Potsdam-Mittelmark : Gärtnern wie die Großeltern

Ein Hofladen in Stücken bietet Apfelmus wie vor 100 Jahren und alles, was man sonst für das Leben so braucht

Damals. Franz und Emma Block verkauften Anfang des 20. Jahrhunderts Obst und Gemüse aus ihrem Stückener Garten.Alle Bilder anzeigen
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24.05.2013 21:40Damals. Franz und Emma Block verkauften Anfang des 20. Jahrhunderts Obst und Gemüse aus ihrem Stückener Garten.

Michendorf - Der Apfelmus hat Tradition: Schon Großmutter Emma Block hat Anfang des vergangenen Jahrhunderts den leckeren Mus hergestellt, der sich heute im Stückener Hofladen so gut verkauft. Großmutter und Großvater ist es auch zu verdanken, dass Stücken nach über 20 Jahren wieder einen Einkaufsladen hat. Ihre Leidenschaft für das Gärtnern war der Anstoß für Gerhild Böhnke, ein Jahrhundert später einen Hofladen mit Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten zu eröffnen.

Seit sechs Monaten bietet die mittlerweile 53-Jährige ein Sortiment an Dingen an, die man so brauche. Neben dem Apfelmus stehen in den selbst gezimmerten Holzregalen hausgemachte Marmeladen, Honig von Stückener Bienen und Walnusslikör aus eigenen Nüssen. Gleich daneben geht es mit Wildknackern und Wildsalami weiter. Die Würste aus dem Stückener Wildhandel Alfred Schreinicke hängen ordentlich an einer Stange.

Was nicht aus dem eigenen Garten kommt, wird meist aus der Region dazugekauft, wie auch das Beelitzer Kürbiskernöl von Thomas Syring. Aber auch Toilettenpapier, Briefmarken, gelbe Säcke, Caprisonne und Bier bietet der Dorfladen mit seinen hohen Decken. „Wir erweitern unser Sortiment mit der Nachfrage“, erzählt der Ehemann Michael Böhnke. Bald wird es auch Eier geben, der Hühnerstall ist so gut wie fertig und mit dem Frühling kommen auch immer mehr Produkte von Feld und Wiese in die Regale.

Seit ihrer Kindheit lebt die Ladenbesitzerin Gerhild Böhnke in Stücken. Sie ist auf einem Bauernhof aufgewachsen. „Der Hofladen war unser alter Stall.“ Neben Pferden, Schweinen, Hühnern und Schafen hatte die Familie auch einen ein Hektar großen Garten. Das Obst und Gemüse ernährte ihre achtköpfige Familie. Während ihre Eltern für den eigenen Bedarf den Garten bestellten, lebten ihre Großeltern, die Blocks, noch davon.

Wenn die Enkelin von ihnen erzählt, kommt sie ins Schwärmen und zeigt auf eine Schwarz-Weiß-Fotografie der beiden, die im Laden einen Ehrenplatz bekommen hat. „Sie hatten einen eigenen Betrieb und haben ihre Waren auch in Potsdam auf dem Markt verkauft.“ Doch das war Gerhild Böhnke vor einigen Jahren nicht bewusst. Erst beim Ausrümpeln der Scheune ist sie auf ein altes Emailleschild gestoßen, auf dem stand: „Obst-und Gartenbau Franz Block, Stücken bei Beelitz“. Der Eifer der blondhaarigen Frau war geweckt: Sie hatte ihre Großeltern zwar nicht persönlich kennengelernt, dennoch muss sie die Leidenschaft zum Gärtnern von ihnen geerbt haben.

Und ohne diese Leidenschaft wäre ihr Hofladen auch nicht zu schaffen: Zusammen mit ihrem Mann betreibt sie den Laden nur nebenher. Beide sind voll berufstätig und arbeiten in Berlin. Unter der Woche steht die Nichte von Gerhild Böhnke hinter der Kasse. Am Wochenende sind die Besitzer selbst aktiv: Pflanzen, Umgraben, Hühner halten und Ernten – das sei eben ihr Hobby.

Selbst sonntags, wenn ihr Laden eigentlich geschlossen sei, finde man sie meist im Garten und könne trotzdem etwas einkaufen. Im Gegensatz zu vielen anderen Anwohnern habe sie ihren Garten nicht „pflegeleicht“ umgestaltet. Im Gegenteil, als die Pläne für einen Hofladen im letzten Jahr konkreter wurden, hat das Ehepaar 60 verschiedene Obstbäume angepflanzt. Die zusätzliche Arbeit ist für Gerhild Böhnke kein Thema: „Ich habe mich doch schon immer um den Garten gekümmert. Da dachte ich mir, wieso soll ich das nicht ausbauen und damit eine Familientradition fortführen.“

Von so viel Elan sind nicht nur die Stückener begeistert. Auch die grüne Bundestagsabgeordnete Cornelia Behm, Mitglied im Landwirtschaftsaussschuss, hat diese Woche einen Abstecher zu dem Hofladen gemacht: „Das ist ein Objekt mit Zukunft und zur Nachahmung empfohlen“, so Behm. Es sei bemerkenswert, dass das berufstätige Ehepaar sich entschlossen habe, die Lücke des fehlenden Nahversorgers zu füllen. „Die Lebensqualität sinkt, wenn man für den Einkauf ins Auto steigen muss.“ Außerdem sei ein Dorfladen Kommunikationszentrum.

An zwei gemütlichen Tischen können die Gäste frischen Blechkuchen, Kaffee, Cappuccino oder Latte Macchiato trinken. So etwas gab es im Konsum, der bis zur Wende die einzige Einkaufsmöglichkeit im Ort war, natürlich nicht. Und mittlerweile kommen auch Berliner und Potsdamer am Wochenende vorbei und genießen die grüne Idylle.

Der Hofladen in der Seddiner Straße 63 ist montags bis freitags von 17 bis 20 Uhr und samstags von 13 bis 18 Uhr geöffnet.