Glücksfund bei Bauarbeiten : Alter Münzschatz in Teltow entdeckt

Bei Arbeiten an einer Baugrube wurde durch ein Missgeschick ein alter Topf zerschlagen. Zum Vorschein kamen Silbergroschen aus dem 16. und 17. Jahrhundert - eine kleine Sensation für Archäologen.

Der Münzhort, der in Teltow entdeckt wurde.  
Der Münzhort, der in Teltow entdeckt wurde.  Foto: Annett Pratsch, Untere Denkmalschutzbehörde Landkreis Potsdam-Mittelmark

Teltow – Scherben bringen Glück: Beim Aushub einer Baugrube für ein Mehrfamilienhaus in der Potsdamer Straße in Teltow hat eine Baggerschaufel einen alten Topf zerschlagen. Doch das Ungeschick erwies sich später als Glücksfall: Als Archäologen das Gefäß näher untersuchten, kamen 400 Münzen aus dem 16. und 17. Jahrhundert zum Vorschein. Wie das Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologische Landesmuseum (BLDAM) mitteilte, handelt es sich um den ersten sogenannten Münzhort - also eine Ansammlung von Münzen - der in Teltow entdeckt wurde.

400 Silbergroschen aus dem 16. und 17. Jahrhundert

Der rund 15 Zentimeter hohe alte Topf, der mit dem Boden eines weiteren Gefäßes abgedeckt gewesen war, sei typisch für das 16. und 17. Jahrhundert, so dass BLDAM in seiner Pressemitteilung. Zu jener Zeit habe das Grundstück, auf dem der Fund geborgen wurde, an den Stadtwall gegrenzt. Bei den Münzen handele es sich um ausschließlich silberne Groschen aus der Zeit zwischen 1539 und 1633. Nach Angaben des BLDAM haben sie jeweils einen Durchmesser von rund 20 Millimetern und wiegen etwas weniger als zwei Gramm.

Die Silbergroschen haben viele unterschiedliche Prägungen, je nachdem aus welcher Zeit sie stammen. 261 Münzen lassen sich auf die Jahre zwischen 1572 und 1609 datieren. Sie wurden unter anderem in der Grafschaft Schaumburg, im Herzogtum Schleswig-Holstein-Gottorf, in Göttingen, Hameln und Ravensberg geprägt. 17 Münzen stammen aus Magdeburg und fünf aus Brandenburg, so das BLDAM. 

Außerdem konnten die Experten weitere 44 Münzen auf die Zeit zwischen 1623 und 1633 datieren, als noch der Dreißigjährige Krieg tobte. Münzherren seien in diesen Fällen die Kurfürsten von Sachsen und Brandenburg gewesen, so das Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege. Ein Münzherr besaß die sogenannte Münzhoheit, durfte also Münzen prägen lassen. Die restlichen Münzen konnten bislang noch nicht eindeutig bestimmt werden.

Für die Zeit waren die Münzen ein großes Vermögen

Münzen aus der Zeit von 1610 bis 1622 fehlen. Diese Jahre seien von einer extremen Münzverschlechterung geprägt gewesen, so das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege. Die zahlreichen neu entstandenen Münzprägestätten nutzten einfach bereits vorhandene Silbermünzen, um sie mit gleichem Münzwert, aber weniger Edelmetall- und mehr Kupfergehalt erneut auszugeben, so das BLDAM. So wurde aus vorhandenem Geld mehr gemacht und es kam zu einer Inflation. Erst ab 1623 wurden wieder sogenannte Gute Groschen geprägt mit wieder höherem Wert, zu denen auch die Teltower Münzen gehören.

Die jüngste Münze, die in dem Topf entdeckt wurde, ist von 1633. Nur ein Jahr später plünderten bereits Kaiserliche Truppen die heutige Stadt Teltow. Wie das Landesamt für Denkmalpflege mitteilte, wurde der Münzschatz möglicherweise wegen der Plünderungen versteckt und dann später nicht wieder geborgen. Die 400 Münzen seien im 17. Jahrhundert ein echtes Vermögen gewesen. Zum Vergleich: Ein Zimmermann verdiente am Tag gerade einmal sieben Groschen. Ein paar Schuhe kosteten 18 Groschen.

Münzen werden noch untersucht

Wie das Landesamt auf Nachfrage mitteile, ist ein solcher Fund äußerst selten. Einzelne Münzen werden hingegen häufiger entdeckt. Ein ganzer Münzhort sei aber ein Glücksfall. Aktuell befinden sich die Silbergroschen im Landesfundmagazin des Landesamtes in Wünsdorf. Dort werden sie weiter untersucht. Zukünftig sollen sie auch im Landesmuseum in Brandenburg/Havel ausgestellt werden.

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