerecht eingerichtet und wird durch Sozialarbeiter der Wohn- und Eingliederungshilfe betreut.“ Diese werden für die Obdachlosen vor Ort dauerhafte Ansprechpartner sein. „Ziel ist es auch, Ehrenamtliche für die Arbeit in der Pension zu gewinnen“, so Steffen Grebner. Dies können durchaus auch Bewohner der Notunterkunft sein, erklärte er.

Das benötigte Mobiliar für die „Pension Oderstraße“ konnte die Ernst von Bergmann Sozial gGmbH zu 80 Prozent über Spenden finanzieren. 13 000 Euro seien dabei zusammengekommen. Mit dem Geld wurden nach Angaben des Betreibers Möbel- und Einrichtungsgegenstände, Geschirr, Bettwäsche und größere Haushaltsgeräte wie Kühlschränke und eine Waschmaschine angeschafft. Wichtig seien vor allem die soziale Betreuung und Begleitung der Betroffenen vor Ort, so Neumann. Bislang gäbe es in der Region kaum Wohnungen und Unterkünfte, die dem Bedarf vollumfänglich gerecht würden.

Mit dem "Haus Bäcker" hat eine der größten Einrichtungen in Brandenburg geschlossen

Die letzte Einrichtung dieser Art im Berliner Umland schloss vor mehr als einem Jahrzehnt. In einem ehemaligen DDR-Kulturhaus am Eingang zum Stahnsdorfer Ortsteil Sputendorf war Anfang der 1990er-Jahre eine soziale Wohneinrichtung für Obdachlose entstanden. Das „Haus Bäcker“ beherbergte bis zu 30 Bewohner und galt als eine der größten Unterkünfte in Brandenburg. Offenbar hatte sich die Betreiberin mit dem Projekt aber übernommen. Nachdem sie Grundstück und Gebäude zunächst vom Land Berlin als damaliger Eigentümer gepachtet hatte, schlossen beide Seiten 1997 einen Kaufvertrag. Allerdings zahlte die neue Hausbesitzerin den Preis dafür nicht. 2001 trat Berlin vom Kaufvertrag zurück und forderte die Pacht für die vorangegangenen Jahre. Zu diesem Zeitpunkt sollen rund 250 000 Euro aufgelaufen sein. Das Haus verwahrloste, die Zustände wurden unhaltbar. Im Juni 2004 schloss die Obdachlosenunterkunft.

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