Glindower Ziegelei ist insolvent : Manufaktur-Zukunft soll bis Mitte Mai klar sein

Werder (Havel) - Die Glindower Ziegelei ist zahlungsunfähig. Wie Geschäftsführer Harald Dieckmann am gestrigen Dienstag den PNN mitteilte, hat die Firma bereits am 7. März Insolvenz anmelden müssen. „Wir hatten einen sehr umsatzschwachen Winter“, erklärte Dieckmann. Zwar sei der Winter für die Ziegelei, deren Produkte vor allem für die Restauration historischer Bauten benötigt werden, generell eine schlechte Zeit. Bis zum Februar dieses Jahres habe es aber drei sehr umsatzschwache Monate gegeben. Als dann bei einer Betriebsprüfung Nachzahlungen vom Finanzamt gefordert wurden, habe die Insolvenz nicht mehr abgewendet werden können.

Zur Höhe der Schulden wollte Dieckmann sich nicht äußern. Gemeinsam mit dem Potsdamer Insolvenzbüro Schwoerer und Kollegen will der Geschäftsführer bis Mitte Mai einen Plan für das weitere Vorgehen entwickeln. Dieckmann will gern weiter für die Ziegelei arbeiten. „Die Frage ist nur, ob ich weiterhin alleiniger Geschäftsführer bleibe, oder ob es einen Partner geben wird.“

Die Chancen für den Erhalt der letzten in Glindow produzierenden Ziegelei stehen nicht schlecht, seit Februar sei die Auftragslage deutlich besser geworden. „Wir sind bestrebt, die Insolvenz durchzustehen“, so Dieckmann. Für die kommenden sieben Wochen sei die Ziegelei erst einmal ausgelastet. Diese eher kurzfristige Auslastung sei üblich, viele Bauherren würden ihre Bestellungen erst wenige Wochen vor der geplanten Fertigung aufgeben. Die Gehälter der 23 Mitarbeiter sind dem Geschäftsführer zufolge durch das Insolvenzausfallgeld gesichert. Keiner der Arbeitsplätze solle im Rahmen der Insolvenz entfallen. „Wir brauchen die Mannschaft ja, um weiter zu produzieren.“

Derzeit gebe es Aufträge unter anderem für die Restauration von zwei Kirchen in Bremen, der Flensburger Marineschule und eines ehemaligen Gaswerkes in Stockholm. „Im Mai werden wir dann zur weiteren Zukunft Farbe bekennen“, so Harald Dieckmann. Er leitet die Ziegeleimanufaktur seit mehr als zehn Jahren. 500 000 Steine können jährlich im Glindower Ringofen gebrannt werden. Um wirtschaftlich zu arbeiten, brauche man einen Jahresumsatz von mindestens einer Million Euro. Allein im Jahr 2014 wurden 200 000 Euro investiert, um eine der 14 Brennkammern des Ofens zu sanieren und mehrere Werkzeuge zu reparieren.

Werders Bürgermeisterin Manuela Saß (CDU) bedauerte gestern die Insolvenz der Manufaktur. In den nächsten Wochen werde man schauen, ob die Stadt eventuell bei der Suche nach neuen Investoren helfen kann. „Die Arbeit dort in Glindow ist von erheblichem Interesse, da man nicht alle Reparaturen mit neuen Ziegeln bewerkstelligen kann.“ Gerade für den Denkmalschutz sei die Ziegeleimanufaktur demnach von Bedeutung, so Saß.

Die Ziegelproduktion hat in Werder und Glindow eine lange Tradition: Seit mehreren Hundert Jahren wird Ton abgebaut und gebrannt. Eine Blütezeit gab es im 19. Jahrhundert, als besonders viele Ziegel für den Aufbau Berlins gebraucht wurden.