• Gleichgeschlechtliche Ehe in Brandenburg: Zwei Mütter kämpfen um Gleichberechtigung

Gleichgeschlechtliche Ehe in Brandenburg : Zwei Mütter kämpfen um Gleichberechtigung

Gleichgeschlechtliche Paare sind nicht automatisch Eltern ihrer Kinder. Wie seltsam sich das anfühlt, weiß eine Familie aus Borkheide.

Yvonne und Stefanie Kapala (v.l.) sind verheiratet.
Yvonne und Stefanie Kapala (v.l.) sind verheiratet.Foto: Andreas Klaer

Borkheide - Mit seinen Eltern, Großeltern und seiner kleinen Schwester Luca lebt Philip in Borkheide. Im großen Garten hinterm Haus zeigt er Besuchern die Kaninchen im Stall, sammelt bei den Hühnern zwei Eier ein. „Ich esse gerne Rührei“, sagt der knapp Vierjährige. Auch Vertreter vom Jugendamt haben sich in diesem Idyll umgesehen. Der Grund: Stefanie Kapala wollte die Kinder ihrer Ehefrau Yvonne, erst Philipp und drei Jahre später Tochter Luca, adoptieren. Sie wollte nicht, sie musste.

Während das Gesetz den ehelichen Partner einer Frau automatisch als Vater anerkennt und in die Geburtsurkunde einträgt, ist es bei einem gleichgeschlechtlichen Ehepartner anders. Der ist nach der Geburt für das Kind erstmal nichts. Dabei sind Stefanie und Yvonne Kapala seit 2016 verheiratet. Zusammen haben sie sich für die Kinder entschieden, ihre Familie geplant. Yvonne Kapala hat beide Kinder geboren, mithilfe eines Samenspenders wurde sie schwanger.

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Beide fühlten sich von Anfang an als Eltern. Rechtlich gilt das für Stefanie aber erst, seitdem sie die Adoptionsurkunde für Philip in den Händen hielt. Auf die für Luca warten sie derzeit. Und ein solcher Prozess kann dauern, bis zu zwei Jahre. Yvonne und Stefanie Kapala empfinden das, wie viele gleichgeschlechtliche Paare, die sogenannte Regenbogenfamilien gründen, als Diskriminierung.

Den Begriff ,Vater' durch ,Elternteil' ersetzen

„Laut Grundgesetz ist rechtlicher Vater, wer zum Zeitpunkt der Geburt mit der Mutter verheiratet ist“, sagt Yvonne Kapala. „Wenn man den Begriff ,Vater' durch ,Elternteil' ersetzte, wäre das Problem gelöst.“ So werde es auch bereits in einigen europäischen Staaten praktiziert. In Deutschland gibt es seit 2017 zwar die Ehe für alle. Bisher wurde aber versäumt, das Abstammungsrecht, das die Elternschaft regelt, entsprechend zu verändern, sagt Lisa Haring, die im Verein Regenbogenfamilien, den der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg gegründet hat, das Projekt ,Regenbogenfamilien in Brandenburg stärken' betreut.

Der Adoptionsprozess kostet Zeit, Nerven und teils hohe Gebühren. „Bis man das durch hat, ist man nur eine Bekannte des Kindes und hat keinerlei Rechte“, sagt Stefanie Kapala. Ihre Frau ergänzt: „Wäre mir etwas im Kreissaal passiert, ich weiß nicht, ob sie Stefanie das Kind mitgegeben hätten. Vermutlich wäre es in eine Pflegefamilie gekommen.“ Aber auch der normale Alltag kann problematisch werden. Als Nicht-Elternteil braucht Stefanie theoretisch für vieles eine Vollmacht, ob es ums Abholen von der Kita geht oder um Entscheidungen beim Kinderarzt.

Glückliche Familie aus Brück. 
Glückliche Familie aus Brück. Foto: Andreas Klaer

Seitenlange Berichte zur Sozialisation

„Der psychische Druck, weil man keine Rechtssicherheit hat, ist eine große Belastung für die Eltern“, sagt Lisa Haring. Über das Projekt "Regenbogenfamilien stärken" wurde deshalb eine Petition ans Justizministerium gestartet. Mehr als 5600 Unterschriften kamen bisher zusammen. Wie viele Betroffene es in Brandenburg gibt, werde allerdings nicht erfasst. 95 Prozent der Familien seien lesbische Mütter mit Kindern.

Yvonne und Stefanie Kapala fühlten sich während des Adoptionsprozesses manchmal sehr unter Beobachtung. Sie mussten seitenlange Berichte zur Sozialisation und familiären Situation verfassen, Kontoauszüge einreichen, und Yvonne, die biologische Mutter, aufschreiben, dass sie die Adoption gutheiße. „Jeder andere in einer heterosexuellen Beziehung kann jederzeit ein Kind machen und Eltern werden“, sagt Yvonne Kapala.

Philip und Luca ahnen davon kaum etwas. Philip hat seinen Vater kennengelernt und hat weiterhin Kontakt zu ihm. Damit er im Kindergarten sagen kann, dass er auch einen Vater hat – das ist den Müttern wichtig. Und alles andere, was vielleicht wie ein Problem erscheint, lässt sich regeln. Wenn Philip Mama sagt, meint er Steffi, und Mami ist Yvonne. So einfach.


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