• Geschlossen und überwacht: Alte Mülldeponie in der Fresdorfer Heide mit Potsdamer Altlasten

Geschlossen und überwacht : Alte Mülldeponie in der Fresdorfer Heide mit Potsdamer Altlasten

Die Arbeiten an der ehemaligen Mülldeponie in der Fresdorfer Heide sind abgeschlossen. Bäume dürfen dort auf dem Schuttberg nicht gepflanzt werden - und nebenan könnte eine neue Deponie entstehen.

21 Gasbrunnen erstrecken sich über die Deponie. Im Inneren befindet sich noch immer Gas, das zur Energiegewinnung verwendet wird.
21 Gasbrunnen erstrecken sich über die Deponie. Im Inneren befindet sich noch immer Gas, das zur Energiegewinnung verwendet wird.Foto: Sebastian Gabsch PNN

Michendorf – Knapp 28 Jahre lang wurde der Unrat der Potsdamer Haushalte zur Mülldeponie in der Fresdorfer Heide gefahren. Er landete dort auf einem Berg, der noch heute beachtliche Ausmaße einnimmt. 2005 schließlich musste die Stadt den Betrieb einstellen. Dieser Schritt war notwendig geworden, da es fortan nicht mehr erlaubt war, unbehandelten Müll einfach so auf Deponien zu entsorgen. 

Die Müllwagen blieben aus, die Hinterlassenschaften der Potsdamer waren allerdings nicht so einfach wegzubekommen. In den vergangenen 15 Jahren musste die Deponie zunächst gesichert werden, später wurde das Gelände rekultiviert. Nun wurden die Arbeiten abgeschlossen. Am Montag wurden die Sicherungsmaßnahmen offiziell vom Landesamt für Umwelt Brandenburg (LfU) abgenommen. Umweltminister Axel Vogel (Grüne) sprach von einem „historischen Abschluss“ der enorm wichtigen Arbeiten.

Umweltminister Axel Vogel.
Umweltminister Axel Vogel.Foto: Sebastian Gabsch PNN

Die Geschichte der 19 Hektar großen Deponie in der Fresdorfer Heide geht bis in die 1970er-Jahre zurück. 1977 wurde sie als sogenannte Grubendeponie eröffnet, in der der Abfall in eine Vertiefung geschüttet wurde. „Zu Zeiten der DDR wurde so ziemlich alles dort entsorgt“, sagt Florian Freitag, Geschäftsführer der Stadtentsorgung Potsdam GmbH (Step). Sie übernahm 1991 die Mülldeponie, erst den Betrieb sowie in den vergangenen fünfzehn Jahren die Deponienachsorge. Bis zur Schließung Ende Mai 2005, nachdem auch Mülltrennung in Deutschland zum Thema wurde, sei es, so Freitag, vor allem Hausmüll gewesen, der auf der Deponie landete.

Das Gas im Inneren des Müllbergs wird genutzt

Mit der Stilllegung wurden temporäre Bodenschichten aufgetragen, der Müllberg begrünt, damit Erosion vermieden wird. Auch wurde damit begonnen, das Gas, das sich im Inneren des Müllbergs durch die Zersetzung des Abfalls bildete, zu nutzen. „Dieses Deponiegas nimmt im Laufe der Zeit jedoch immer weiter ab“, so Umweltminister Vogel. Auch deshalb habe man vor Kurzem eine Schwachgasanlage in Betrieb genommen, um weiterhin „das Potenzial dieses Standortes“ auszuschöpfen. Die gewonnene Energie werde vor Ort in Wärme und Strom umgewandelt. „Diese wird hier unter anderem für die Beheizung des eigenen Betriebsgebäudes genutzt“, so Vogel weiter.

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Die Schwachgastechnik wird über die Deponie-Förderrichtlinie im Rahmen des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung mit 50.000 Euro gefördert. Die Gesamtkosten dafür betragen 170.000 Euro. „Dieses Förderprogramm ist bundesweit einzigartig“, so Vogel. Das Land Brandenburg wolle auch in Zukunft gezielt Mittel einsetzen, um Deponiegase mit der Technik zu nutzen. Das Gas im Inneren des Müllbergs in der Fresdorfer Heide wird über 21 sogenannte Gasbrunnen gesammelt und in sechs Gassammelstationen gebündelt. Die Leistung des Heizkraftwerkes: knapp 780 Kilowatt Strom und etwa 800 Kilowatt Wärme. Vogel meint, dass das Deponiegas noch mindestens bis 2024 oder 2025 gewonnen werden könne.

Die nahegelegene Kiesgrube könnte auch zu einer Mülldeponie werden. An dem Vorhaben wird jedoch Kritik geäußert.
Die nahegelegene Kiesgrube könnte auch zu einer Mülldeponie werden. An dem Vorhaben wird jedoch Kritik geäußert.Foto: Sebastian Gabsch

Die Kosten beliefen sich auf 14 Millionen Euro

Gleichzeitig wurde im Sommer 2016 damit begonnen, die Abfalldeponie an der Oberfläche abzudichten und ein Entwässerungssystem zu installieren. Damit soll das Herauslösen von schädlichen Substanzen und das Eindringen von Regen in den Müllberg verhindert werden. Auch Gas soll so nicht einfach entweichen könnnen. Das Regenwasser wird in ein Versickerungsbecken abgeleitet und von dort aus der Natur zugeführt. Nötig seien diese Schritte, damit keine Gefahr für die Bevölkerung ausgehe. 

Die Kosten für diese nun abgeschlossenen Arbeiten beliefen sich auf insgesamt 14 Millionen Euro. Eine enorme Summe, die aber bei einem Blick auf die Größe der Deponie Fresdorfer Heide nachvollziehbar ist. Denn insgesamt befinden sich dort noch immer etwa 4,5 Millionen Tonnen sogenannter Siedlungsabfälle, also Abfälle aus privaten Haushalten. Die Deponie hat eine Länge von 800 Metern, ist etwa 350 Meter breit und 20 Meter hoch.

Wie eine zukünftige Nutzung der Abfalldeponie aussehen könnte, ist derzeit noch völlig offen. „Es gibt Überlegungen, dort Fotovoltaikanlagen anzubringen“, so Vogel. Dazwischen könnten Schafe grasen. STEP Geschäftsführer Freitag: „Wer weiß, vielleicht wird dort auch mal eine Rodelbahn für Kinder entstehen.“ Bevor solche Pläne aber umgesetzt werden, muss die rekultivierte Deponie in den kommenden Jahren erst einmal überwacht werden. Diese „Nachsorgephase“ kann mitunter dreißig Jahre und länger andauern. Bäume werde man direkt auf dem Müllberg übrigens nicht pflanzen. „Wegen des Wurzelwerks kann es zu Problemen mit der Abdichtung kommen“, erklärte Freitag.

Kritiker wehren sich gegen eine Bauschuttdeponie in der Nähe

Während der alte Müllberg der Natur zurückgegeben wurde, herrscht nur einige Meter weiter seit Jahren ein Streit um eine geplante neue Bauschuttdeponie. Wie berichtet will die BZR Bauzuschlagstoffe & Recycling GmbH diese in der ausgekiesten Grube in der Fresdorfer Heide errichten. Anwohner fürchten gesundheitliche Risiken und Umweltbelastungen durch Schadstoffe sowie eine erhöhte Brandgefahr. Aufgrund von Formfehlern bei der ersten Auslegung sollten in diesem Jahr die Unterlagen erneut ausgelegt werden, das ist aufgrund der Coronakrise aber noch nicht geschehen. 

Erst im Juni äußerten Kritiker weitere Bedenken. Der Wasser- und Abwasserzweckverband „Mittelgraben“, zu dem die Gemeinden Nuthetal und Michendorf gehören, sprach sich deutlich gegen den Bau einer Deponie in der Fresdorfer Heide aus. Man befürchte eventuelle Verunreinigungen des Grundwassers, die die ohnehin bereits angespannte Grundwasserhaushaltssituation in der Region Nuthetal, Michendorf und Potsdam belasten könnte.

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