Potsdam-Mittelmark : „Geist der Rücksichtslosigkeit“

Gericht nennt Ex-Hakeburg-Betreiber Rösch und seinen Manager „außerordentlich skrupellos“

Gericht nennt Ex-Hakeburg-Betreiber Rösch und seinen Manager „außerordentlich skrupellos“ Von Peter Könnicke Kleinmachnow - Er werde nie wieder wirtschaftlich tätig werden. Das letzte Wort von Klaus W. Rösch im Hakeburg-Prozess würdigte Richterin Ulrike Phieler-Morbach als „guten Vorsatz“. Am Urteil hat das Versprechen des Angeklagten nichts geändert: Zwei Jahre und neun Monate muss der ehemalige FDP-Bundestagsabgeordnete hinter Gitter, weil er in seiner einjährigen Herrschaft über die Hakeburg das renommierte Gästehaus vorsätzlich in den Ruin getrieben hat, mit „hoher krimineller Energie“ agierte und sich „rücksichtslos über die Interessen und das Vertrauen von Gläubigern hinwegsetzte“. Das Urteil ist der harte Aufprall einer einst schillernden Figur, die vom fränkischen Kaufmannsgehilfen zum schwäbischen Bundespolitiker aufstieg, blendende Kontakte zur High Society fand, sich zu „Großem berufen fühlte“, wie Rösch selbst sagt. Er ist ein „übersteigerter Phantast“, beschrieb Anwalt Peter Müller seinen Mandanten, der gestern vergeblich um Bewährung bettelte. Obwohl aufgrund seines von Reue getragenen Geständnisses das Verfahren in vielen der ursprünglich 70 Anklagepunkte eingestellt wurde, sind die Vergehen immens: Das Gericht schickt Rösch wegen besonders schweren Betruges in zwei Fällen, einfachen Betruges in zehn Fällen, vorsätzlicher Konkursverschleppung und Unterschlagung ins Gefängnis. „Außerordentlich skrupellos“ habe sich Rösch gegenüber Mitarbeitern, Geschäftspartnern und Lieferanten als Generalbevollmächtigter der Hakeburg verhalten und in dem einen Jahr seines Wirkens am Machnower See – von 1997 bis 1998 – ein „unseriöses und betrügerisches Geschäftsgebahren“ an den Tag gelegt. Das Ergebnis sind fast 800 000 Euro nicht gezahlter Sozialabgaben und Löhne, offener Pacht und Rechnungen. Unter den Geprellten sind die Telekom, von der Rösch im Frühjahr 1997 die Hakeburg pachtete, Baufirmen, Kaufhäuser, kleine Händler und Lieferanten. Röschs Anwalt sah es in seinem Plädoyer als strafmildernden Umstand, dass einer der Hauptgeschädigten ein mehrfacher Millionär ist, den Rösch um 280000 Mark erleichterte, was für den reichen Geschäftsmann kein „spürbarer Verlust“ sei. Rösch hatte dem wohlhabenden Geschäftspartner das Geld abgeschwindelt, indem er vortäuschte, die Hakeburg zu kaufen. In Wirklichkeit erwarb Rösch lediglich die Anteile der damaligen Betreibergesellschaft. Dass es sich bei dem Geldgeber um einen Millionär handelt, habe Röschs „Hemmschwelle herabgesetzt“. Als strafmildernd konnte das vom Gericht nicht gesehen werden. Im Gegenteil: Die vielen Gläubiger, darunter zahlreiche wenig bemittelte Betroffene aus Kleinmachnow, Teltow, Stahnsdorf „werden von ihrem Geld nichts mehr sehen“, verdeutlichte die Richterin die Tragweite von Röschs schuldhaftem Tun. Als „zielgerichtetes Vorgehen und planmäßiges Verschleiern“, bezeichnete es Staatsanwalt Netz. Denn Rösch habe von Beginn an gewusst, dass er weder Pacht noch Rechnungen bezahlen kann. Obwohl frühzeitig zu erkennen war, dass die Hakeburg-Gesellschaft pleite war, hat er bewusst den Gang zum Insolvenzgericht vermieden – „in bekannter Manier“, wie das Gericht betont, denn in Röschs Sündenkartei haben sich seit 20 Jahren über ein Dutzend Richtersprüche wegen Betruges und Konkursverschleppung angesammelt. Dass Rösch seiner Verantwortung nicht gerecht werden konnte, weil ihn krankhafte Depressionen zur Untätigkeit zwangen, dass er wegen Selbstüberschätzung die Kontrolle verlor, weil er manisch sei, schloss das Gericht aus. Zu seiner Verteidigung hatte Rösch zu Prozessauftakt vorgebracht, er leide an manischen Depressionen. Die vom Gericht bestellte Psychiaterin Cordula Weitzel konnte bei Rösch keinen krankhaft manischen oder depressiven Zustand feststellen. Selbst in Gesprächen mit der Psychiaterin habe er sich mit „seiner Schokoladenseite“ verkauft. „Ich bin ein Mann fürs Große“, habe Rösch der Gutachterin erklärt und sich mit Goethe verglichen. Doch beruhen diese unrealistischen Einschätzungen und der Hang zum Größenwahn nicht auf krankheitsbedingten Einschränkungen: „Es ist Röschs Charakter“, so Weitzel. Und selbst sein Anwalt resümiert am Ende einer gescheiterten Karriere: „Rösch war immer voller Ideen, aber ohne Kapital.“ „Vom Geist der Rücksichtslosigkeit“ genauso erfasst wie Rösch sah das Gericht den Mitangeklagten Dirk A. Dietzel. Als Geschäftsführer der Hakeburg habe er sich über Monate an dem skrupellosen „Geschäftsgebahren“ beteiligt und die offensichtliche Insolvenz verschleppt. Dietzel, der erst vor wenigen Tagen wegen eines anderen Betrugsdelikts verurteilt wurde – er ergaunerte von einem Geschäftspartner 25 000 Mark – muss sich die kommenden 15 Monate bewähren. Am Kleinmachnower Seeberg lastet die einjährige Episode indes noch immer schwer auf der Hakeburg, die der Volksmund seither „Pleiteburg“ nennt. 1908 hatte die Adelsfamilie Hake dort ihren Wohnsitz bezogen, 1937 machte sie Reichspostminister Ohnesorge zu seinem Domizil. Zu DDR-Zeiten beherbergte sie Staatsgrößen wie Castro und Arafat. Seit nunmehr sechs Jahren steht das repräsentative Haus leer.

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