Größtes Wohnbauprojekt in Caputh : Warum das Blütenviertel noch nicht steht

100 Wohneinheiten sollen in Caputh entstehen, damit wird es das größte Wohnbauprojekt seit der Wende. Doch noch lassen die neuen Häuser auf sich warten. Über die Gründe.

Henry Klix
Entwurf von Graft. Lothar Hardt will etwas bauen, das Bestand hat. Grafik: Graft Berlin
Entwurf von Graft. Lothar Hardt will etwas bauen, das Bestand hat. Grafik: Graft Berlin

Schwielowsee - Qualität kostet Zeit, sagt Lothar Hardt. Er meint sein Blütenviertel. Für das größte Caputher Wohnbauprojekt seit der Wende ist schon im Dezember 2013 ein Bebauungsplan verabschiedet worden. Mit dem Bau eines Rewe-Marktes hatten die Bauarbeiten damals ihren symbolischen Anfang genommen. Doch die etwa 100 Wohneinheiten in Mehrfamilien-, Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäusern aus der Feder des Architekturbüros Graft lassen auf sich warten.

Investor Hardt versichert, dass hinter den Kulissen intensiv gearbeitet wird. Mit einem Partner gehe er derzeit letzte Details durch, im Juli wolle man verkünden, wie es weitergeht. Hardt spricht von einem Bauvolumen von 65 Millionen Euro – wobei der 66-Jährige Geschäftsmann sich angesichts der damit oft verbundenen Verwertungsarchitektur nicht gern als Investor bezeichnet sehen möchte. „Das soll nicht aussehen wie das Geltower Ortszentrum. Wir möchten was bauen, dass in 40 Jahren Bestand hat und Caputh prägt“, sagt Hardt, der einen Gutteil des Jahres in Dubai verbringt.

Irritationen im Rathaus

Die Bauarbeiten sollen mit der Erschließung starten, dann sollen laut Hardt die Geschossbauten mit Geschäften am neuen Markt entstehen und danach die dahinter liegenden Bauten, deren Figur auch von der Nachfrage abhänge. Angesichts günstiger Marktzinsen habe man schon Interesse, zügig loszulegen – aber nicht um den Preis der Qualität. Aus dem renommierten Büro Graft wurde auf Anfrage bestätigt, dass man „noch im Boot“ sei und es „langsam, aber stetig“ vorangehe.

Der Caputher Ortsbeirat hat Hardt zu seiner Sitzung am 2. September eingeladen. Ihm würden einige Fragen unter den Nägeln brennen, sagte Ortsvorsteher Jürgen Scheidereiter. Im Rathaus hatte es zuletzt Irritationen gegeben, weil Hardt bereits Grundstücke am Schmerberger Weg verkauft, aber noch keine Sicherheiten hinterlegt hatte. In einem städtebaulichen Vertrag war vor anderthalb Jahren eine Bürgschaft oder Grundschuld von 1,4 Millionen Euro vereinbart worden – damit die Gemeinde im Fall einer Pleite die Erschließung bezahlen kann. Nach einem entsprechenden Hinweis habe er Anfang Mai sofort das Grundbuch belastet, so Hardt. „Es gab keinen Grund, das früher zu machen.“ 40 Prozent der Erschließung seien auch schon beim Bau des Rewe-Marktes miterledigt worden. Hardt spricht von einer „hohen Vertrauensbasis“ mit dem Rathaus. Drei Grundstücke habe er verkauft, weil sie ohnehin nicht Teil der Gesamtplanung gewesen seien.

Noch weitere Hardt-Projekte

Hardt steht noch hinter zwei anderen Caputher Projekten: Den Bahnhof Caputh-Geltow will er zum Kulturbahnhof ausbauen. Auch hier sei in den vergangenen Monaten einiges geschehen, seien das DDT-verseuchte Dach und Dutzende Fenster saniert worden, liefen Abstimmungen zwischen Denkmalpflege und Brandschutz. Einen Betreiber gebe es noch nicht. Was den Senior-Club an der Schwielwoseestraße angeht, soll das Bebauungsplanverfahren Ende des Jahres abgeschlossen werden. Dann will Hardt auch mit diesem Wohnpark für Ältere langsam loslegen.

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