Potsdam-Mittelmark : Gemeinden auf gemeinsamem Kurs

Michendorf und Seddiner See lehnen beide Routen-Varianten für Abflüge über ihren Ortsteilen ab

Hagen Ludwig
Quelle: Deutsche Flugsicherung; Grafik: Gitta Pieper-Meyer
Quelle: Deutsche Flugsicherung; Grafik: Gitta Pieper-Meyer

Michendorf / Seddiner See - In einer gemeinsamen Stellungnahme haben die Gemeinden Michendorf und Seddiner See jetzt eine Änderung der geplanten Abflugroute „West 1“ vom künftigen Großflughafen Schönefeld gefordert. Vom Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF) waren beide Gemeinden separat aufgefordert worden, zu den zuletzt von der Deutschen Flugsicherung (DFS) vorgelegten zwei Abflugrouten-Varianten Stellung zu nehmen. Beide Varianten wurden von den Gemeinden als schlecht bewertet. Von der nördlichen Variante 2 wären Michendorf und Neuseddin betroffen, von der südlichen Variante 1 der Süden Wildenbruchs und Seddin, heißt es.

Nach Auffassung der Gemeinden gebe es eine einfache Lösung: Eine Routenführung klar südlich des Seddiner Sees, die erst deutlich außerhalb des Berliner Autobahnrings nach Norden verschwenkt. „Eine solche Route entspricht am ehesten der Routenführung, die bis September letzten Jahres mehr als zehn Jahre lang angekündigt und kommuniziert worden war“, erklärte der Bürgermeister der Gemeinde Seddiner See, Axel Zinke (parteilos). Bezogen auf die Verhältnisse im Berliner Umland gebe es südlich von Seddin und nördlich von Beelitz zudem einen Streifen mit sehr dünner Besiedelung.

In Sachen Flugrouten ziehen die Gemeinden Michendorf und Seddiner See an einem Strang, heißt es in einer gestern veröffentlichten Pressemitteilung, die von Zinke und dem designierten Michendorfer Bürgermeister Reinhard Mirbach (CDU) sowie den Vertretern der Bürgerinitiativen „Fluglärmfreie Havelseen“ und Seddiner See, Peter Kreilinger und Udo Spuhl, unterzeichnet wurde. „Sollten DFS oder BAF erwartet haben, dass wir unterschiedliche Einschätzungen haben und uns auseinanderdividieren lassen, so müssen wir sie enttäuschen. Als Bürgermeister sind wir gleichermaßen dem Wohl aller Gemeindeteile verpflichtet“, erklärte Zinke. Zudem habe man in der Stellungnahme die für die Gemeinden besonders wichtige Thematik der Flughöhen nochmals deutlich zur Sprache gebracht. „Es wäre aberwitzig, wenn unsere Bürger, die auf dem Landweg 50 bis 60 Kilometer zum Flughafen zurücklegen müssen, in nur 1000 Metern Höhe überflogen werden, nur weil es für die Fluglotsen besonders bequem ist“, betonte Mirbach, der Ende dieser Woche die Amtsgeschäfte in Michendorf übernimmt. Hier müsse sich die DFS mit mehr Mühe und Kreativität etwas Vernünftiges einfallen lassen.

Erfreut über das gemeinsame Vorgehen der Gemeindespitzen zeigten sich die Vertreter der Bürgerinitiativen. „Die Möglichkeiten zur Fluglärmvermeidung sind unbestritten begrenzt. Aber was die DFS bislang für unsere Region anbietet, ist rücksichtslose 08/15-Planung aus dem Baukasten für Anfänger“, erklärte Kreilinger. Hagen Ludwig