Frauentag : Mittelmarks Frauen haben die Hosen an

Sie verdienen mehr, sind weniger oft von Arbeitslosigkeit betroffen und im Alter nicht ärmer als Männer. Eine Analyse.

Frauenrechtlerin Lily Braun in ihrem Haus in Kleinmachnow
Frauenrechtlerin Lily Braun in ihrem Haus in KleinmachnowFoto: Heimatverein Kleinmachnow

Die Gleichstellung von Frauen und Männern ist in Potsdam-Mittelmark mit Blick auf die aktuellen Zahlen bereits auf einem guten Weg. Wie es den Frauen im Kreis geht und wo es noch Verbesserungsbedarf gibt, zeigt ein Überblick der PNN zum morgigen Frauentag.


Gleicher Lohn, gleiche Arbeit 

Was die Gehaltsunterschiede zwischen Mann und Frau angeht, ist der Kreis weit vorne. So hat Potsdam-Mittelmark in der ZDF-Deutschland-Studie bundesweit Platz 13 von insgesamt 401 Plätzen belegt. Zum Vergleich: Potsdam landet auf Platz 54. Sozialversicherungspflichtige, in Vollzeit beschäftigte Frauen in der Mittelmark haben 2015 ein mittleres Einkommen von 2331 Euro brutto pro Monat erzielt. Damit liegen sie etwas über dem Verdienst der Männer. Deren sogenanntes Medianeinkommen liegt laut dem Online-Atlas des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (Inkar) bei 2291 Euro. Interessant ist auch, dass gleich viel Männer wie Frauen im Kreis erwerbstätig sind – jeweils 55 000 Personen. Ebenfalls ausgeglichen ist der Anteil der Erwerbstätigen an der Gesamtbevölkerung. Er liegt bei Männern und Frauen bei jeweils knapp 50 Prozent. Die Kehrseite der Medaille: „Das Modell Mann arbeitet Vollzeit, Frau in Teilzeit ist auch in Potsdam-Mittelmark gängige Praxis“, so die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, Theresa Pauli. Während fast 40 Prozent der Frauen in Teilzeit arbeiten, sind es laut dem Landesamt für Statistik nur 15 Prozent der Männer. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit von Frauen liegt bei 34 Stunden, Männer kommen auf 39,4. Das entspricht dem Durchschnitt in Brandenburg.

Frau sein heißt für mich...
Annalena Baerbock: Frau sein heißt für mich, auch mal samstagabends, mit Chips auf dem Schoß, Fußball gucken. Annalena Baerbock ist Bundesvorsitzende der GrünenWeitere Bilder anzeigen
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07.03.2019 10:04Annalena Baerbock: Frau sein heißt für mich, auch mal samstagabends, mit Chips auf dem Schoß, Fußball gucken. Annalena Baerbock...


Geteilte Kinderbetreuung

Wenn Frauen nach der Geburt ihres Kindes wieder in den Beruf einsteigen wollen, dann brauchen sie Betreuung für ihr Kind. Doch daran fehlt es in vielen Kommunen. In Michendorf und Werder (Havel) übersteigt die Nachfrage deutlich das Angebot an Krippen- und zum Teil auch Kitaplätzen. In Schwielowsee, Nuthetal, Teltow, Stahnsdorf und Kleinmachnow, so heißt es aus den Kommunen, könne man den Bedarf gerade so decken. Neue Plätze sind in Planung, doch das hilft erwerbstätigen Müttern kurzfristig nicht weiter. In solchen Fällen ist die Hilfe der Väter wichtig – und die nehmen für ihre Kinder immer öfters eine Auszeit. So haben laut dem Landesamt für Statistik rund 50 Prozent der Väter in Potsdam-Mittelmark Elterngeld beantragt. Die Zahlen verraten aber nicht, wie lange die Väter zu Hause bleiben. Oft beschränke sich das auf den ersten und einen weiteren Monat für einen gemeinsamen Urlaub, so Gleichstellungsbeauftragte Pauli. „Sinnvoller für die partnerschaftliche Aufteilung der unbezahlten Sorgearbeit im Haushalt sind mehre Monate allein als Vater mit dem Baby“, so Pauli.

Die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreis Potsdam-Mittelmark, Theresa Pauli.
Die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreis Potsdam-Mittelmark, Theresa Pauli.Foto: privat

Frauen als Chefin

Es gibt kaum belastbare Zahlen, die zeigen, wie weiblich die Führungsebene von mittelmärkischen Unternehmen ist. Ein Blick auf das Handelsregister im Kammerbezirk Potsdam der Industrie und Handelskammer, zu der auch Potsdam-Mittelmark sowie weitere fünf Kreise und die kreisfreie Stadt Brandenburg/Havel gehören, zeigt, dass 20 879 von 66 302 Unternehmen von Frauen geleitet werden. Das entspricht etwa einem Drittel. Ähnliche Aussagen gibt es vom brandenburgischen Arbeitsministerium: Mit einem Anteil von fast einem Drittel Frauen in Führungspositionen liege das Land über dem Bundesdurchschnitt mit 26 Prozent. Innerhalb der Kreisverwaltung ist das Verhältnis zwischen Frauen und Männern auf der unteren und mittleren Führungsebene ausgeglichen. Die hohe Führungsebene ist von Männern besetzt.


Am Rande der Gesellschaft 

Elternteile, die ohne Partner ihre Kinder aufziehen, stehen vor besonderen Herausforderungen. Ihre prekäre Lage zeigt sich auch daran, dass viele von ihnen auf Hilfe vom Staat angewiesen sind. So waren im Kreis nach Angaben des Jobcenters Maia im Jahr 2017 13 Prozent der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten alleinerziehend. Das entspricht 710 Personen. Die Mehrheit der Alleinerziehenden in Mittelmark sind Frauen (92,2 Prozent). Laut dem Jobcenter Maia sind sie – was den Beruf angeht – oft besser qualifiziert als Mütter in Paarhaushalten, jedoch ist die Kinderbetreuung für sie zum Teil problematisch. Schwierig sei vor allem die Randzeitenbetreuung. Positiver fällt die Bilanz zur Arbeitslosigkeit aus: Frauen in der Mittelmark sind von Arbeitslosigkeit weniger stark betroffen als Männer, der Anteil liegt aktuell bei 42 Prozent zu 58 Prozent. In realen Zahlen heißt das: 2237 Frauen und 3085 Männer sind im vergangenen Monat als arbeitslos registriert gewesen. Auch sind etwa gleich viele Männer wie Frauen von Altersarmut betroffen, Grundsicherung bezogen im vergangenen Jahr jeweils etwa 320 Personen. Übrigens: Das durchschnittliche Alter von Frauen in Mittelmark liegt bei 47 Jahren, ihre Lebenserwartung bei 84 Jahren.


Männerdomäne Kommunalpolitik 

Frauen sind in der mittelmärkischen Politik unterrepräsentiert. Der Kreis kommt mit seinem Frauenanteil in Kommunalparlamenten in der ZDF-Deutschland-Studie auf Rang 265. Zum Vergleich: Potsdam belegt Rang 18. Nur vier von 19 Hauptverwaltungsbeamten sind weiblich. In Werder (Havel), Schwielowsee, Nuthethal und im Amt Wusterwitz regieren Frauen. Unterrepräsentiert sind Frauen auch im Kreistag: Nur elf von 56 Mitgliedern sind weiblich – ähnliches gilt auch für viele Kommunalparlamente.


Wegweisende Frauen

Bei den Straßennamen haben die Männer die Nase vorn. Von den insgesamt rund 523 personalisierten Straßennamen im Kreis sind laut Pauli nur knapp 15 Prozent weiblich. Beliebte Namen sind Rosa Luxemburg oder Liselotte Herrmann. Teltow hat mit neun weiblichen Straßennamen die meisten in der Region, Michendorf hat nach eigenen Aussagen keine einzige Straße nach einer Frau benannt.

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